Musik auf Lehramt - Segen oder Fluch?!

  • Ersteller Kreacher90
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Inklusion bedeutet für mich nicht zwangsweise die physische Präsenz in einer Regelschule bzw. gar im selben Unterrichtsraum. Diese Lesart von Inklusion wäre für mich viel zu kurz gesteckt, zu oberflächlich, zu einfältig... Sowas ist im gegenwärtigen Schulsystem auch nicht zu leisten und schon gar nicht einer ohnehin schon am Limit seienden Lehrkraft noch zu allem anderen oben drauf zu laden.
Ein Sonderpädagogikstudium hat seine Berechtigung. Niemand sollte sich anmaßen,
Inklusion ist nur ein Hilfsbegriff und bedeutet Abwesenheit von Aussonderung. Bezogen auf Deine „Präsenz in der Regelschule“ (was soll da überhaupt der Begriff „Regel“?) bedeutet Inklusion, dass die eine Schule für alle Kinder offen sein muss. Ohne Wenn und Aber. Die physische Präsenz muss ermöglicht werden! Damit beginnt es.

Damit ist (häufiger Irrtum) nicht unbedingt jederzeit derselbe Unterrichtsraum gemeint, das würde manchmal den Lehrer oder auch Schüler (ja!) überfordern (was heutzutage leider passiert). Eine Schule für alle hat natürlich weiterhin Klassen, d.h. unterschiedliche Lerngruppen, die aber z.B. für bestimmte Themen eher temporär und vielfältig zusammengestellt werden. Die momentan vorherrschende Klassenbildung nur nach Alter ist ja merkwürdig starr. Das hat doch jeder als Schüler schon selbst erlebt.
Inklusion (Abwesenheit von Ausgrenzung) bedeutet also vor allem eine völlig andere Organisation von Schule. Das ist kein Zauberwerk.

Ein „Sonder“pädagogik-Studium (heißt das überhaupt noch so?) ist eine vertiefte Ausbildung in Pädagogik, Psychologie und therapeutischen (begleitenden) Techniken. Und vermittelt ein vertieftes Wissen über mögliches SoSein von Menschen, das im Hinblick auf gleichberechtigte Teilhabe möglicherweise (wenn von dem Menschen gewünscht) auszugleichen ist.
Dies Wissen, diese Ausbildung, sollten eigentlich heutzutage alle Lehrer bekommen.
 
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Inklusion ist nur ein Hilfsbegriff und bedeutet Abwesenheit von Aussonderung.
Besser als die doppelte Verneinung finde ich die "Einbeziehung" aller ins gesellschaftliche Leben.
bedeutet Inklusion, dass die eine Schule für alle Kinder offen sein muss. Ohne Wenn und Aber.
Ist das die offizielle Definition? oder Deine?

Dies Wissen, diese Ausbildung, sollten eigentlich heutzutage alle Lehrer bekommen.
Wenn sie inklusiv unterrichten sollen, sollte das selbstverständlich sein, dass die auch eine Ausbildung dafür bekommen.

Ich bin nicht sicher, ob wir hier alle von der gleichen Bedeutung des Begriffs "inklusion" reden.
 
Ist das die offizielle Definition? oder Deine?
Beides.
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Besser als die doppelte Verneinung finde ich die "Einbeziehung" aller ins gesellschaftliche Leben.
Naja, wenn ich sie einbeziehen will .. habe ich sie ja vorher ausgesondert - und das soll eben nicht passieren.

Also „Behinderte sind auch Menschen“ ohne „auch“,

Besser noch „Menschen“.
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Zum Thema zurück; Lehramt Musik, Segen, Fluch.
Schönes Beispiel von heute, warum es vielleicht ein Segen ist, Musiklehrer an einer Schule zu sein:

 
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Damit unterstellst du gleichzeitig, dass es allen Kindern, die aufgrund ihrer Andersartigkeit (und bevor jetzt @Aynsley gleich wieder bellt - das ist hier nicht wertend gemeint) sich in Regelschulen schwer(er) tun und deshalb in Sonderschulen unterrichtet werden, dort schlecht erginge, man sie nicht als normal ansähe.

Nein, ich unterstelle nichts, ich mache Dich darauf aufmerksam, daß Kinder bzw. Schüler einzigartige Menschen sind (wenn Du willst, jeder für sich andersartig), und wer den Lehrerberuf ergreifen will, darf nicht erwarten, Schüler nach seinem Wunsch auszuwählen, sondern seinen Unterricht so zu gestalten, daß er das Interesse möglichst vieler Schüler weckt.

Der Lehrerberuf, egal welches Fach, ist weder Fluch noch Segen, aber es ist ein anspruchsvoller Beruf, den nicht jeder Mensch ausüben kann.

Gruß, Bjoern
 
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Ein Sonderpädagogikstudium hat seine Berechtigung.
[...]
Da stellt man sich vor, die Lehrkraft könne ja ein paar Wochenenden 2, 3 Abendkurse zum Thema Inklusion machen und dann läuft das schon mit der Inklusionsklasse.... Na dann, Prost Mahlzeit!
Ich kann zwar beispielsweise perfekt erklären, warum und wie sich unregelmäßige Verben sprachwissenschaftlich entwickelt haben - im alltäglichen Schulbetrieb ist dieses Wissen aber nicht relevant.
Da muß man ja nur noch 1 + 1 zusammenzählen. Die Gymnasiallehrer werden darin ausgebildet, perfekt erklären zu können, "warum und wie sich unregelmäßige Verben sprachwissenschaftlich entwickelt haben" (1) (pars pro toto), aber von Inklusion haben sie keine Ahnung. Klar, die zwei Pädagogik-Proseminare, die man im Lehramtsstudium braucht, kann man ja auch in der Pfeife rauchen. Vielleicht sollten die angehenden Gymnasiallehrer die Zeit, die sie an der Uni mit der sprachwissenschaftlichen Erklärung der Entstehung unregelmäßiger Verben vergeuden, besser in pädagogische Studien und in pädagogische Praxis investieren, z.B. Inklusion. Denn: Pädagogische Fähigkeiten braucht man im Lehrberuf, sprachwissenschaftliche Erklärungen der Entstehung der unregelmäßigen Verben aber nicht. Die sprachwissenschaftlichen Studien dagegen könnte man ja privat an ein paar Wochenenden an 2-3 Abendkursen abhandeln, wenn es einen interessiert.

Viele Grüße,
McCoy


________________________
(1) in der Formulierung steckt ja schon der Wurm drin: Unregelmäßige Verben haben sich ja sich ja nicht sprachwissenschaftlich entwickelt. Vielmehr wird deren Entstehung in der Sprachgeschichte sprachwissenschaftlich untersucht.
 
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nichts halbes und nichts ganzes darstellt
Ja aber das kannst du nicht der Inklusion anlasten, sondern allenfalls der Tatsache dass der gute Ansatz der Inklusion ja mitnichten von den (Dir ja deutlich verhassten) "Links – Grünen" umgesetzt wird, sondern spätestens nach dem nächsten Regierungswechsel von genau denen, die mit den "Links-Grünen" nicht so viel am Hut haben. Die da aber mindestens genau so ideologisch rangehen und damit den guten Ansatz diskreditieren und ihn dann bis zur (mindestens klammheimlich willkommenen) Disfunktionalität pervertieren.
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seinen Unterricht so zu gestalten, daß er das Interesse möglichst vieler Schüler weckt.
Was anderes als Inklusion ist das also.
 
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Also ich habe ja weder eine Ahnung, was in der Uni und im Ref pädagogisch vermittelt wird, noch wie Inklusion funktionieren kann.

Aus meiner Außensicht ist das natürlich nichts, was man hopp hopp über drei Abendkurse vermitteln kann (und das wird vermutlich auch nicht so sein). Es wird ganz oft Einzelfallbetreuung bedeuten, weil die Anforderungen bestimmt sehr unterschiedlich sind. Kinder, die anders sind, werden ja auch jetzt betreut. Ob und wie man die personellen Ressourcen da evtl umlagern kann, also dass Sonderpädagogen mit an den Normalschulen sind, weiß ich nicht.
Viel hängt sicher auch vom guten Willen und einem gewissen Kraftakt der Lehrerschaft ab, von der Art der Schule, der Klientel, extra finanziellen Ressourcen usw.

Ob Inklusin besser ist, damit haben sich Leute mit mehr Ahnung von der Materie beschäftigt. Persönlich halte ich das für ein gutes Ziel, was aber im Detail schwierig umzusetzen ist, weil viele Lehrkräfte eh schon am Limit sind. Und die Anforderungen in einer nicht inklusiven Klasse sind ja mittlerweile auch schon gewaltig, die ist ja mitnichten homogen, sondern hat wahrscheinlich auch schon 30-50% Kinder mit besonderen Anforderungen.

Jedenfalls denke ich nicht, dass mit Schlagworten wie "links-grün" usw. der sachlichen Debatte ein Gefallen getan wird.
 
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Jedenfalls denke ich nicht, dass mit Schlagworten wie "links-grün" usw. der sachlichen Debatte ein Gefallen getan wird.
So ist das.
Mit solchen Zuschreibungen sind wir auch weit weg vom Thema und inmitten einer im Board unerwünschten "politischen Diskussion".

Soweit ich sehe, wurden zu dem zuletzt eingeführten Aspekt "Inklusion" noch keine konkreten Erfahrungen aus dem Musikunterricht beigetragen, was eine Fortsetzung rechtfertigen könnte.

Also, bitte zurück zu Gedanken zum Studium der Musik auf Lehramt oder aus dem Alltag gewonnenen Einsichten als Eltern, Schüler oder der mit dem Studium angestrebten Tätigkeit als Musiklehrer.

Gruß Claus
 
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Ist das die offizielle Definition?

Ergibt sich schon aus diesem Artikel. Als Teil der UN sollten wir uns da schon dran halten, es sei denn wir wollen Trumpel sein. :)

Jedenfalls denke ich nicht, dass mit Schlagworten wie "links-grün" usw. der sachlichen Debatte ein Gefallen getan wird.
Danke!

Passend zum Thema:
Im Hinblick auf Inklusion muss ein Mensch, der Musik unterrichten möchte, natürlich auch überlegen, ob er ein wenig Fortbildungsbereitschaft in diese Richtung hat. Es ist halt nicht damit getan ein paar Kindern einen Liedtext vorzusetzen. Es bedarf selbst bei einer "normalen" Stunde schon geplante Differenzierung: Silbenkennzeichnung im Text (LRS), vereinfachte Arrangements ... im Umgang mit körperlichen Einschränkungen habe ich keine Erfahrung, aber sowas muss man auch mitdenken. Für Zweitsprachler sollten Fachbegriffe präsent im Raum sein...
Hinzu kommt natürlich die "Hilfestellung on the fly" - Rhythmen durch Bodypercussion unterstützen, verschiedenste Methoden um Texte zu sichern ...

Das sind Sachen, die man als Schulabsolvent nicht kennt. So etwas lernt man im Studium theoretisch kennen. Souverän damit umgehen kann man eigentlich erst nach den ersten 1-2 Jahren im Beruf.

Aus meiner Sicht ist das Thema Inklusion im Musikunterricht zwar präsent, aber es ist weniger aufwendig wie in anderen Fächern. Wer ein Problem mit dieser Form der Arbeit hat, sollte auf keinen Fall in die Grundschule gehen. Aber auch sonst den Berufswunsch hinterfragen.
 
Was anderes als Inklusion ist das also.

Als pädagogischer Laie sehe ich die Sache eher pragmatisch.
Als Vater erwarte ich von den Lehrern nicht, daß sie meinem Kind besondere Aufmerksamkeit schenken (das ist ja meine Aufgabe), es reicht, wenn mein Kind 1/25-tel der Aufmerksamkeit bekommt, die der ganzen Klasse (mit 25 Kindern) geschenkt wird.

Aber ich erwarte von einem Lehrer, daß er eine ganz besondere Aufmerksamkeit seinem eigenen Unterricht schenkt. Denn ob das eine oder andere Kind aufmerksam zuhört oder voll besorgt an sein krankes Kaninchen denkt, kann der Lehrer nicht beeinflussen. Wie aber der Lehrer seinen Unterricht gestaltet, das hat er in der Hand, dort hat er den größten Spielraum und daran kann er fortlaufend arbeiten.

Gruß, Bjoern
 
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Aus: Das Kita Handbuch:


Neben der Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt nimmt der Begriff der Partizipation (Teilhabe) in der Inklusions-Diskussion einen breiten Raum ein. Voraussetzung für eine gelungene Teilhabe ist es, zunächst die Bedürfnisse eines Kindes zu erkennen. Dazu gehören alle Bedürfnisse in der Pflege und Betreuung, in der Bildung und in der Erziehung sowie die Teilnahme an allen Gruppenprozessen.
Neben guten Rahmenbedingungen, einem vielfältigen Netzwerk oder stabilen Unterstützungssystemen ist die Haltung der pädagogischen Fachkraft zur inklusiven Pädagogik besonders wichtig. Die pädagogische Haltung ist Voraussetzung für die Fähigkeit zur Gestaltung von Situationen und Prozessen, also für das professionelle Handeln. Nur dann werden eine gemeinsame Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung, aus verschiedenen Kulturkreisen und sozioökonomischen Verhältnissen im Sinne von Bildungsgerechtigkeit möglich.


Ein wichtiges Ziel ist, dass die Kinder selbst erkennen, dass sie zusammen mehr erreichen als jedes allein, und dass jedes Kind etwas zur Gemeinschaft beitragen kann. Auf diese Weise lernen alle Kinder frühzeitig, sich selbst und andere in ihrer Individualität zu achten und zu akzeptieren. Durch die Motivation zum gemeinsamen Spiel werden die Leistungsbereitschaft und die Selbstwirksamkeit aller Kinder als bedeutsamer Teil der Gruppe gestärkt.
sozioökonomischen Verhältnissen im Sinne von Bildungsgerechtigkeit möglich.
Ein wichtiges Ziel ist, dass die Kinder selbst erkennen, dass sie zusammen mehr erreichen als jedes allein, und dass jedes Kind etwas zur Gemeinschaft beitragen kann. Auf diese Weise lernen alle Kinder frühzeitig, sich selbst und andere in ihrer Individualität zu achten und zu akzeptieren. Durch die Motivation zum gemeinsamen Spiel werden die Leistungsbereitschaft und die Selbstwirksamkeit aller Kinder als bedeutsamer Teil der Gruppe gestärkt.
 
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wurden zu dem zuletzt eingeführten Aspekt "Inklusion" noch keine konkreten Erfahrungen aus dem Musikunterricht

Zum Thema zurück; Lehramt Musik, Segen, Fluch.
Schönes Beispiel von heute, warum es vielleicht ein Segen ist, Musiklehrer an einer Schule zu sein:

Gospel Train: Benefiz-Chorkonzert in der Laeiszhalle
Die Schule, um die es in dem Beitrag geht, ist m.W. eine Stadtteilschule (in HH bis Abitur führend) und arbeitet inklusiv (seit 2012).
 
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Habe mir den Beitrag angesehen - einfach Klasse, das Engagement. Und die Jugendlichen sind ja auch begeistert dabei.
 

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