Stimmbildung im Chor?

Daher bin ich immer sehr skeptisch wenn jemand von sich behauptet gut singen zu können, aber keine Ahnung von Notenlesen hat.
Ich behaupte man wird bei SĂ€ngerInnen von allen Musikern den grĂ¶ĂŸten Anteil an "guten Analphabeten" finden (dicht gefolgt von Gitarristen).
Notenlesen und Singen haben keinen sooo starken Bezug zueinander, im Vergleich z.B. Noten und Klavierspielen.
 
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Notenlesen und Singen haben keinen sooo starken Bezug zueinander, im Vergleich z.B. Noten und Klavierspielen.
Kommt auf den Musikstil an. In der "Klassik" wirst du kaum musikalische Analphabeten finden ...
 
Kommt auf den Musikstil an. In der "Klassik" wirst du kaum musikalische Analphabeten finden ...

Auch innerhalb desselben Musikstils kann man gut differenzieren, ich habe zB noch nie so viele SĂ€ngerinnen ohne Notenkenntnisse getroffen wie in meiner Zeit im Kantatenchor.
Ich habe mich da lange gewundert warum die Damen alle so wild darauf waren im 1. Sopran zu singen, bis ich gemerkt habe, dass sie alle ihren Part nach Gehör von einer CD lernen. Den 1. Sopran hört man halt meist am besten.
 
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In der "Klassik" wirst du kaum musikalische Analphabeten finden ...

WĂŒrde ich auch eher auf den akademischen oder professionellen Betrieb anwenden. In (klassischen) Laienchören gibt es die auch – siehe Zuckerfees Kommentar.

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Kommt auf den Musikstil an. In der "Klassik" wirst du kaum musikalische Analphabeten finden ...
Ich fĂŒrchte auch dort muss man differenzieren. Bei den Profis vermutlich nicht, stimmt, die haben Notenlesen auch im Lehrplan. Bei Laien findet man denke ich einige "Analphabeten" auch im klassischen Bereich.
 
Aber in diesem Thread war es ja so, dass jemand explizit nach Gesangsunterricht gefragt hat, da könnte es ja sein, dass deshalb zumindest der Wunsch besteht, irgendwann solistisch zu singen.

Wenn jemand primÀr in einem Chor singen möchte, tut er das in der Regel einfach und ohne vorher GU zu nehmen.
Ich weiß nicht, ob jede/r am Anfang schon weiß, wo die Reise hingeht? Und m.E. ist es auch fĂŒr ChorsĂ€nger ohne solistische Ambitionen weiterhin sinnvoll, GU zu nehmen, aber das habe ich glaube ich schon oft genug geschrieben.
Jein! Sicher, man kann im Rahmen einer guten Chorstimmbildung ein paar Ecken und Kanten an seiner Stimme abschleifen, aber es werden immer noch viele Baustellen bleiben. Und die werden dann bei jahrelangen Chorsingen u.U. ziemlich zementiert und mĂŒssen spĂ€ter in der Solo-Ausbildung erst mal mĂŒhsam behoben werden. Man beginnt stimmtechnisch dort in gewissen Bereichen dann ev.nicht bei Null sondern im Minus.
Ich sehe den Unterschied zwischen "Ich singe im Chor und verbaue mir meine Stimme" und "Ich gröhle sonstwo und verbaue mir meine Stimme" nicht wirklich. Ja, die Gefahr, dass man Fehler einschleift, ist, wie ĂŒberall, gegeben wenn man "autodidaktisch" singt. Das sehe ich aber wirklich unabhĂ€ngig vom Chor. Die einzige Gefahr, die ich im Chor sehe, ist, dass sich Leute nicht hören (aber well, das tun sie, wenn sie am Volksfest oder so mitsingen auch nicht).
Aber Gesangsunterricht ist fĂŒr mich schon Einzelstimmbildung plus (nach einiger Zeit) interpretatorische Arbeit an der Literatur.
Auf Interpretation ist bei mir eigentlich jede/r ChorleiterIn auch eingegangen. Geht doch auch gar nicht ohne, zumindest nicht dann, wenn man gute Konzerte geben will.
Wenn man seine Stimmausbildung aber sehr intensiv und ĂŒber viele Jahre betreibt, wird vermutlich bei den meisten irgend wann einmal der Wunsch aufkommen (auch) solistisch zu singen.
S.o. Es gibt auch Chöre, die setzen Stimmbildung voraus. Ich weiß nicht, ob bei denen jedes Mitglied Solo singen will?

FĂŒr mich ist "nimmt GU" lĂ€ngst nicht fix mit "singt Solo" gekoppelt.
 
Hallo @moniaqua ich habe etwas den Eindruck, dass wir vielleicht etwas aneinander vorbeidiskutieren.

Ich nehme mal an dass Du Gesangsunterricht nimmst, magst Du vielleicht einmal schildern, was dabei das Ziel des Lehrers oder Stimmbildners fĂŒr Deine Stimme ist?
Welche Klangvorstellung hat er/sie dabei?

Nur zum Vergleich, mit der Technik, die ich mir jetzt im Gesangsunterricht erarbeite, kann ich völlig mĂŒhelos und ohne große Anstrengung im Bereich des Chor- Sopran 1 singen (zumindest was die StimmbĂ€nder angeht, körperlich finde ich es extrem anstrengend), ich bin dabei aber sicher dreimal so laut wie frĂŒher, mit Luft nach oben.
Abstellen lĂ€sst sich das ohne QualitĂ€tseinbuße nicht, weshalb ich mal davon ausgehe, dass sich das Singen im Chor fĂŒr mich erledigt haben dĂŒrfte.

Vielleicht kannst Du mal schildern wie das bei Euch gemacht wird, ich bin wirklich nur neugierig.
 
Ich nehme mal an dass Du Gesangsunterricht nimmst, magst Du vielleicht einmal schildern, was dabei das Ziel des Lehrers oder Stimmbildners fĂŒr Deine Stimme ist?
Welche Klangvorstellung hat er/sie dabei?
Ich kann mit der Frage nichts anfangen. Das Ziel der GL sollte doch das der SchĂŒlerInnen sein. Ich nehme derzeit keinen GU (mehr) mangels Zeit und umstĂ€ndehalber. Vielleicht fange ich ihn wieder an, ich weiß noch nicht, das hĂ€ngt davon ab, ob mein Leben mal das tut, was ich plane...
Nur zum Vergleich, mit der Technik, die ich mir jetzt im Gesangsunterricht erarbeite, kann ich völlig mĂŒhelos und ohne große Anstrengung im Bereich des Chor- Sopran 1 singen (zumindest was die StimmbĂ€nder angeht, körperlich finde ich es extrem anstrengend), ich bin dabei aber sicher dreimal so laut wie frĂŒher, mit Luft nach oben.
Abstellen lĂ€sst sich das ohne QualitĂ€tseinbuße nicht, weshalb ich mal davon ausgehe, dass sich das Singen im Chor fĂŒr mich erledigt haben dĂŒrfte.
Auch damit kann ich nichts anfangen. Schwierig wird es nach meinem Wissen erst dann, wenn eine Stimme ein starkes Vibrato entwickelt - was bei Solistinnen wohl auch erwĂŒnscht ist - und die SĂ€ngerInnen es nicht abgestellt bekommen. Schiere LautstĂ€rke stört doch nicht, solange der Gesamteindruck des Chores stimmig ist. Und das hĂ€ngt von vielen Faktoren ab.

Aber mĂŒheloser (Ă€hmja, sagen wir mĂŒhelos im Stimmapparat, da sind wir uns einig - der Bauch "zwickt" oft erheblich :) ) und ökonomischer Stimmeinsatz ist fĂŒr mich definitiv ein Ziel von GU. Sopran 1 singen weniger - aber: der GU hilft mir, den Einsatz im Sopran, in dem ich in einem Chor umstĂ€ndehalber sitze, obwohl das so gar nicht meine Stimme ist, zu ĂŒberleben, ohne die Ohren der Konzertbesucher zu maltrĂ€tieren, sagen wir mal so ;)
 
Kommt auf den Musikstil an
Ich denke es entscheidet weniger der Musikstil als die Frage: Chor oder Solo. Notenkenntnisse sind fĂŒr Choristen wesentlich wichtiger als fĂŒr Solisten. Eine Solostimme kann ich mir leicht raushören, bei Chorstimmen fĂ€llt das viel schwerer.
In der "Klassik" wirst du kaum musikalische Analphabeten finden
Stimmt schon, aber es wird auch außerhalb der Klassik gesungen :)
 
Hallo @moniaqua,

ich glaube ich verstehe langsam, wo wir aneinander vorbeireden.

FĂŒr mich hat klassischer Gesangsunterricht zum Ziel, aus der Stimme ein Instrument zu formen, mit dem man dann Werke, die eine entsprechend ausgebildete Stimme erfordern, in adĂ€quater Weise vortragen kann.
Was man dann mit so einem Instrument anfangen will, sollte man natĂŒrlich selbst entscheiden dĂŒrfen.


Auch damit kann ich nichts anfangen. Schwierig wird es nach meinem Wissen erst dann, wenn eine Stimme ein starkes Vibrato entwickelt - was bei Solistinnen wohl auch erwĂŒnscht ist - und die SĂ€ngerInnen es nicht abgestellt bekommen. Schiere LautstĂ€rke stört doch nicht, solange der Gesamteindruck des Chores stimmig ist. Und das hĂ€ngt von vielen Faktoren ab.

Der Punkt ist, dass durch die Ausbildung der Stimme nicht nur die grundsÀtzliche LautstÀrke zunimmt.
Du trainierst auch den gezielten Einsatz von ResonanzrĂ€umen in Tonlagen, in denen Du diese normalerweise nicht nutzten wĂŒrdest. Das macht den Stimmklang insgesamt homogener und verleiht der Stimme eine ganz schöne "Durchschlagskraft", auch ohne dass man richtig laut werden muß. Und das ist unabhĂ€ngig vom Vibrato.
Ich kann wirklich noch nicht viel, aber mich hört man auch bei moderaten GesangsĂŒbungen im gesamten Wohnhaus vom EG bis ins 4 OG.
In meinem frĂŒheren Chor wĂ€re es nicht möglich gewesen, noch mitzusingen.

Das ist aber eventuell auch eine individuelle Sache.

Viele GrĂŒĂŸe.
 
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Stimmt schon, aber es wird auch außerhalb der Klassik gesungen
Und gar noch mit Leadsheets und so assligem Zeug ;)
In meinem frĂŒheren Chor wĂ€re es nicht möglich gewesen, noch mitzusingen.
Das ist dann imho eine Sache des Chores.
Das ist aber eventuell auch eine individuelle Sache.
Auch, aber nicht nur, s.o. Ich habe schon wirklich oft erlebt, dass Choristinnen (u.a. auch aus dem Bayerischen Staatsopernchor) Solo singen. Es hÀngt denke ich vom Chor ab, vom Chorleiter, von den SolistInnen - halt von vielen Faktoren.
Mein erster GL hier hat sich ja ein "klitzekleinbisschen" mit Mozart befasst; er hat seine Diplomarbeit ĂŒber ihn geschrieben. Er lĂ€sst seine SolistInnen bei Messen u.a. von Mozart schön brav im Chor mitsingen und bei - ich glaube - der Theresienmesse von Haydn ist der Übergang Solo/Chor so notiert, dass klar erkenntlich ist, dass die Solisten wieder im Chor weitersingen sollen danach (an dieser Stelle gibt es eine Überschneidung, das ist sonst eher selten). Das wĂŒrde nie funktionieren, wenn SolistInnen nicht mehr fĂ€hig wĂ€ren, im Chor zu singen.

Die Sache ist halt wirklich, haben die SolistInnen ihre Stimme so weit im Griff, dass sie sich in den Chor einfĂŒgen können? Wenn nicht, geht Chorsingen nicht. Und da ist nach allem, was ich gehört und mitbekommen habe, das Vibrato sehr maßgeblich. Ich bin noch nie gefragt worden, ob ich auch leiser/mit weniger Durchschlagskraft singen kann, sehr wohl aber schon öfter, ob ich auch "gerade" singen kann (wenn die Leute meine Stimme noch nicht kannten). Durchschlagskraft sollte man haben, ja, die stört aber wohl nicht so sehr im Chor :) Wenn die Stimme deswegen wirklich unschön heraussticht, passt sie einfach nicht zum Chor, da findet sich aber bestimmt ein anderer Chor, wo es geht.
Ey, fÀngst du jetzt an Vibrato zu dissen?
Klar doch, immer schon. Das hat mir so manche extra-Gesangsstunde eingebracht, weil ich vor lauter Angst vor jallern das DrĂŒcken nicht lassen konnte ;)

Actually gewöhne ich mich anscheinend so langsam daran, ich finde es nicht mehr gar so schlimm wie frĂŒher, mag aber nach wie vor die eher geraderen Stimmen lieber.
 
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@moniaqua

Ich gebe Dir natĂŒrlich uneingeschrĂ€nkt recht wenn Du sagst, dass es eine Sache des chorischen Gesamtklangs ist, wer klanglich reinpasst und wer nicht.

Ich habe auch schon öfter Mitglieder des Chores des Bayerischen Rundfunks als Solisten gehört, dazu wollte ich aber noch sagen, dass dieser Chor, genau wie der der Oper der Staatsoper meines Wissens nach ein Profi- Chor ist, also alle SÀngerinnen und SÀnger dort eine klassische Gesangsausbildung haben.
Das ist dann in sich vom Klang her wieder stimmig.

Die Praxis, dass bei den großen Werken mit Orchester Solisten den Chorteil mitsingen kenne ich auch, teilweise machen sie das einfach, um warm zu bleiben, ich weiß aber auch, dass manche Dirigenten das aus musikalischen GrĂŒnden nicht wollen und durchaus sauer werden, wenn die Solisten einfach mitsingen.

Ich bin ja eher der Barock- Fan, und dort kenne ich die unterschiedlichsten AuffĂŒhrungsarten von zB Bach- Kantaten, von komplett solistisch besetzt (Solisten singen auch den Chorteil) ĂŒber Solisten singen im Chor mit, bis hin zu der Trennung Chor- Solisten.
Ich habe es aber noch nie erlebt, dass dabei Laien und Profis gemischt worden wÀren.

Aber hier ging es ja vorrangig um Ziel und Funktion der Stimmbildung im Chor und im klassischen Gesangsunterricht.
Da sehe ich einfach zwischen den Bereichen erhebliche Unterschiede in der Zielsetzung.
 
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Jetzt muss ich mich auch noch mal zum Thema "klassische Stimmbildung" einmischen.

Ich hatte jahrelang Gesangsunterricht bei einer klassisch ausgebildeten Gesangslehrerin.
Das hat mir, meiner Stimme und meinem Chorsingen wirklich sehr gut getan. Das machen auch einige SÀngerinnen und SÀnger in meinem Bekanntenkreis, und das sind so ziemlich die begehrtesten Stimmen hier bei den Chören in meiner Gegend.

Jetzt studiere ich im fĂŒnften Jahr Gesang am Konservatorium fĂŒr Kirchenmusik und kann @ZuckerfeeÂŽs Aussage 100%ig unterschreiben:
Der Punkt ist, dass durch die Ausbildung der Stimme nicht nur die grundsÀtzliche LautstÀrke zunimmt.
Du trainierst auch den gezielten Einsatz von ResonanzrĂ€umen in Tonlagen, in denen Du diese normalerweise nicht nutzten wĂŒrdest. Das macht den Stimmklang insgesamt homogener und verleiht der Stimme eine ganz schöne "Durchschlagskraft", auch ohne dass man richtig laut werden muß. Und das ist unabhĂ€ngig vom Vibrato.

Dabei hatte ich das GlĂŒck, eine Professorin zu bekommen, die von Anfang an Wert darauf gelegt hat, dass ich nicht nur meine (Solo)stimme ausbilde, sondern mir auch bei jedem Lernschritt bewusst auf meine (Chor)stimme umschalten kann. Und das ĂŒbe ich auch stĂ€ndig. Das bedeutet z.B. dass jeder Vokal anders erzeugt und der ganze Vokaltrakt anders geformt wird.
In unserem (semiprofessionellen) Kammerchor (von 18 SĂ€ngern haben IMHO nur drei keine klassische Ausbildung) kann ich auch so singen. Ich singe aber auch viel in Laienchören und Ensembles und da ist es notwendig, anders zu singen. Nur "leiser" hilft nichts, wenn die Obertöne da sind, hebt sich auch ein Pianissimo von den restlichen Stimmen ab. Das ist ja auch Sinn und Zweck der Stimmbildung - wie sonst kann sich ein SĂ€nger ĂŒber ein Orchester oder einen Chor legen?

Bei meinem frĂŒheren Gesangsunterricht war das nie ein Thema, da wurde zwar an meiner Stimme gearbeitet, aber sie wurde nicht im klassischen Sinn gebildet.

lg Thomas
 
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Auch, aber nicht nur, s.o. Ich habe schon wirklich oft erlebt, dass Choristinnen (u.a. auch aus dem Bayerischen Staatsopernchor) Solo singen.
@Zuckerfee hat es bereits erwĂ€hnt: das ist ein Chor aus BerufssĂ€ngern, praktisch ein Chor aus lauter Solisten, die sich dann zwar auch wieder zu einem Ganzen zusammenfĂŒgen mĂŒssen, wo aber alle plusminusauf gleichem Niveau sind. Das kannst du nicht mit einem Laienchor vergleichen. Und klar, die SĂ€nger aus den Profi-Chören singen daneben fast alle auch solistisch, z.B. als Solisten in Konzerten von Laienchören.
Die Sache ist halt wirklich, haben die SolistInnen ihre Stimme so weit im Griff, dass sie sich in den Chor einfĂŒgen können?
Das hat meiner Ansicht nach nichts mit "im Griff haben" zu tun. Wie die anderen schon schrieben: mehr Resonanzausnutzung, mehr Obertöne und ja, auch das Vibrato, heben eine ausgebildete Stimme von den unausgebildeten ab. Ob eine (weit) ausgebildete Stimme in einem Laienchor mitsingen kann, ist deshalb nach meiner Erfahrung v.a. abhÀngig von der Toleranz des Chorleiters.

Das hat mir so manche extra-Gesangsstunde eingebracht, weil ich vor lauter Angst vor jallern das DrĂŒcken nicht lassen konnte ;)

FĂŒr mich ist Vibrato bei der klassischen Stimme gleichzusetzen mit einer frei schwingenden Stimme. Es stellt sich ein, so bald Voraussetzungen erfĂŒllt sind wie entspannt-tiefe Kehle, lockeres Kiefergelenk, guter Stimmsitz, gleichmĂ€ssig gefĂŒhrte Atemluft sprich gute StĂŒtze etc. Ein sich selbsteinstellendes unter Kontrolle gefĂŒhrtes (aber nicht "gemachtes") Vibrato hat nichts mit dem unschönen Tremolo zu tun, das man manchmal bei abgesungenen Stimmen hört. Ab einem gewissen Ausbildungsstand ist das Vibrato da. Auch ganz leichte Stimmen, die sehr in der alten Musik verwurzelt sind, wie z.B. eine Emma Kirkby, haben es, wenn auch sehr viel diskreter ausgeprĂ€gt als schwere grosse Stimmen. Ich wĂŒrde sogar soweit gehen zu sagen, man sollte erst dann in der Öffentlichkeit (klassisch) solistisch singen, wenn u.a. das Vibrato stabil vorhanden ist (u.a., weil daneben natĂŒrlich auch noch weitere stimmliche Voraussetzungen erfĂŒllt sein mĂŒssen).
Ich weiss da recht gut, wovon ich rede: in meinen ersten 4(!) Jahren GU sang ich völlig ohne Vibrato. Meine Stimme hatte sich zwar schon zum positiven entwickelt, war voller geworden, die Range hatte sich etwas vergrössert, mehr Resonanzen waren da, aber noch immer schnurgerade. Ich hatte damals schon einige kleinere öffentliche solistische EinsĂ€tze, wĂŒrde aber aus heutiger Sicht sagen, die hĂ€tte ich besser sein lassen!
Dabei hatte ich das GlĂŒck, eine Professorin zu bekommen, die von Anfang an Wert darauf gelegt hat, dass ich nicht nur meine (Solo)stimme ausbilde, sondern mir auch bei jedem Lernschritt bewusst auf meine (Chor)stimme umschalten kann.
Das ist interessant: was machst du denn da mit dem Vibrato? Stellst du es ab, hĂ€ltst also mit Zwang die Stimme fest und hinderst sie am frei schwingen? :eek: Ich kann das auch fĂŒr ein paar Takte, finde es aber Ă€usserst unangenehm, eine Vergewaltigung der Stimme sozusagen! War mal an einer Schnupperprobe in einem Vokalensemble wo mich dann der Chorleiter fragte, ob ich mit etwas weniger(!) Vibrato singen könnte. Und das, obwohl ich als leichte Stimme sicher kein ausuferndes Vibrato habe und das Werk bei dem ich schnupperte aus der Romantik stammte! :rolleyes: Ich habe dieses Vokalensemble fluchtartig wieder verlassen.
Die Praxis, dass bei den großen Werken mit Orchester Solisten den Chorteil mitsingen kenne ich auch, teilweise machen sie das einfach, um warm zu bleiben,
Ja das hilft, v.a. wenn es lange bis zum ersten Einsatz dauert oder man lange Pausen dazwischen hat. Man singt dann aber eben nur so viel und auch nur die Stellen die angenehm sind um die Stimme warm zu halten.
Ich habe es aber noch nie erlebt, dass dabei Laien und Profis gemischt worden wÀren.
Das geht schon. Meine letzten Gesangspartner (und auch Instrumentalpartner) waren alles Profis. Bin diesbezĂŒglich also recht verwöhnt! :) Aber macht Spass, dass man von ihnen akzeptiert wird und bestĂ€tigt einem, dass sich die jahrelange sehr intensive Arbeit an der Stimme lohnt. Und zeigt, dass man mit Fleiss und Durchhaltevermögen ein gewisse Niveau erreichen kann, auch wenn man nicht das musikalische Jahrhundert-Talent ist :)

@Vali: sorry, habe deinen (berechtigten) Input erst nachher gesehen; das passiert wenn man mit schreiben beginnt, zwischenzeitlich was anderes macht und weiterschreibt ohne zu schauen, was inzwischen dazu gekommen ist; musst du dieses hier also auch noch verschieben *schubs* Ist doch im richtigen Thread ;)
 
Grund: *schubs*
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@Koksi01 , also das mit dem Umschalten von der Solo- auf die Chorstimme, das wĂŒrde mich auch sehr interessieren.
Ich wusste nicht dass so etwas geht, also zumindest nicht, ohne Einbußen bei der KlangqualitĂ€t.
Ich probiere da ja beim Üben noch viel herum um die jeweils optimale Einstellung fĂŒr den optimalen Klang zu finden, dadurch ist mir natĂŒrlich klar, dass man da viel beeinflussen kann. Aber mit zwei verschiedenen Techniken zu singen, dass stelle ich mir sehr schwer vor.

Das ist interessant: was machst du denn da mit dem Vibrato? Stellst du es ab, hĂ€ltst also mit Zwang die Stimme fest und hinderst sie am frei schwingen? :eek: Ich kann das auch fĂŒr ein paar Takte, finde es aber Ă€usserst unangenehm, eine Vergewaltigung der Stimme sozusagen! War mal an einer Schnupperprobe in einem Vokalensemble wo mich dann der Chorleiter fragte, ob ich mit etwas weniger(!) Vibrato singen könnte. Und das, obwohl ich als leichte Stimme sicher kein ausuferndes Vibrato habe und das Werk bei dem ich schnupperte aus der Romantik stammte! :rolleyes: Ich habe dieses Vokalensemble fluchtartig wieder verlassen.
Ich war zwar nicht angesprochen, erlaube mir aber trotzdem einen Kommentar dazu, ich denke nĂ€mlich schon, dass man das Vibrato durch Kontrolle zurĂŒckfahren kann ohne das Schwingen der StimmbĂ€nder grundsĂ€tzlich abzuwĂŒrgen. Es ist dann nicht ganz weg, die Stimme schwingt, aber viel dezenter.
Bei mir wird diese Differenzierung regelmĂ€ĂŸig im Unterricht abgefragt, ich fĂŒhle mich auch nicht unwohl dabei, wenn ich "ohne" Vibrato singen soll, ich soll auch nicht gewaltsam einen geraden Ton produzieren, es wird nur erwartet, dass ich das Vibrato bewusst und kontrolliert einsetze, und nicht einfach ĂŒberall ĂŒberall mitlaufen lasse.

Das geht schon. Meine letzten Gesangspartner (und auch Instrumentalpartner) waren alles Profis. Bin diesbezĂŒglich also recht verwöhnt! :) Aber macht Spass, dass man von ihnen akzeptiert wird und bestĂ€tigt einem, dass sich die jahrelange sehr intensive Arbeit an der Stimme lohnt. Und zeigt, dass man mit Fleiss und Durchhaltevermögen ein gewisse Niveau erreichen kann, auch wenn man nicht das musikalische Jahrhundert-Talent ist :)
Ich weiß genau was Du meinst. Ich habe im Freundes- und Bekanntenkreis einige Leute, die diplomierte Orchestermusiker sind, aber nicht als Musiker arbeiten, bzw. wg Rente nicht mehr als Musiker arbeiten. Instrumental musiziere ich mit denen teilweise schon eine Ewigkeit, deshalb sind sie auch schonungslos offen und ich weiß, dass sie ihr Instrument nur auspacken und etwas einstudieren, wenn sie es fĂŒr musikalisch lohnend halten. Mein Gesangslehrer hat mich jetzt mit dem "Auftrag" in die Osterferien geschickt, mir Partner zum Musizieren zu suchen, und ich ĂŒberlege, wen ich zwangsbeglĂŒcken soll. ;)
Freunden vorsingen ist da schwerer, als vor Fremden zu singen, vorallem, weil es fĂŒr mich im Moment wirklich eher um das Einfinden in den Gesamt- und Raumklang geht.
Aber das ist schon wieder OT, ich höre auf, bevor wieder ein neuer Thread gestartet werden muß.

Viele GrĂŒĂŸe und schöne Osterfeiertage an alle.
 
Grund: Noch etwas hinzugefĂŒgt, jetzt ist es hoffentlich verstĂ€ndlicher
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Ich habe auch schon öfter Mitglieder des Chores des Bayerischen Rundfunks als Solisten gehört, dazu wollte ich aber noch sagen, dass dieser Chor, genau wie der der Oper der Staatsoper meines Wissens nach ein Profi- Chor ist, also alle SÀngerinnen und SÀnger dort eine klassische Gesangsausbildung haben.

das ist ein Chor aus BerufssĂ€ngern, praktisch ein Chor aus lauter Solisten, die sich dann zwar auch wieder zu einem Ganzen zusammenfĂŒgen mĂŒssen, wo aber alle plusminusauf gleichem Niveau sind. Das kannst du nicht mit einem Laienchor vergleichen.
Klar ist der Chor der Staatsoper ein Profi-Chor, aber auch hier wĂŒrde ein zu mĂ€chtiges Vibrato stören, weil es unerwĂŒnschte Dissonanzen erzeugt. Das war nebenbei bemerkt nur ein Beispiel, natĂŒrlich singen auch andere Profis in Chören. Auch in Laienchören.
ich weiß aber auch, dass manche Dirigenten das aus musikalischen GrĂŒnden nicht wollen und durchaus sauer werden, wenn die Solisten einfach mitsingen.
Und sich damit m.W. ĂŒber den Willen der Komponisten mitunter gewaltig hinwegsetzen. Im Mozarteum wĂŒrde ich erwarten, dass die sich noch am besten damit auskennen, was Mozart nun eigentlich wollte, da sie sich zwangslĂ€ufig mehr damit befassen. Und gerade aus der Ecke habe ich so einiges gehört, was mit der hm, sagen wir mal in meiner Kindheit/Jugendzeit ĂŒblichen Praxis (ĂŒbermĂ€chtige Orchester, Solisten die nur Soli singen etc.) nicht wirklich viel zu tun hat. In meiner Kindheit/Jugenzeit als Zeitbereich deswegen, weil sich inzwischen generell einige Musiker wieder mit der zur Entstehungszeit ĂŒblichen AuffĂŒhrungspraxis befassen, der Göttin sei Dank.

Aus dieser Zeit stammt noch meine Abneigung gegen wasimmerdaswar, sei es Vibrato gewesen oder Tremolo. Jedenfalls war es gĂ€ngige Praxis in der "Klassik" und ich fand es furchtbar, genannt wurde es Vibrato. Es gab genĂŒgend Stimmen meist in anderen Bereichen, die frei schwangen und sich trotzdem nicht so schauderhaft anhörten.
Aber hier ging es ja vorrangig um Ziel und Funktion der Stimmbildung im Chor und im klassischen Gesangsunterricht.
Da sehe ich einfach zwischen den Bereichen erhebliche Unterschiede in der Zielsetzung.
Am Anfang??!! Wenn man noch gar nicht weiß, wo man hinwill?! UrsprĂŒnglich wollte eine AnfĂ€ngerin kostengĂŒnstigen Gesangsunterricht. Da geht es um Basics wie Atmen, vielleicht die Stimme erst einmal vorbringen, StĂŒtze entwickeln etc. Und damit kann man sich, je nach Typ, schon eine Weile befassen. Und in einem Chor mit guter Stimmbildung ist das imho nach wie vor gegeben. Wenn sie dann weitermachen will, kann sie immer noch elitĂ€reren Gesangsunterricht nehmen.
Bei meinem frĂŒheren Gesangsunterricht war das nie ein Thema, da wurde zwar an meiner Stimme gearbeitet, aber sie wurde nicht im klassischen Sinn gebildet.
Du warst doch bei einer Klassikerin, dachte ich? Oder meinst Du, es wurde an der Stimme gearbeitet, aber nicht in Richtung, ich sag mal "Vollblut-Solist" (ĂŒberzeichnet)?
 
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also das mit dem Umschalten von der Solo- auf die Chorstimme, das wĂŒrde mich auch sehr interessieren.
Ich wusste nicht dass so etwas geht, also zumindest nicht, ohne Einbußen bei der KlangqualitĂ€t.
Ohne Einbuße bei der KlangqualitĂ€t geht das natĂŒrlich nicht.

Der Unterschied zwischen den Beiden sind ja vor allem die ResonanzrĂ€ume und die dadurch entstehenden Obertöne (Stichwort "SĂ€ngerformant"). Diese Obertöne machen die Stimme tragfĂ€hig und lassen sie auch ĂŒber einem Orchester oder Chor klingen. Sie mischt sich nicht sondern bleibt eigenstĂ€ndig. Im (Laien)Chor passt das natĂŒrlich nicht, denn die Stimme soll sich ja mit den anderen homogen mischen.

Ist etwas schwierig zu erklĂ€ren: Versucht mal, z.B. den Vokal "i" ganz schlank, vorne im Mund (so bei den oberen SchneidezĂ€hnen) und völlig ohne Körper zu singen. Und wĂ€hrend ihr den Ton singt, zieht ihr langsam das Gaumensegel hoch, öffnet die NasenrĂ€ume und dehnt den Brustkorb. Und lasst den Vokal immer mehr im ganzen Körper klingen, so wie ihr es ja in unzĂ€hligen Stunden gelernt und geĂŒbt habt.
Wenn man das ganz bewusst macht, spĂŒrt man, wie sich der Klang wo Ă€ndert. Und irgendwo in dem Bereich von "nur seicht im vorderen Mundraum" bis "der ganze Körper klingt" ist der Punkt, wo der Klang genau zu dem jeweiligen Chor/Ensemble passt.
Ich hoffe das war halbwegs nachvollziehbar und verstÀndlich.
Bei mir funktioniert es jedenfalls. Ich singe regelmĂ€ĂŸig mit meinem (guten) Laienensemble, manchmal auch mit ziemlichen GesangsanfĂ€ngern (wenn wieder mal einer der ohnehin raren MĂ€nner kurzfristig ausfĂ€llt und schnell jemand zum Einspringen gebraucht wird), im Kammerchor, manchmal mit Profis oder auch viel Solistisch.

aber auch hier wĂŒrde ein zu mĂ€chtiges Vibrato stören
Warum setzt ihr immer eine ausgebildete (tragfÀhige) Stimme mit "mÀchtigem Vibrato" gleich? Das geht auch ohne ...
Und damit kann man sich, je nach Typ, schon eine Weile befassen. Und in einem Chor mit guter Stimmbildung ist das imho nach wie vor gegeben. Wenn sie dann weitermachen will, kann sie immer noch elitÀreren Gesangsunterricht nehmen.
Da hast du 100%ig recht. Ich kenne aber kaum Chöre mit guter Stimmbildung. Bestenfalls gibt es bei uns Chöre mit wirklich guten Chorleitern, die ordentlich einsingen und auch aufpassen, dass man sich die Stimme nicht ruiniert.
Du warst doch bei einer Klassikerin, dachte ich? Oder meinst Du, es wurde an der Stimme gearbeitet, aber nicht in Richtung, ich sag mal "Vollblut-Solist" (ĂŒberzeichnet)?
Ja ganz genau!
 
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Warum setzt ihr immer eine ausgebildete (tragfÀhige) Stimme mit "mÀchtigem Vibrato" gleich? Das geht auch ohne ...
Ich deswegen, weil - zumindest verstehe ich es so - es fĂŒr (immer noch all zu) viele das Merkmal fĂŒr eine ausgebildete Stimme zu sein scheint. Dass es ohne geht, da stimme ich persönlich Dir vollkommen zu. Dass man seine Stimme durchaus anpassen kann, dafĂŒr bist Du dann wohl der lebende Beweis :) Pflege Dir Deine GL gut, so etwas ist denke ich immer noch ziemlich rar ;)
 
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Am Anfang??!! Wenn man noch gar nicht weiß, wo man hinwill?! UrsprĂŒnglich wollte eine AnfĂ€ngerin kostengĂŒnstigen Gesangsunterricht. Da geht es um Basics wie Atmen, vielleicht die Stimme erst einmal vorbringen, StĂŒtze entwickeln etc. Und damit kann man sich, je nach Typ, schon eine Weile befassen. Und in einem Chor mit guter Stimmbildung ist das imho nach wie vor gegeben. Wenn sie dann weitermachen will, kann sie immer noch elitĂ€reren Gesangsunterricht nehmen.

@ moniaqua , ich verstehe den Zusammenhang zu meiner Aussage nicht ganz.

Ich habe mich nie gegen Stimmbildung im Chor ausgesprochen, ich habe das ja schließlich selbst jahrelang gemacht. Ich wĂŒrde auch keinem "AnfĂ€nger" sofort den klassischen Gesangsunterricht empfehlen. Ich hatte auch der TE in unserem Ausgangsthread geraten, sich einen Chor zum Ausprobieren zu suchen.
Ich habe nur angemerkt, dass man nicht erwarten sollte, im Rahmen der chorischen Stimmbildung eine Ausbildung zu bekommen, die einer Ausbildung im klassischen Gesangsunterricht vergleichbar ist, und das halte ich weiterhin fĂŒr richtig.
 

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