Musik auf Lehramt - Segen oder Fluch?!

  • Ersteller Kreacher90
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Und in der einen Schule die Schüler dann individuell oder in kleinen Gruppen differenziert unterrichten. Das ist nur eine Frage der Organisation und der Ressourcen.

Nein, eben SO genau nicht. Keine Gemeinschaftsschulen, wo dann nicht-ausgebildete Lehrkräfte sich mit einer Litanei an höchst heterogenen Schülern rumquälen müssen. Es gibt sehr viel Kritik - gerade auch von Lehrerinnen und Lehrern - an dem grün-linken Konzept des Einheitsbreis, auch Gesamtschule genannt.
Inklusion ist schön und gut und meinetwegen auch eine löbliche Tugend. Hält in der (Schul-)Praxis dem Wunschdenken aber niemals stand.

Wenn ich mich als studierter Gymnasiallehrer neben meinen ohnehin schon (im Vergleich zu vor 40 Jahren) erheblich verhaltensauffälligeren und lerngehemmteren Gymnasiasten dann plötzlich auch noch um so Fälle wie Autismus, Asperger, LRS und anderen Verhaltensauffälligkeiten kümmern soll, dann kann sowas nur schiefgehen. Für ALLE Seiten.

Wir Gymnasiallehrer sind alleine schon vom im Studium vermittelten Handwerkszeug her NICHT darauf ausgebildet worden, uns adäquat um ein Schülerklientel kümmern zu sollen, das normalerweise eine ganz eigene, speziell auf deren Bedürfnisse ausgerichtete und ausgebildete Fachkraft braucht. Nicht umsonst ist Sonderpädagogik ein zurecht eigenständiger Studiengang und niemals würde ich mir anmaßen wollen, die fachliche Kompetenz eines Sonderschulpädagogikkollegen zu beanspruchen.

Und gerade DESHALB muss die Stigmatisierung wieder aus den Köpfen raus - oder ein stückweit auch diese neuzeitartige / allzeit-gehypte "Wokeness", wonach es angeblich eine Diskriminierung sei, wenn gewisse Schüler mit "besonderen Anforderungen & Bedürfnissen" eben auf eigene Schulen ("Sonderschulen") gehen, die aber genau dafür da sind, diese Bedürfnisse bestmöglich zu befriedigen. Im Gegenteil, so etwas hilft dieser Schülergruppe wesentlich mehr, als sie in eine Gymnasialklasse zu schmeißen, wo die dafür ausgebildete Lehrkraft keinerlei Berührungspunkte zu deren Bedürfnissen und Lernschwierigkeiten hat und so schon am Rudern ist, ihre auch ohne Inklusion schon heterogene Klasse am Laufen zu halten...

Davon abgesehen, dass Dank des herrschenden Lehrermangels es ja schon allein personell gar nicht möglich wäre, einen Einheitsbrei an Schularten herzustellen, wäre es zudem allein schon aufgrund der jeweiligen fachlichen Ausrichtung der studierten Lehrkräfte undenkbar, dass sie sich gleichzeitig in einer Klasse um 5 Schularten gleichzeitig kümmern soll, ohne dass irgendeine Gruppe dann darunter leidet und abgehängt oder überfordert wird.

Die heutigen Klassen sind so schon heterogen und problematisch genug, wo man von Glück reden muss, dass man mal noch halbwegs produktiven Unterricht hinbekommt, ohne, dass ich da dann parallel noch die Hälfte Asperger, Autisten, LRS, Dyskalkulie oder ähnliche lernauffälligen Schülerinnen & Schüler habe, denen ich mangels eigener Ausbildung / mangels Sonderschulpädagogikstudium niemals adäquat gerecht werden könnte...

Die einzig Leidtragenden bei so einem liberal-inklusiven Gedankenmodell sind dann letztlich die Schüler selbst, die so niemals auf ihre Kosten kommen. Die einzig denkbare Lösung, um so einem Modell nachkommen zu können, wäre, dass dann zusätzlich zur Hauptlehrkraft parallel noch eine eigens dafür ausgebildete Sonderschulpädagogik-Lehrkraft mit im Raum ist, die sich parallel dann um ihr jeweiliges Klientel kümmern könnte.

Dass sowas allein schon aufgrund von personellen Strukturen Utopie ist, braucht man nicht zu erwähnen. Von der Qualität und Produktivität bzw. Durchführbarkeit des eigentlichen Unterrichts, wenn dann plötzlich 2 oder mehr Lehrkräfte in einem Raum rumrennen und gleichzeitig mehrere Schülergruppen "bearbeiten", ganz zu schweigen.
 
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an dem grün-linken Konzept des Einheitsbreis
Bild-Zeitung lässt grüßen. Jeder Boomer-Gymnasiallehrer dem beim Wort Differenzierung vor Schreck der Stift aus der Hand fällt, will mehr Einheitsbrei als in einer inklusiven Schule zu finden ist.

Wir Gymnasiallehrer sind alleine schon vom im Studium vermittelten Handwerkszeug her NICHT darauf ausgebildet worden, uns adäquat um ein Schülerklientel kümmern zu sollen, das normalerweise eine ganz eigene, speziell auf deren Bedürfnisse ausgerichtete und ausgebildete Fachkraft braucht.
In Anbetracht dieser Tatsache stellt sich mir die zynische Frage, warum der Primarbereich nicht eine Besoldungsstufe höher angesetzt wird.
Die einzig denkbare Lösung, um so einem Modell nachkommen zu können, wäre, dass dann zusätzlich zur Hauptlehrkraft parallel noch eine eigens dafür ausgebildete Sonderschulpädagogik-Lehrkraft mit im Raum ist, die sich parallel dann um ihr jeweiliges Klientel kümmern könnte.
Da kann ich zustimmen. Nicht umsonst fordern Bildungswissenschaftler Team-Teaching als Standard. Es mangelt halt an der Umsetzung.

Von der Qualität und Produktivität bzw. Durchführbarkeit des eigentlichen Unterrichts, wenn dann plötzlich 2 oder mehr Lehrkräfte in einem Raum rumrennen und gleichzeitig mehrere Schülergruppen "bearbeiten", ganz zu schweigen.
Mir scheint hier ein antiquiertes Bild von Unterricht zu Grunde zu liegen. Natürlich kann man inklusiven Unterricht nicht wie Frontalunterricht vor 40 Jahren fahren. Da braucht es neue Wege der Raum- und Materialnutzung. Kinder können tatsächlich auch außerhalb des Klassenzimmers lernen.

Inklusion stellt einen vor hohe Herausforderungen. Allerdings ist nicht die "Wokeness" das Problem, sondern der mangelnde politische Wille die Rahmenbedingungen für Inklusion herzustellen. Derzeit wird Inklusion gefordert und aufgebürdet, ohne den Rahmen zu verändern. In dieser Hinsicht kann ich die Frustration verstehen.
 
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Wir Gymnasiallehrer sind alleine schon vom im Studium vermittelten Handwerkszeug her NICHT darauf ausgebildet worden,
Das ist das eigentliche Problem, alle Lehrer müssen eine fundierte! pädagogische Ausbildung bekommen.
Die Lehrer sind doch jetzt schon knapp, woher willst Du Lehrer für Einzelunterricht nehmen ... und wovon bezahlen?
Die Frage kann jeder für sich selbst beantworten.

Aber gern zurück zum Lehramt Musikunterricht, ich wollte nur den Exkurs zum allgemeinen Schulsystem nicht unwidersprochen stehen lassen. Aber darüber hier diskutieren sollten wir nicht.

Der Musikunterricht (wenn er denn nicht leistungsorientiert ist) ist übrigens oft schon ein Paradebeispiel für gelungenen inklusiven Unterricht!
 
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Bild-Zeitung lässt grüßen. Jeder Boomer-Gymnasiallehrer dem beim Wort Differenzierung vor Schreck der Stift aus der Hand fällt, will mehr Einheitsbrei als in einer inklusiven Schule zu finden ist.

Das Konzept "Inklusion" ist ein neumodisches, allenfalls politisches, das, wie so viele andere politische Neuheiten, nichts halbes und nichts ganzes darstellt. Ausgedacht von irgendwelchen, seit Jahrzehnten fernab der alltäglichen Schulpraxis tätigen Ministerialbeamten, die meinen, jetzt die "ganz große revolutionäre" Idee an den Mann bringen zu können.

Wie sich das Ganze dann allerdings in der alltäglichen Schulpraxis umsetzen soll, das wird nicht bedacht. Stattdessen wundert man sich, warum von allen Seiten Kritik kommt. Das Schulsystem hat momentan ganz andere Baustellen, die es anzupacken gilt, als etwa den Wunsch einer universalen, maximal-heterogenen Einheitsschule.

In Anbetracht dieser Tatsache stellt sich mir die zynische Frage, warum der Primarbereich nicht eine Besoldungsstufe höher angesetzt wird.

Die Frage mag berechtigt sein - insbesondere im Lichte der Tatsachen, dass z.B. Realschullehrer und -studierende viel mehr Pädagogik und Didaktik im Studium absolvieren als Gymnasiallehramtsstudierende. Wir haben dagegen mehr fachliche/wissenschaftliche Tiefe als die Realschul- & Grundschullehrer. Wir bereiten am Ende halt auch auf die allg. Hochschulreife vor. Da sollte dementsprechende fachliche Tiefe halt auch vorhanden sein.

In den niederen Schularten (und das ist mit einer der Gründe, warum ich niemals in einer Grundschule oder Sekundarstufe 1 unterrichten könnte oder wollen würde) ist häufig zu viel "Hühnerhaufen" statt ernsthaftem, qualitativ-hochwertigem Unterricht im Sinne von geistigen Höhenflügen vorzufinden. Wobei letzteres auch an Gymnasien heutzutage immer weniger der Fall ist und man auch da nun mehrheitlich mit Zähmerei und Zirkusstunden konfrontiert wird.

Nicht umsonst fordern Bildungswissenschaftler Team-Teaching als Standard.

Nicht umsonst sind diese inklusiven Modelle höchst umstritten und auch vom dt. Lehrerverband häufig auf's schärfste kritisiert. Man muss nicht immer die Welt neu erfinden und alles dem volatilen (launischen) Trend-Zeitgeist gemäß direkt umkrempeln. Man kann auch einfach bei dem bleiben, was sich bewährt hat und dies ggf. ausbauen/weiterentwickeln/verbessern.
 
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Nicht umsonst sind diese inklusiven Modelle höchst umstritten
Das sind keine Modelle, denn niemand hat ein Recht, andere Menschen auszusondern oder (egal wie wortgewandt) von „niederen Schularten“ zu reden.
 
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Das sind keine Modelle

Doch, das sind (bildungs-)wissenschaftliche Unterrichtsmodelle. Wenn du direkt auf semantischer Ebene jedes Wort auf die Goldwaage legen musst, nur um dich an irgendetwas echauffieren oder stoßen zu können, dann ist das dein persönliches Problem. Die wissenschaftliche Korrektheit der jeweiligen semantischen Begrifflichkeiten wird dadurch nicht geändert.

von „niederen Schularten“ zu reden

Q.E.D.

niemand hat ein Recht, andere Menschen auszusondern

Mir deucht, du hast nicht verstanden, um was es bei den verschiedenen Schulmodellen überhaupt geht. Sonst würdest du nicht von "Aussonderung" palabern...

Vermutlich bist du einer von jenen vielen, die gerne und viel Meinung zum Thema "Schule" haben, persönlich aber selbst außer ihrer eigenen, womöglich schon Jahrzehnte zurückliegenden Schulzeit überhaupt keine Berührungspunkte zur Institution Bildung & Schule haben...

Gerade von solchen kommen immer gerne und laut "Verbesserungsvorschläge", wie Schule (oder besser noch: Lehrerinnen & Lehrer) zu funktionieren habe... Findet man auch gerne & häufig auf diversen Elternabenden immer wieder.
 
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Doch, das sind wissenschaftliche Unterrichtsmodelle.
So kannst du es natürlich nennen; letztlich sind es Unterrichts-Konzepte, die die Abwesenheit von Ausgrenzung konzipieren und damit jahrzehntelange (speziell in D) Ungerechtigkeiten beenden sollen.
Ich persönlich denke, man sollte basale Menschenrechte nicht als Modell bezeichnen.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Mir deucht, du hast nicht verstanden, um was es bei den verschiedenen Schulmodellen überhaupt geht.
Dafür ja mein Buch-Hinweis auf Herwig Blankertz, „Bildung im Zeitalter der großen Industrie“.
 
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So kannst du es natürlich nennen; letztlich sind es Unterrichts-Konzepte, die die Abwesenheit von Ausgrenzung konzipieren

"Ausgrenzung" nennst du es, wenn man Schüler bestmöglich gemäß ihrer eigenen individuellen Fähigkeiten & Lernvoraussetzungen mittels eigens darauf ausgebildeten Pädagogen unterrichten möchte, sodass sie am Ende denselben gesellschaftlichen Bildungsstand haben wie alle anderen?

Interessant...

Ausgegrenzt wären sie vielmehr dadurch, wenn man sie aufgrund vermeintlich-rassistisch-diskriminierender, zeitgeist-induzierter ideologischer Motive in eine Lernumgebung zwingen würde, mit der sie aufgrund ihrer persönlichen Voraussetzungen niemals mithalten könnten und dabei erst recht abgehängt würden.

Du (und viele gleichgesinnte in dieser Thematik) stellst es so dar, als würde man alle, die nicht aufs Gymnasium gehen, ausgegrenzt von der Gesellschaft in irgendwelchen Kerkern halten... Das ist totaler Quatsch.

Jahrzehntelang hat sich nie jemand daran gestoßen - das System hat funktioniert für alle Parteien.

(Aber andererseits musste man jahrzehntelang auch keine nicht mehr enden-wollenden Debatten über's Gendern oder über die Umbenennung von Straßennamen oder U-Bahn-Haltestellen führen, die aufgrund des plötzlich ideologisch-veränderten (woken (?)) Zeitgeists nun auf einmal ganz dringend ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellen, das sofort angepackt werden müsste... Fast so, als gäbe es sonst ja keine wichtigeren Probleme mehr im Lande...)
 
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Ich bin ja prinzipiell gar nicht per se gegen ein inklusions-basierendes Unterrichtsmodell - nur sehe ich gegenwärtig überhaupt nicht, wie so ein Modell zukunftsweisend und erfolgreich implementiert werden soll und könnte, ohne hierfür sowohl das gesamte Schulsystem wie auch die gesamte Lehramtsgrundausbildung von der Pike auf neu auszurichten. Und so ein Schritt dauert Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Alleine die Lehramtsausbildung samt Studium & Referendariat geht schon knapp 8 Jahre an sich. Von entsprechender Um- und Weiterbildung der bereits fertigen und aktiv arbeitenden Lehrkräfte ganz zu schweigen.

Im gegenwärtigen Schulsystem - und das meinte ich oben mit "Ideen, die nichts Halbes und nichts Ganzes darstellen" - hat die hier stark ideologisierte und in meine Augen total unausgereifte Idee eines inklusiven Unterrichts kaum Erfolg...

Zudem sehe ich darüberhinaus das bisherige Schulsystem nicht so eklatant defizitär oder gar "diskriminerend-menschenverachtend", wie es hier tlw. mit populistischen Schlagwörtern sensationsheischend versehen worden ist.

Die meisten - wenn nicht gar alle - Lehrenden an Schulen haben sich dem Dienst für Kindern & Jugendlichen verschrieben, diese bestmöglich bildungstechnisch, aber auch sozialisierungstechnisch auszustatten und zu begleiten. Ich denke, die meisten, die sich tagtäglich in Schulen abrackern, kurz vor oder schon im Burnout stehen deswegen, hätten eine ziemlich klare Haltung darüber, wenn man ihnen vorwürfen würde, ihr Schuldienst fuße im Grunde auf einer diskriminierenden/menschenverachtenden Selektierung von Schülergruppen.

Wenn sie dies so sähen, würde vermutlich kaum noch einer im Schuldienst arbeiten und damit dieses angeblich vermeintliche Unrecht durch ihre tägliche Arbeit weiter unterstützen bzw. aufrechterhalten...
 
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"Ausgrenzung" nennst du es, wenn man Schüler bestmöglich ihrer eigenen Facon gemäß mittels eigens darauf ausgebildeten Pädagogen unterrichten möchte
Ich muss jetzt etwas polemisch werden, denn „ihrer eigenen Facon gemäß“ klingt mir stark nach „Jedem das Seine“ - und wo das mal stand, wirst Du hoffentlich wissen. Auch wenn Du nicht Geschichtslehrer bist.
sodass sie am Ende denselben gesellschaftlichen Bildungsstand
Genau da wäre das empfohlene Buch hilfreich, denn worum geht es in unserem Bildungssystem?
Auf jeden Fall nicht um „gesllschaftlichen Bikdungsstand“; und dies ist eben beim Musikunterricht (um mal wieder zu Thema zu kommen) eben auch das Dilemma: Schule ist eine ökonomische Veranstaltung, leistungsorientiert. Es gibt sie (flächendeckend) erst seit dem Aufkommen der großen Industrie.
Da passen so Themen (und deren Unterricht) wie Sport, Musik, Kunst, u.ä. einfach nicht ins Muster. Und wer muss das ausbaden? Die Lehrerinnen und Lehrer.

Insofern: Segen und Fluch.
 
Grund: ergänzt
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die meisten, die sich tagtäglich in Schulen abrackern, kurz vor oder schon im Burnout stehen deswegen, hätten eine ziemlich klare Haltung darüber, wenn man ihnen vorwürfen würde, ihr Schuldienst fuße im Grunde auf einer diskriminierenden/menschenverachtenden Selektierung von Schülergruppen.
Deshalb ja auch die (gewerkschaftliche) Forderung „Eine Schule für alle“).
Damit wir uns nicht falsch verstehen, das bedeutet nicht, dass alle in einer Klasse hocken sollen, aber sie sollen erstmal in EIN „Gebäude“ gehen (Walter Sittler🙂): zusammen Pause machen, Sport machen usw. da gibt es soviel gemeinsames … dass natürlich in „Leistungsfächern“ themenbezogen differenziert wird, fällt dann übrigens (organisatorisch) viel leichter.
 
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Wir haben dagegen mehr fachliche/wissenschaftliche Tiefe als die Realschul- & Grundschullehrer. Wir bereiten am Ende halt auch auf die allg. Hochschulreife vor. Da sollte dementsprechende fachliche Tiefe halt auch vorhanden sein.
Das ist doch ein Witz! Für die allgemeine Hochschulreife braucht man doch keine "fachliche Tiefe"! Ich erwarte eigentlich von Gymnasiallehrern, daß sie sich das bisschen, was man fürs Abi braucht, in allen Fächern in relativ kurzer Zeit draufschaffen können, außer vielleicht in den Fächern, in denen man nicht nur etwas WISSEN, sondern auch etwas KÖNNEN muß (Musik, Kunst, Sport, Werken etc.). Fachliche Tiefe kommt erst nach dem Abi. An pädagogischer Bildung und Fähigkeit fehlt es dagegen allenthalben.

Viele der besten Köpfe sind in Vergangenheit und Gegenwart am herrschenden staatlichen, auf Leistungsdruck aufgebauten systemimmanenten Schulsystem gescheitert. Da besteht dringlichster Reformbedarf! Aber ich habe ehrlich gesagt die Hoffnung schon längst aufgegeben, daß sich da in Deutschland noch etwas zum Guten wendet, und hoffe, daß ich im privaten Musikunterricht mein kleines Scherflein zur Verbesserung dazugeben kann. Apfelbäumchen und so ...

Viele Grüße,
McCoy
 
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Ich muss jetzt etwas polemisch werden, denn „ihrer eigenen Facon gemäß“ klingt mir stark nach „Jedem das Seine“ - und wo das mal stand, wirst Du hoffentlich wissen. Auch wenn Du nicht Geschichtslehrer bist.

Dass du zwang- & krampfhaft aus irgendwelchen, mir nicht weiter nachvollziehbaren Gründen neutral-gemeinte Lexeme immer maximal theatralisch missverstehen möchtest, ist ja schon weiter oben in deinen früheren Beiträgen deutlich geworden...

Vielleicht muss man dir hier eher mit einfacher und maximal unmissverständlicher Syntax und Vokabular begegnen, damit du nicht schon wieder verleitet wirst, haarsträubende Semantiken herauszulesen, auf welche die anderen Leser dieses Threads (mich eingeschlossen) wahrscheinlich niemals gekommen wären. Versuchen wir's daher mal auf diese Weise:

"[...] wo man Schülerinnen & Schüler bestmöglich gemäß ihrer eigenen individuellen Fähigkeiten & Lernvoraussetzungen mittels eigens darauf ausgebildeten Pädagogen unterrichten möchte [...]"

Klingt das für deine Ohren jetzt besser, oder folgt jetzt direkt die nächste haarsträubende semantische Umdeutung?

Alleine nur schon anzunehmen, dass ich mit meiner neutralen Ausdrucksweise eine etwaige nationalsozialistische Deutung gemeint haben könnte, empfinde ich gelinde gesagt als Unverschämtheit und als einen persönlichen Affront...

Das ist doch ein Witz! Für die allgemeine Hochschulreife braucht man doch keine "fachliche Tiefe"! Ich erwarte eigentlich von Gymnasiallehrern, daß sie sich das bisschen, was man fürs Abi braucht, in allen Fächern in relativ kurzer Zeit draufschaffen können

Genau darauf zielt ein Gymnasiallehramtsstudium ja auch ab. Eigenständiges Erarbeiten von (nicht selten neuen/unbekannten) Inhalten.
Im Vergleich dazu ist ein Real- bzw. Grundschulstudium allerdings weniger stark auf das (fach-)wissenschaftliche, tiefgehende (Er-)arbeiten von Inhalten ausgelegt, sondern deren Fokus liegt mehr auf Pädagogik und Didaktik.

Ein häufiger Kritikpunkt, den auch ich als ehemaliger Gym-Lehramtsstudent oft geäußert habe bzw. immer noch äußere, ist eben, dass Gymnasiallehrer aufgrund ihres sehr theoretischen Fachstudiums viel weniger auf die eigentliche Tätigkeit in der Schule vorbereitet sind als z.B. Real- oder Grundschullehrer. Die befassen sich tatsächlich mit den täglich zu unterrichtenden Inhalten, insbesondere auch, wie diese Inhalte fachdidaktisch gut vermittelt werden können.

Wir hingegen befassen uns im Gym-Studium mehrheitlich mit den eigentlichen Fachwissenschaften der jeweiligen Fächer, die man studiert. Ich kann zwar beispielsweise perfekt erklären, warum und wie sich unregelmäßige Verben sprachwissenschaftlich entwickelt haben - im alltäglichen Schulbetrieb ist dieses Wissen aber nicht relevant. Da heißt es: es gibt halt unregelmäßige Verben im Englischen, die lernt ihr auswendig, stehen hinten im Buch drin. Fertig.

Auf gewisse Weise dann doch für den ein oder anderen Sprach(wissenschafts)liebhaber wie mich sehr unbefriedigend.
 
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"Ausgrenzung" nennst du es, wenn man Schüler bestmöglich ihrer eigenen Facon gemäß mittels eigens darauf ausgebildeten Pädagogen unterrichten möchte, sodass sie am Ende denselben gesellschaftlichen Bildungsstand haben wie alle anderen?

Ja, das nenne auch ich Ausgrenzung. Die Schule dient nicht nur zum Vermitteln von Wissen, sondern auch (hauptsächlich) der sozialen Integration. Hier geht es um Vermittlung von Werten. Kein Kind kann sich gleichwertig fühlen, wenn es von der "normalen" Gesellschaft (normale Schule) ausgeschlossen wird. Und es spielt keine Rolle, wie man diese Ausgrenzung nennt (Sonderförderung oder wie auch immer) - das Kind fühlt sich ausgegrenzt und minderwertig. Mehr noch, viele der Kinder in den "normalen" Schulen halten die ausgegrenzten Kinder für minderwertig.
Sehr problematisch sehe ich dabei, daß sich irgendwelche Menschen anmaßen, über die gesellschaftliche Fähigkeit anderer Kinder urteilen zu können. Unsere Geschichte lehrt uns, daß solche Entscheidungen zu den gröbste Menschenrechtsverletzungen führten und unzählige Menschen das Leben gekostet haben.

Eine andere Sache ist, wenn ein Kind aufgrund außergewöhnlicher Begabung von der Schulpflicht befreit wird und angepaßten Privatunterricht erhält, so wie es z.B. bei der Ausnahme-Geigerin Anne-Sophie Mutter war, die auf eigenen Wunsch eine besondere musikalische Förderung erhielt.

Durch Deine vielen Beiträge zieht sich wie ein roter Faden der Wunsch eines Lehrers, nur Schüler mit bestimmten Eigenschaften zu unterrichten (interessiert am Unterricht, für den Unterricht zu Hause vorbereitet, fleißig, ruhig, ja nicht stören, dem Lehrer zuhören, immer aktiv mitarbeiten), und mit den anderen Schülern sollen sich speziell dafür ausgebildete Kräfte herumplagen.
Da muß ich Dich enttäuschen - solche Schüler haben wir nicht. Schüler sind keine Versandware, die man sich im Online-Katalog aussuchen könnte, Schüler sind Menschen. Sie sind sowohl untereinander mannigfaltig, als auch in ihrer Tages- oder Monatsform unberechenbar. Das, was Du an (den heutigen) Schülern bemängelst, sind die normalen Eigenschaften jeder Jugend, und unsere Aufgabe ist es, ihnen in der schwierigen Zeit Verständnis entgegenzubringen, und ihnen Raum zu geben, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln und ihren Weg in das selbständige Erwachsenwerden finden zu lassen.

Wenn ich mich als studierter Gymnasiallehrer neben meinen ohnehin schon (im Vergleich zu vor 40 Jahren) erheblich verhaltensauffälligeren und lerngehemmteren Gymnasiasten dann plötzlich auch noch um so Fälle wie Autismus, Asperger, LRS und anderen Verhaltensauffälligkeiten kümmern soll, dann kann sowas nur schiefgehen.

Welche Gymnasiasten wir vor 40 Jahren hatten, weißt Du nicht, damals hast Du noch nicht gelebt, aber Deine Beschreibung heutiger Gymnasiasten halte ich für sehr abwertend.:bad:

Gruß, Bjoern
 
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Welche Gymnasiasten wir vor 40 Jahren hatten, weißt Du nicht, damals hast Du noch nicht gelebt, aber Deine Beschreibung heutiger Gymnasiasten halte ich für sehr abwertend.:bad:

Halte es, wie du's willst. Die alltägliche Realität, die ich hier lediglich faktual (und wertneutral) beschreibe, wird dadurch nicht unwahrer, nur weil sie für manche Ohren nicht so romantisch und nach Einhorn-Regenbogen-Welt klingt, wie sie's gerne hätten... Augen zu verschließen und laut zu summen bringt halt leider auch nichts - man muss die Dinge schon beim Namen nennen. Nur so kann sich etwas zum Positiven verändern.

Warum manche hier alles immer direkt emotional anfärben und aufladen müssen...

Und es spielt keine Rolle, wie man diese Ausgrenzung nennt (Sonderförderung oder wie auch immer) - das Kind fühlt sich ausgegrenzt und minderwertig.

Hast du die "Betroffenen" allesamt repräsentativ in Studien dazu befragt, oder ist das vielmehr eher wieder ein Fall von "Ich persönlich halte XYZ (neuerdings gemäß des Trends) für falsch, deswegen müssen es die vermeintlich Betroffenen auch schon immer falsch gefunden haben"?

Wäre ja nicht das erste Mal in der jüngeren - wokeness-geprägten - Zeit, wo man plötzlich überall vermeintliche Intoleranz und Diskriminierung aufzudecken glaubte; die eigentlichen Betroffenen dies aber überhaupt gar nicht so empfanden.

Stichwort "Kulturelle Aneignung" - Auswendig gelernt, aber nicht verstanden!

Paradebeispiel des "tugendlich gut gemeint, aber falsch umgesetzt". Man sollte aufpassen, dass man es bei all der zweifellos lobenswerten Tugendhaftigkeit nicht übertreibt und dann plötzlich vermeintliche Probleme heraufbeschwört, die in Wahrheit vielleicht gar keine sind...
 
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Hast du die Betroffenen allesamt repräsentativ in Studien dazu befragt

Nein, aber als Vater einer autistischen Tochter weiß ich, was einem autistischen Kind (seiner Seele und seiner sozialen Entwicklung) guttut und was zerstörerisch ist.
Ja, autistische Kinder sind für die Eltern und die Gesellschaft sehr herausfordernd, doch eine unvergleichbar höhere Herausforderung (ja, sogar eine furchtbare Qual) für die autistischen Kinder ist die Forderung der Gesellschaft an diese Kinder, sich normal zu verhalten. Weil das "normale" Verhalten keine Definition hat, und diese Schwammigkeit können autistische Kinder nicht erfassen. Jeder Mensch ist anders - gut oder böse, sanft oder gewalttätig, oder alles zusammen - das alles ist normal, bloß autistisch ist nicht normal.

Ja, wir hätten auf die studierten Pädagogen, Psychologen und andere Fachleute hören und unsere Tochter in eine Sonderschule abschieben können. Aber wir haben es nicht getan - wir (meine Frau, ich und unsere beiden jüngeren Söhne) haben auf sie und ihre Bedürfnisse gehört und gefühlt, haben ihr "erlaubt", so sein zu dürfen, wie sie war, und so haben wir sie auch geliebt. Sie war und ist ein gleichwertiges Mitglied unserer Familie und unserer Gesellschaft.
Sie war/ist musikalisch, mathematisch und fremdsprachlich hoch begabt, hatte aber "keine Lust" auf Lehrer. Dennoch hat sie zwei Uni-Abschlüsse, spielt hobbymäßig mehrere Musikinstrumente und verdient ihren Lebensunterhalt.
Und vor 40 Jahren haben sie alle Lehrer abgeschrieben und aufgegeben.

Gruß, Bjoern
 
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Ja, wir hätten auf die studierten Pädagogen, Psychologen und andere Fachleute hören und unsere Tochter in eine Sonderschule abschieben können. Aber wir haben es nicht getan - wir (meine Frau, ich und unsere beiden jüngeren Söhne) haben auf sie und ihre Bedürfnisse gehört und gefühlt, haben ihr "erlaubt", so sein zu dürfen, wie sie war, und so haben wir sie auch geliebt.

Für mich liest sich das so, als könnten solche Kinder nur im häuslichen Umfeld so angenommen werden, wie sie sind. In speziell auf sie und ihre Bedürfnisse eingerichteten Institutionen dagegen anscheinend nicht. Damit unterstellst du gleichzeitig, dass es allen Kindern, die aufgrund ihrer Andersartigkeit (und bevor jetzt @Aynsley gleich wieder bellt - das ist hier nicht wertend gemeint) sich in Regelschulen schwer(er) tun und deshalb in Sonderschulen unterrichtet werden, dort schlecht erginge, man sie nicht als normal ansähe.

Inklusion bedeutet für mich nicht zwangsweise die physische Präsenz in einer Regelschule bzw. gar im selben Unterrichtsraum. Diese Lesart von Inklusion wäre für mich viel zu kurz gesteckt, zu oberflächlich, zu einfältig... Sowas ist im gegenwärtigen Schulsystem auch nicht zu leisten und schon gar nicht einer ohnehin schon am Limit seienden Lehrkraft noch zu allem anderen oben drauf zu laden.
Ein Sonderpädagogikstudium hat seine Berechtigung. Niemand sollte sich anmaßen, ohne spezielle Kenntnisse bzgl. der jeweiligen Bedürfnisse & Voraussetzungen dieser Schüler, diesen Job mal so "nebenbei" noch mit dazu zu machen.

Genau DAS sieht das derzeitige Inklusionsmodell aber vor... Da stellt man sich vor, die Lehrkraft könne ja ein paar Wochenenden 2, 3 Abendkurse zum Thema Inklusion machen und dann läuft das schon mit der Inklusionsklasse.... Na dann, Prost Mahlzeit!

Die armen Schüler!
 
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Genau DAS sieht das derzeitige Inklusionsmodell aber vor... Da stellt man sich vor, die Lehrkraft könne ja ein paar Wochenenden 2, 3 Abendkurse zum Thema Inklusion machen und dann läuft das schon mit der Inklusionsklasse.... Na dann, Prost Mahlzeit!
Du hast es eigentlich schon benannt. Das Modell von Inklusion hat nichts mit dem zu tun wie Inklusion eigentlich sein sollte.
Mir drängt sich allerdings ein wenig der Eindruck auf, dass du auch bei guten Bedingungen für Inklusion nicht begeistert wärst, wenn in einer Gymnasialklasse plötzlich mehr Heterogenität herrscht. In dem Zusammenhang muss man aber sagen, dass inklusive Schulsysteme bei guter Umsetzung gut und in manchen Bereichen besser abschneiden als Systeme mit Segregation. Mir wird aus deinem Standpunkt nicht ganz klar ob du frustriert über Arbeitsbedingungen bist oder tatsächlich einfach ein biedermeierliches Schulsystem willst?
 
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Mir drängt sich allerdings ein wenig der Eindruck auf, dass du auch bei guten Bedingungen für Inklusion nicht begeistert wärst, wenn in einer Gymnasialklasse plötzlich mehr Heterogenität herrscht.

Wenn sie denn am Ende in der Alltagspraxis funktionieren, ohne dass hier die eh schon am Limit arbeitenden Lehrkräfte auch noch eine Zusatzbelastung dadurch haben und sich plötzlich in Gefilde einmischen sollen, die sie aufgrund ihrer Ausbildung gar nicht kennen, dann soll es mir recht sein.

Heterogen ist die heutige Schule ja ohnehin schon. Sofern am Ende nicht die Unterrichtsqualität und die Bildungsziele leiden (was wir uns mit Blick auf die jüngsten PISA-Ergebnisse nicht noch weiter leisten sollten), bin ich für progressive Unterrichtsmethoden durchaus offen. Nur sehe ich das gegenwärtig eben nicht.
 
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