Schon seit gut einem dreiviertel Jahr bin ich am Thema "Erneuerung der Außenbeschallung im örtlichen Fußballstadion" dran. Bei den verbauten ELX115 haben die Tieftöner das Zeitliche gesegnet. Wohl wegen Feuchtigkeit und/oder Überlastung. Aufgrund der doch beachtlichen Beschallungstiefe habe ich zumindest vor die Temperaturen komplett eisig wurden schon mal zwei Achat 208H angebracht. Jetzt fehlt noch die neu hinzugekommene Tribünenbeschallung mit 3x Achat 206, damit endlich mal nicht nur die Spieler, sondern auch die Zuschauer was mitbekommen.
Ursprünglich war mein Gedanke, das Ganze über ein XR12 zu fahren, das zwecks Haptik irgendwie mit einem Denon DN-312X kreuz und quer verhäkelt wird. Aber irgendwie taugte mir das alles nicht und bietet den "jungen Wilden" einfach immer noch zu viel Potential der (mutwilligen) Fehlbedienung. Schon ganz am Anfang hatte ich die Idee, über vier Drehpotis einfach die DCA-Gruppen zu steuern. Quasi im Kanal selbst Grundeinstellung einer "maximal gesunden Lautstärke vor Feedback" und dann mit den DCAs eben von minus unendlich bis 0dB. In professionell mache ich sowas mit BSS Soundweb & Co., preislich für die Nummer aber völlig unter ferner liefen, deswegen Kompromisslösung mit X-Air und MIDI. Schöner Gedanke, aber würde es auch funktionieren? Es macht Arbeit, das wollte ich vermeiden

, deswegen hab ich es lang vor mir hergeschoben.
Irgendwann fand ich letztens per Zufall bei Thomann "Doepfer Pocket Electronics". Das weckte meine Neugier wieder, weil ja quasi fast schon fix und fertig. Und kostet eigentlich kein Geld. Aber andererseits...die Potis muss ich so oder so noch löten und ob ich das dann noch ebend an nen Arduino.......ist doch auch schon egal und spart fast 70€........
Anyway. Dieses Wochenende hab ich mich aufgerafft und den Probeaufbau gemacht. Und was soll ich sagen? Es funktioniert hervorragend!
Zuvor hatte ich noch ein 10er-Set verschraubbare Potis 10k linear zum Spottpreis bestellt. Der Rest war in der Wühlkiste vorhanden: Arduino Nano, DIN-Stecker, 2x Widerstand 220 Ohm. Mehr braucht es nicht. 5V-Versorgung sollte hoffentlich aus der USB-A-Buchse des XR12 möglich sein. Hatte grad nur mein XR18 da mit USB-B, da konnt ich es jetzt nicht unter Realbedingungen testen und habe derweil ein Netzteil verwendet.
Bedienung absolut flüssig. Code übersichtlich. Hintergrundkommunikation über die MIDI-Library. Beim Einschalten des Arduinos, bei Änderung eines Wertes oder zyklisch ca. alle 5-10 Sekunden sende ich immer die 4 Istwerte. Läuft absolut flüssig selbst unter "Stress" (mehrere Potis wild bewegen) und hängt Null Komma Null "nach". Auch die Kennlinie, mit der Behringer die möglichen Werte von 0-127 auf den Fader gemappt hat (die ich nicht ganz nutze, ich will ja nur bis 0db) ist prima. Man denkt, man würde ein analoges Poti vor sich haben.
Vielleicht ja für den einen oder anderen interessant. Für "Hybrid-Steuerung" natürlich nur bedingt geeignet, weil die DCA-Werte logischerweise permanent von den Potis überschrieben werden, solange die MIDI-Verbindung steckt. Aber dafür ist es ja nicht gedacht. Sonst müsste man auf Endlos-Encoder gehen und den MIDI-Out auch noch auswerten, damit die Steuerung den realen Istwert aus dem Pult kennt. Wie beim BCF, X-Touch usw. halt.
Ich kann da gerne irgendwann mal mehr dazu schreiben, je nach Zeit und Muße kann das aber in zwei Wochen oder zwei Jahren passieren.
Grundsätzlich wie gesagt sicher ne interessante Nummer, grade auch z.B. für Festinstallationen wie Kirchen als "set and forget"-Lösung, wo besagte Variante mit frei programmierbaren DSP-Matrizen wie Soundweb, Biamp etc. preislich oft übers angestrebte Ziel hinausschießt und es der halblebige 40 Jahre alte Mischverstärker dann halt wohl oder übel noch irgendwie tun muss.
"Hier regelt ihr einfach nach Gusto die Lautstärke, alles andere ist und bleibt intern optimal voreingestellt!"