"Immer wenn du nicht mehr weiter weißt, umarme deinen Hund"
Aber dann zurückhalten und nicht zu fest drücken....

Ich hatte immer Hunde aus dem Tierschutz. Viele Jahre war ich auch aktiv tätig. Vereinsarbeit, Homepagewartung, Pflegestelle, Vor- und Nachkontrollen. Nur irgendwann ging es einfach nicht mehr. All dieses Elend und kein Ende in Sicht, weil die Menschen sich nie ändern werden.
Die Geschichte von Dimi ist auch voller Leid. Er kommt aus russischen Händen und wurde trainiert um zu töten. Als er dann eine Akte beim Veterinäramt bekam, weil er auffällig geworden ist, wurde Dimi zum Wanderpokal und keiner der Vorbesitzer war in der Lage einen Wesenstest mit ihm zu absolvieren.
Mich sprach ein junger Mann an, der letzte Besitzer, ob ich ihm beim Training helfen kann. Sicherlich. Er war sich aber im Laufe des Trainings nicht bewusst, was Bindungsarbeit bedeutet. Das war es was dieser Hund brauchte um überhaupt wieder Vertrauen zu können. Denn dieser Hund ist in der Lage aus dem Stand, ohne knurren, ohne dass ihm nur das Fell hochgeht, jemanden an die Kehle zu springen und das nur mit einem Ziel.
Sei wie es sei, der junge Mann musste aus seiner Wohnung raus, zurück zu Mutti. Mutti hatte zwei Katzen und Angst. Da kam dann die Frage, ob ich den Hund so lange, bis er eine neue Wohnung gefunden hatte, aufnehmen könnte. Ok. Im Laufe der Zeit kam er immer weniger zum Training und irgendwann schrieb er mir lediglich eine WhatsApp "Ich habe keinen Bock mehr auf den Hund". Das wars. Wenige Tage später bekam ich auch schon Post vom Veterinäramt....uns wurde gemeldet Sie sind die neue Besitzerin dieses Hundes und Sie haben folgende Auflagen: Sachkundetest, Wesenstest, Versicherungsnachweis, das große polizeiliche Führungszeugnis vorlegen....
Puhhhh was für eine Nummer. Ich wollte den Hund nicht, es war vom Gefühl her nicht "mein" Hund. Aber....es kommt immer ein aber - die Vorstellung, er sitzt im Tierheim und sieht nie wieder die Sonne, weil aus ihm das gemacht wurde, was er ist, ein Killer und ich lebe mein la dolce vita - nein, das hätte ich mit meinem Karma nicht vereinbaren können.
Also hieß es an die Arbeit. Diese Auflagen vom Veterinäramt gaben mir drei Monate Zeit. Das war hart. Jeden Tag war ich stundenlang war ich mit diesem Hund draußen unterwegs. Es war Winter. Mir sind durch das Schubeln der Hosen die Beine blutig aufgegangen, dem Hund sind die Ohrenspitzen durch das Schütteln aufgegangen. Ich habe viel geweint in dieser Zeit, an mir selbst gezweifelt, aber ich wollte diesen Hund nicht im Stich lassen, weil es schon alle anderen getan haben.
Dann kam der Tag des Wesenstest. Man kann sich gar nicht vorstellen was für ein Gefühlschaos ich durchlaufen bin. Die Prüferin hat uns zweieinhalb Stunden durch die Mangel genommen. Dimi hat alles sehr gut gemeistert. Bis auf die Situation: er war alleine an einem Baum angebunden, ich war nicht in Sichtweite und man konnte auf dem Video sehen, dass er versucht hat die Prüferin anzugreifen.
Nun ist es so, Dimi hat den Wesenstest nicht im Ganzen bestanden. Darin steht, dass wenn er geführt wird, ist er kontrollierbar, aber wenn er alleine ist, ist er unberechenbar. Das war der Stand vor ca. 8 Jahren und so ist er heute noch. Dieses antrainierte Verhalten wird er nie mehr los, aber ich bin bei ihm und passe auf ihn auf. Er hat die Auflage, außerhalb des privaten Geländes einen Maulkorb zu führen, weil er vor dem Gesetz immer noch als gefährliche Waffe gilt und ich zum Beispiel nie straffällig werden dürfte, sonst hat man das Recht mir diesen Hund wegzunehmen. Man kann nicht mit ihm vor die Tür wie Hans Guck in die Luft. Die Mitarbeiter auf dem Hof wissen auch Bescheid, dass sie nicht einfach die Bürotür aufreißen können (ist eh immer abgeschlossen) und sich bemerkbar machen. Jeder der neu dazu kommt, wird gleich instruiert und alles in allem achte ich darauf, dass Dimi niemanden zu Nahe kommt. Hier sei aber gesagt, dass es einige Menschen gibt, die dieser Hund liebt und zu denen er auch eine Bindung aufgebaut hat.
Nun ist schon so viel Zeit vergangen, wir sind zusammen gewachsen, haben unser Bindung und man muss sagen wie es ist, man fühlt sich mit ihm sicher, auch wenn man stets ein wachsames Auge auf ihn haben muss. Wäre er nicht so verkorkst worden, wäre er ein toller sensibler Hund, der sich verpieselt wenn ich lauter werde, der körperliche Nähe braucht, der verspielt ist und der extrem schnell lernt.
Puhhh das war jetzt ganz schön viel - sorry.
Liebe Grüße Sylvana
Noch ein Bild für die Netiquette
