Also so eine richtige Doku hab ich natülich nicht für euch.
Was ich euch bieten kann ist mein Teil der Geschichte.
Wie gesagt, das Gerät kam bereits vor ein paar Jahren bei mir an, ich wusste nur dass es ein Eigenbau ist. Relativ schnell habe ich Teile vom Tube Amp Doctor erkannt, der lustigerweise direkt bei mir um die Ecke ist.
Also Amp aufgemacht, Fotos gemacht, dorthin geschickt. Als dann der Kostenvoranschlag kam habe ich das Projekt schnell wieder auf Eis gelegt. Man war ja damals immer Pleite.
Als ich dann in der heutigen Zeit angefangen habe den Amp mal genauer zu untersuchen bin ich zunächst exakt auf die gleichen Probleme gestoßen wie Ihr damals. Ist das ein JCM800? Ist das ein JTM45? Und das war dann tatsächlich auch, wie ich diesen Thread hier gefunden habe. Ich dachte nämlich sehr lange es handelt sich hier um einen missglückten JTM45. Einfach aufgrund dessen wie die Schaltung aufgebaut war. War ja auch gar nicht so verkehrt. (Schaltplangekritzel im Anhang) So habe ich aber im Internet nichts gefunden, irgendwann sind mir dann die missglückten Versuche aufgefallen zwei verschiedene Amps nämlich JCM und JTM gleichzeitig aufzubauen. Ich habe das Internet dann nach JCM800 Klonen gescannt und bin hier angekommen.
Aber zurück zum Anfang, ich mach das Gerät auf, Was steht auf der Platine? Marshall Mod. No. 2204!! Klare Sache, JCM800 Platine aber irgendjemand hat aus welchem Grund auch immer ein zweites Paar Inputs hinzugefügt. Getraut das Teil einzuschalten habe ich mich dann aber doch nicht. Studieren geht über Probieren.
Beim Amp/Schaltung durchgehen sind mir dann ein paar Sachen aufgefallen:
- Die Faceplates sind natürlich falsch bezeichnet da ja ein JCM in einem JTM Gehäuse hauste
- Manche Werte stimmen weder mit JTM noch mit JCM überein.
- Es gibt keine Siebdrossel. Nichtmal einen Siebwiderstand.
- Die Heizspannung hat keine Masse --> floating
- Es gibt nur eine Masse! Keine Ahnung ob das irgendwann mal so Usus war aber die Platine ist schon so entworfen, dass eine Sinnvolle Massentrennung nicht möglich ist.
- Die Siebelkos sind von der Marke Hydra. Wenn ich das richtig sehe, stellen die hauptsächlich Anlaufkondensatoren für Wechselstrommaschinen her.
- Der Netztrafo ist mindestens 1000 Jahre alt. Die Beschaltung konnte ich letztlich in einem Plan für ne alte Leslie finden.
- Der Ausgangstrafo ist vom TAD und nigelnagelneu.
- Die Inputs sind so beschaltet dass der Eine sich selbst kurzschließt, der Andere läuft über einen 330k Eingangswiderstand....
- Die Verdrahtung ist mit etwas besserem Klingeldraht gemacht.
Wie das alles passieren kann ist mir ein Rätsel. Ich kann mir das nur so erklären dass sich jemand diesen Amp als Bausatz bestellt hat, dass der Verkäufer schon die falsche Platine beigelegt hat, der Erbauer dann so viel über Verstärker wusste dass er das ganze zu einem einigermaßen nach Amp aussehenden Konstrukt zusammenschustern konnte, aber nicht genug um zu erkennen dass ein 2204 kein JTM45 ist und weder den einen noch den anderen aufzubauen.
Wieso der dann hundert Mal umgebaut werden musste und dann trotzdem noch so aussah wie er bei mir ankam ist das eigentliche Wunder. Ich habe wie gesagt alles an Fotos über diesen Amp hier rausgezogen und es gibt 3 verschiedene Trafoanordnungen. Ab "Werk" waren wohl zwei dieser alten Dynacord Trafos drauf. Eventuell einer davon noch der der bis jetzt als Netztrafo fungiert aber anders ausgerichtet. Dann war mal an Stelle des Netztrafos ein großer stehender Ringkerntrafo und da wo jetzt der OT ist war ein Dynacord. Bei mir kam er wie gesagt mit Dynacord NT und TAD OT an. Wer weiß was da noch alles drauf war.
Lustigerweise sieht man auf den Fotos, bzw. muss auch für den Ringkerntrafo mal ein Ausschnitt im Chassis gewesen sein. Dieser ist nicht mehr da. Jemand hat ein passendes Stück Metall so gut eingepasst und verschweißt, dass man kaum sieht. dass es mal gefehlt hat. Wahnsinn!!!
Ich könnte ehrlich gesagt noch recht viel erzählen aber ich lasse mal die Bilder wirken. Ich habe mich letztenendes entschieden den Amp als Missgeburt bestehen zu lassen, macht ja irgendwie den Charme aus. Für den reibungslosen und rauschfreien Betrieb habe ich ein paar Nachbesserungen durchgeführt. (Drossel, Heater Elevation mit virtueller Masse, Inputs nutzbar gemacht, komplette Verdrahtung neu etc.) Vorallem habe ich mal den negative Feedback Loop auf die richtige Seite des Phasenwandlers angeschlossen. Dadurch kam beim ersten Einschalten nur lautes Johlen durch die Box und ich hab mich fast eingeschissen.
Also Learnings:
1. Wenn man seinen Fehler NACH dem Master Volume reinbaut, ist es völlig egal ob man den Master Volume runterdreht oder nicht.
2. Solche Experimente nur noch mit Loadbox
Andere Sachen wie den in die Jahre gekommenen Netztrafo und die zweckentfremdeten Elkos lass ich einfach so wie sie sind.
Die Bilder zeigen ein wenig den Weg den der Amp bei mir genommen hat, sowie meine "Dokumentation". Könnt ja mal schauen ob ihr draus schlau werdet. Ich werds nicht.
Er Rockt übrigens wieder! Allerdings müssen dringend mal neue Röhren rein, aber vorher will ich die Anodenspannungen nochmal checken und gegebenfalls verringern.
Gebt mir ruhig Feedback oder stellt Fragen, ich bin mit dem Amp sowieso noch nicht komplett am Ende.