Ich denke das ist ein schwieriges Thema mit Erwachsenen im Allgemeinen, denn das theoretische Verständnis ist natürlich da, aber die Umsetzung und das Training der Routine macht Arbeit und fällt schwer.
Erwachsene zu lehren wie man ein Instrument spielt ist sowieso ein schwieriges Unterfagen - Zum einen völlig richtig, sind Erwachsene um Ausreden nicht verlegen, warum jenes und selbiges nicht besser klappt.
Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Frage, wieviel Zeit kann ich hierfür erübrigen und wie aufnahmefähig bin ich jeden Tag? Denn als Erwachsener ist man ja normal nicht mehr hauptberuflich Lernender, sondern eigentlich arbeitender Mensch. Und im beruflichen Alltag wird einem mitunter ziemlich was abverlangt, so dass man nicht jeden Tag mit gleicher Energie ans Musik üben gehen kann. Mitunter ist man abends einfach nur noch platt und braucht seine Ruhe, um zu regenerieren.
Nehm ich z.B. meinen typischen Wochentag, so geh ich morgends um kurz nach sieben aus dem Haus um meiner beruflichen Tätigkeit nachzugehen... und komme davon wieder abends so um ca.halb sieben wieder nach Hause. Dann ist aber nicht beliebig viel Zeit zum musizieren da, denn in der verbleibenden Zeit will ich irgendwann mal auch was essen, sollte das Geschirr waschen, Wäsche waschen, Post erledigen, Wohnung putzen, ab und an auch mal einkaufen, keinere Reparaturen durchführen...Geht nicht alles gleichzeitig, aber auch nicht zu beleibigen Zeiten und so kann es durchaus passieren, dass ich erst um halb neun abends dazu komme mal mein Instrument zur Hand zu nehmen... und weil das Haus in dem ich wohne hellhörig ist, und ich meine Nachbarn auch nicht über Gebühr strapazierenn will, ist eben um spätestens neun Abends wieder Schluss mit Musik...
Und zwischendurch kommen Zeiten vor, wo man durch die beruflichen oder sonstigen Aktivitäten anderweitig völlig ausgelastet ist - und da ist dann halt auch mal nix mit üben. Von daher ist es aus meiner Sicht nicht mal als Ausrede gemeint, wenn ich meinem Lehrer beim nächsten Termin sage, wie s be mir gelaufen ist, sondern ganz einfach eine Situationsbeschreibung, damit er sich ein bisschen darauf einstellen kann, wo wir ansetzenn und weitermachen.
Aus Sicht des Lehrers ist das natürlich auch ein Stück weit frustrierend, wenn man denn so überhaupt fast keine Fortschritt feststellt und immer und immer wieder das gleiche Stück weiterbeackert - kann ich auch verstehen und ich bin auch gar nicht böse, wenn der dann meint, dass müsste mal etwas schneller durchlaufen und schneller vorwärts gehen.
Nur aus meiner Situation ist das dann das maximal Mögliche gewesen - mehr ging halt grad nicht.
Für mich ist das inzwischen auch nicht mehr schlimm - ich habe gelernt, dass das eben meine Situation ist, mit der ich klarkommen muss und dass ich für mich da dann eben entsprechend lange Zeiträume einplanen muss, bis ein Stück "läuft". Und nachdem ich das erkannt habe, empfinde ich das auch nicht mehr als negativ oder nervig, dass ich mitunter ein Jahr oder länger brauche für ein neues Stück, bis ich der Meinung bin, jetzt passts. Für mich ist das mittlerweile absolut in Ordnung.
Dass ich für ein Stück länger als drei Wochen brauche, war für mich als jugendlicher (Schüler) völlig undenkbar - aber als Erwachsener ist das meine jetzige Realität geworden, mit der ich gelernt habe die erstmal so hinzunehmen, bis sich vielleicht durch eine geänderte Lebenssituation andere Perspektiven ergeben... und dann schaun wer wieder mal...
-> Wie schon weiter oben gesagt: ich möchte mir beim Lernen von Musikstücken keinen Stress mehr machen - den hab ich im beruflichen Alltag schon genug!