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In den letzten drei Monaten habe ich mir, der ich immer darauf achte ein möglichst übersichtliches Gear am Start zu haben, gleich drei neue Gitarren gekauft, nämlich zwei Gretsch G6120, eine 55 mit T-Armonds und eine 59 mit Filtertrons und eine ES330 Style mit P90’s. Allen gemeinsam ist, dass es sich um Gitarrentypen handelt die duchweg in den Fünfzigern das Licht der Welt erblickten. Man kann ihnen also pauschal nachsagen, sich am Vintage Klangideal zu orientieren.
Wenn ich mir diesen Begriff mal vornehme, stelle ich fest, dass der maximal diffus und schwammig ist. Mit anderen Worten assoziiert jeder damit etwas anderes, sein spezifisches Klangideal welches mit Gear das in der Vergangenheit entwickelt wurde umgesetzt wird. Insofern wäre die Frage legitim, was Vintage überhaupt bedeutet?! Bitte nicht wundern, ich bleibe in diesem Thread „amerikanisch“ unterwegs, gehe von den Roots Stilen über die Instrumentierung zur Fragestellung. Vielleicht kommt von Euch dann noch etwas zu Rickenbacker, Martin und englischen Amps wie Vox, Marshall usw. und den dazugehörigen Speakern.
In der gleichen Zeit habe ich mir in letzter Zeit eine ganze Serie von Musiker Dokus angesehen, mit dabei waren Robert Johnson, Elvis Presley, Johnny Cash, Keef Richards, Bob Dylan, Krautrock, Miles Davis, David Bowie, Grateful Dead, und stelle ich zweierlei fest: Außer Miles Davis und David Bowie hat mir nichts davon gefallen, ich würde aber allen Musikern zugestehen die Entwicklung der Popularmusik maßgeblich beeinflusst zu haben. Wenn ich erklären müsste, was mir an der Musik missfallen hat wäre es in erster Linie deren Berechenbarkeit, Simplizität und ein Mangel an musikalischer Spannung und Komplexität.
Ein gutes Beispiel dafür ist Rockabilly. Gäbe es nicht Brian Setzer, hätte ich niemals Zugang zu dieser Musik gefunden. Weil er aber dieses Genre weiterentwickelt hat wie kein Anderer finde ich auch Zugang zu den Wurzeln dieser Musik, ohne diese aber hören zu wollen.
Nach Aussage vieler Gitarristen soll es so sein, dass Robert Johnson auch jene Gitarristen beeinflusst hat, die dies nichtmal wahrnehmen. Ich kann dies nur schwer beurteilen, nachvollziehen kann ich es nur bedingt, bzw über Umwege. Nicht infrage stellen würde ich hingegen von Gitarristen beeinflusst zu sein, die ihrerseit von Johnson inspiriert sind, und klar, damit schliesst sich der Kreis…… Dennoch würde ich mir, obwohl ich gerade meine Vinyl Sammlung um einflussreiche Alben komplettiere nicht einfallen mir Robert Johnson zu kaufen. Es würde schlichtweg nie auf dem Plattenteller landen…..
Ich habe generell nicht viel mit Blues im ursprünglichen Sinne am Hut, komme aber z.B. an Henrik Freischlader, Ron Spielman und anteilig Gary Clarke Jr. nicht vorbei. Auch hier spielt sich das gleiche Muster ab, nämlich dass diese Gitarristen zwar klar einem traditionellen Genre entspringen, dessen Grenzen aber weit gesprengt haben. Und dies gilt wie bei Setzer sowohl musikalisch, als auch spielerisch.
Was mir aber abgesehen von der Doku über Miles Davis in Allen gefallen hat war der Sound der Gitarren in Verbindung mit zeitgenössischen Amps und dort dockt auch mein Interesse an.
Denn analog zur musikalischen Evolution hat sich auch die der Instrumente vollzogen, dabei anteilg vielleicht sogar mit einem vergleichbaren Muster. Auf jeden Fall aber auch mit Implikationen in die Zukunft.
Über Jahre war die Telecaster meine Gitarre für die Insel und meine Liebe zu ihr hat über die gesamte Zeit nichts eingebüßt. Aber sie muss sich meine Vorlieben heute mit ein paar harten Konkurrenten teilen. Hier seien meine beiden oben genannten Gretsches und die ES330 Style Semi mit P90 Pickups genannt.
Aber nochmal zurück zur Tele um ein Phänomen des Marktes anzureissen, das auch für weitere Hardware beispielhaft ist. Nachdem Leo Fender die Stratocaster auf den Markt gebracht hatte, plante er die Telecaster damit abzulösen. Die rief Proteste bei der Country Fraktion hervor, sie wurde weiterhin hergestellt, der Rest ist Geschichte. Eine Tele kann wie alle Gitarren sehr unterschiedlich klingen, sie muss gern mit dem Vorurteil ein Eierschneider zu sein leben. 51 NoCaster PU’s rein und die Sonne geht auf.
Der P90 Pickup gilt als einer der ersten serienreifen PU's u.A. für Gibson Gitarren. Und obwohl der PAF Humbucker störende Einstreuungen unterdrückte konnte sich der P90 weiter behaupten. Ich oute mich an dieser Stelle mal als großer Single Coil Fan, was sich scheinbar absurderweise auch angesichts der G6120 mit Filtertrons wiederspiegelt. Es handelt sich zwar um Humbucker, sie klingen aber ähnlich glockig und transparent wie Single Coils.
Nun wäre es zwar unzutreffend Humbuckern grundsätzlich ein muffiges Klangbild zu unterstellen, aber von mir werden auch die besten ihrer Art immer eher als "punktuell" für Single Notes prädestinierte Tonabnehmer empfunden, während Single Coils in meiner Wahrnehmung freier atmen und Akkorde feiner aufegelöst darstellen. Ich empfinde deren Klang als dreidimesionaler.
Der P90 stellt für mich einen Kompromiss dar, dem irgendwie den Spagat zwischen diesen beiden Polen gelingt, ohne dabei aber klanglich kompromissbehaftet zu klingen. Dem ist es auch egal, ob er schöne Clean Passagen meistern oder es verzerrt richtig krachen lassen soll. Das ist beim Dynasonic schon schwieriger, der kann im heftigeren Betriebsmodus auch mit einem Sägewerk konkurrieren. Insofern ist der P90 für mich ein PU der etwas Zeitloses mitbringt. Ich finde, dass er sowohl alt klingen kann, aber auch im modernen Kontext mitreden bzw. mitsingen kann.
Was mich zu dem PAF’s und vorzugsweise zur Les Paul bringt. Als nativer Punk der Achtziger, der in weiterer Folge dem New Wave zugetan sein sollte empfand ich die Les Paul - ich kannte sie bis dato nur aus dem Rock der auslaufenden Siebziger - kam aus diesen Gitarren eigentlich immer nur eine verzerrte Wurst raus. Teils auch noch matschig und muffig. Dass Gibson diese Gitarre ursprünglich für den Jazz konstruierte konnte man Ende der Seventies angesichts der immer heisser ausgelegten Humbucker nicht mehr nachvollziehen. PAF’s wie der SD Antiquity und der Seth Lover sind da eine ganz andere Nummer. Sie können auch Twang und in dessen Schlepptau auch clean richtig gut klingen. Absurderweise sind es aber ausgerechnet die 1959 Paulas, mit PAF’s die einen starken Scoop in dem Mitten vorweisen, die heute auch im Rock als der Holy Grail gelten.
Was ich hier verdeutlichen möchte ist, dass die klangliche Evolution eines bereits ausgereiften Instrumentes durch die PU Bestückung eine klare Definition für die das Instrument steht konterkarieren kann, der Kontext für das Einsatzgebiet verschwimmt. Um wieder auf meine initiale Fragestellung zurück zu kommen, was ist Vintage? Und welche Aussagekraft besitzt der Begriff?
Die ersten leistungsschwachen Tweedamps brachen früh ein, begannen zu zerren. Damals nicht erwünscht, werden heute bewusst kleine Hasenkisten gekauft um diesen Sound möglichst früh am Start zu haben. Mit anderen Worten wurden in der Vergangenheit in Ermangelung von Möglichkeiten Trends gesetzt, die erst in der Zukunft ihre Blüte finden sollten. Nicht nur Neil Young lässt es damit richtig krachen, auch Grunge Bands haben den Tweed Amp gern am Start.
Ein weiterer Punkt ist, dass Gitarren mit PU's aus den Fünfzigern in Folge mit Amps aus den Sechzigern gespielt wurden, wieder wurde ein Klangideal geboren, mit dem zuvor nicht gerechnet wurde. Umgekehrt wird auch ein Schuh draus, ein Humbucker, der in den Sixties entwickelt wurde klingt auch auf einer Tweed Kiste grandios.
Bei Speakern macht sich das gleiche Phänomen fest. Man kann sagen, dass Keramik Speaker in den Sechzigern aufgrund seiner Stabilität und demzufolge strafferen Ton mit klareren Konturen den 50’s Alnico Speaker abgelöst hat. Trotzdem gibt es heute alle möglichen Kombinationen, vermutlich schon früh ausgelöst von experimentierfreudigen Schraubern. Wirklich originär wiederum wäre z.B. die Fünfziger Kombi P90 Gitarre am Tweed Amp mit Alnico Speaker. Das wäre sozusagen Vintage pur
Heute läuft in dieser Hinsicht alles querbeet. Mir geht es dabei so, dass ich mich zwar durchaus als modernen Gitarristen sehe, aber keinesfalls auf den "alten Sound" verzichten mag. Ich finde den auch immer noch "modern", vielleicht auch einfach zeitlos. Oder anders ausgedrückt: Auch wenn heute andere Harmonien und andere Techniken zur Anwendung kommen wird es von mir so empfunden, dass ich mit den klanglichen Gegebenheiten aus den Fünfzigern und Sechzigern am besten bedient bin, ohne dass mein Gear dabei echt Vintage sein muss.
Eher in gewisser Weise Hybrid. Ich nehme mal meine Realtone 5E4 Tweed Interpretation als Beispiel. Die ist zwar grundsätzlich entlang des originalen Schaltplanes und sogar Punkt zu Punkt verdrahtet umgesesetzt, hat aber ein Master Volume, einen Bass Regler und ein Reverb an Bord. Ich kann den Amp zwar dicht am Original klingen lassen, er geht bei Bedarf aber darüber hinaus und setzt ggf. das fort, was in den Fünfzigern noch nicht als Idee vorlag.
In meiner PTP BF Vibrolux Interpretation, den habe ich erst kürzlich einem Freund abgekauft, leisten zwei Weber 10" ihren Dienst. Der Keramik Speaker macht den konturierten Druck, der Alnico das Glockige. Und auch wenn der in seiner (MV, Mittenregler) Konfiguration modern daherkommt, so ist er dennoch aus Zeug meiner präferierten Dekaden zusammen geschustert, den 50' und 60's. Über den BF Kanal hinaus hat er auch noch die Entwicklungsstufe dazwischen an Bord, einen Brown Kanal, das ist in seiner Inkonsistenz konsequent
.
Analog zur heisseren Wicklung von Humbuckern wurden Amps nicht nur leistungsstärker, Paul Rivera implementierte zunächst in Fender Amps kaskadierte Vorstufen. Während zwar bereits in den Siebzigern dem Wunsch nach mehr Zerre Rechnung getragen wurde, wie sonst soll man Gehörschäden verursachen, markieren für mich die frühen Achtziger die Moderne, alles Andere zuvor eher das was man unter dem Sammelbegriff Vintage zusammenwürfeln kann.
Mit anderen Worten wäre in meiner Wahrnehmung der Glam Rock die letzte Epoche innerhalb derer Vintage Gear hergestellt wurde. Hairmetal, gespielt mit Superstrats an Vorstufenkaskaden wäre somit als Achtziger Genre neben dem New Wave das erste der Moderne, wo eigentlich alle essenziellen Sounds am Start waren.
Gibt es noch mehr Gitarristen im Board, die die Kombination aus Tradition und Moderne zu schätzen wissen und dies austarieren? Welches Handwerkszeug, welche Kombis nutzt ihr? Und wie würdet Ihr Vintage definieren, bzw was bedeutet der Begriff für Euch?
Wenn ich mir diesen Begriff mal vornehme, stelle ich fest, dass der maximal diffus und schwammig ist. Mit anderen Worten assoziiert jeder damit etwas anderes, sein spezifisches Klangideal welches mit Gear das in der Vergangenheit entwickelt wurde umgesetzt wird. Insofern wäre die Frage legitim, was Vintage überhaupt bedeutet?! Bitte nicht wundern, ich bleibe in diesem Thread „amerikanisch“ unterwegs, gehe von den Roots Stilen über die Instrumentierung zur Fragestellung. Vielleicht kommt von Euch dann noch etwas zu Rickenbacker, Martin und englischen Amps wie Vox, Marshall usw. und den dazugehörigen Speakern.
In der gleichen Zeit habe ich mir in letzter Zeit eine ganze Serie von Musiker Dokus angesehen, mit dabei waren Robert Johnson, Elvis Presley, Johnny Cash, Keef Richards, Bob Dylan, Krautrock, Miles Davis, David Bowie, Grateful Dead, und stelle ich zweierlei fest: Außer Miles Davis und David Bowie hat mir nichts davon gefallen, ich würde aber allen Musikern zugestehen die Entwicklung der Popularmusik maßgeblich beeinflusst zu haben. Wenn ich erklären müsste, was mir an der Musik missfallen hat wäre es in erster Linie deren Berechenbarkeit, Simplizität und ein Mangel an musikalischer Spannung und Komplexität.
Ein gutes Beispiel dafür ist Rockabilly. Gäbe es nicht Brian Setzer, hätte ich niemals Zugang zu dieser Musik gefunden. Weil er aber dieses Genre weiterentwickelt hat wie kein Anderer finde ich auch Zugang zu den Wurzeln dieser Musik, ohne diese aber hören zu wollen.
Nach Aussage vieler Gitarristen soll es so sein, dass Robert Johnson auch jene Gitarristen beeinflusst hat, die dies nichtmal wahrnehmen. Ich kann dies nur schwer beurteilen, nachvollziehen kann ich es nur bedingt, bzw über Umwege. Nicht infrage stellen würde ich hingegen von Gitarristen beeinflusst zu sein, die ihrerseit von Johnson inspiriert sind, und klar, damit schliesst sich der Kreis…… Dennoch würde ich mir, obwohl ich gerade meine Vinyl Sammlung um einflussreiche Alben komplettiere nicht einfallen mir Robert Johnson zu kaufen. Es würde schlichtweg nie auf dem Plattenteller landen…..
Ich habe generell nicht viel mit Blues im ursprünglichen Sinne am Hut, komme aber z.B. an Henrik Freischlader, Ron Spielman und anteilig Gary Clarke Jr. nicht vorbei. Auch hier spielt sich das gleiche Muster ab, nämlich dass diese Gitarristen zwar klar einem traditionellen Genre entspringen, dessen Grenzen aber weit gesprengt haben. Und dies gilt wie bei Setzer sowohl musikalisch, als auch spielerisch.
Was mir aber abgesehen von der Doku über Miles Davis in Allen gefallen hat war der Sound der Gitarren in Verbindung mit zeitgenössischen Amps und dort dockt auch mein Interesse an.
Denn analog zur musikalischen Evolution hat sich auch die der Instrumente vollzogen, dabei anteilg vielleicht sogar mit einem vergleichbaren Muster. Auf jeden Fall aber auch mit Implikationen in die Zukunft.
Über Jahre war die Telecaster meine Gitarre für die Insel und meine Liebe zu ihr hat über die gesamte Zeit nichts eingebüßt. Aber sie muss sich meine Vorlieben heute mit ein paar harten Konkurrenten teilen. Hier seien meine beiden oben genannten Gretsches und die ES330 Style Semi mit P90 Pickups genannt.
Aber nochmal zurück zur Tele um ein Phänomen des Marktes anzureissen, das auch für weitere Hardware beispielhaft ist. Nachdem Leo Fender die Stratocaster auf den Markt gebracht hatte, plante er die Telecaster damit abzulösen. Die rief Proteste bei der Country Fraktion hervor, sie wurde weiterhin hergestellt, der Rest ist Geschichte. Eine Tele kann wie alle Gitarren sehr unterschiedlich klingen, sie muss gern mit dem Vorurteil ein Eierschneider zu sein leben. 51 NoCaster PU’s rein und die Sonne geht auf.
Der P90 Pickup gilt als einer der ersten serienreifen PU's u.A. für Gibson Gitarren. Und obwohl der PAF Humbucker störende Einstreuungen unterdrückte konnte sich der P90 weiter behaupten. Ich oute mich an dieser Stelle mal als großer Single Coil Fan, was sich scheinbar absurderweise auch angesichts der G6120 mit Filtertrons wiederspiegelt. Es handelt sich zwar um Humbucker, sie klingen aber ähnlich glockig und transparent wie Single Coils.
Nun wäre es zwar unzutreffend Humbuckern grundsätzlich ein muffiges Klangbild zu unterstellen, aber von mir werden auch die besten ihrer Art immer eher als "punktuell" für Single Notes prädestinierte Tonabnehmer empfunden, während Single Coils in meiner Wahrnehmung freier atmen und Akkorde feiner aufegelöst darstellen. Ich empfinde deren Klang als dreidimesionaler.
Der P90 stellt für mich einen Kompromiss dar, dem irgendwie den Spagat zwischen diesen beiden Polen gelingt, ohne dabei aber klanglich kompromissbehaftet zu klingen. Dem ist es auch egal, ob er schöne Clean Passagen meistern oder es verzerrt richtig krachen lassen soll. Das ist beim Dynasonic schon schwieriger, der kann im heftigeren Betriebsmodus auch mit einem Sägewerk konkurrieren. Insofern ist der P90 für mich ein PU der etwas Zeitloses mitbringt. Ich finde, dass er sowohl alt klingen kann, aber auch im modernen Kontext mitreden bzw. mitsingen kann.
Was mich zu dem PAF’s und vorzugsweise zur Les Paul bringt. Als nativer Punk der Achtziger, der in weiterer Folge dem New Wave zugetan sein sollte empfand ich die Les Paul - ich kannte sie bis dato nur aus dem Rock der auslaufenden Siebziger - kam aus diesen Gitarren eigentlich immer nur eine verzerrte Wurst raus. Teils auch noch matschig und muffig. Dass Gibson diese Gitarre ursprünglich für den Jazz konstruierte konnte man Ende der Seventies angesichts der immer heisser ausgelegten Humbucker nicht mehr nachvollziehen. PAF’s wie der SD Antiquity und der Seth Lover sind da eine ganz andere Nummer. Sie können auch Twang und in dessen Schlepptau auch clean richtig gut klingen. Absurderweise sind es aber ausgerechnet die 1959 Paulas, mit PAF’s die einen starken Scoop in dem Mitten vorweisen, die heute auch im Rock als der Holy Grail gelten.
Was ich hier verdeutlichen möchte ist, dass die klangliche Evolution eines bereits ausgereiften Instrumentes durch die PU Bestückung eine klare Definition für die das Instrument steht konterkarieren kann, der Kontext für das Einsatzgebiet verschwimmt. Um wieder auf meine initiale Fragestellung zurück zu kommen, was ist Vintage? Und welche Aussagekraft besitzt der Begriff?
Die ersten leistungsschwachen Tweedamps brachen früh ein, begannen zu zerren. Damals nicht erwünscht, werden heute bewusst kleine Hasenkisten gekauft um diesen Sound möglichst früh am Start zu haben. Mit anderen Worten wurden in der Vergangenheit in Ermangelung von Möglichkeiten Trends gesetzt, die erst in der Zukunft ihre Blüte finden sollten. Nicht nur Neil Young lässt es damit richtig krachen, auch Grunge Bands haben den Tweed Amp gern am Start.
Ein weiterer Punkt ist, dass Gitarren mit PU's aus den Fünfzigern in Folge mit Amps aus den Sechzigern gespielt wurden, wieder wurde ein Klangideal geboren, mit dem zuvor nicht gerechnet wurde. Umgekehrt wird auch ein Schuh draus, ein Humbucker, der in den Sixties entwickelt wurde klingt auch auf einer Tweed Kiste grandios.
Bei Speakern macht sich das gleiche Phänomen fest. Man kann sagen, dass Keramik Speaker in den Sechzigern aufgrund seiner Stabilität und demzufolge strafferen Ton mit klareren Konturen den 50’s Alnico Speaker abgelöst hat. Trotzdem gibt es heute alle möglichen Kombinationen, vermutlich schon früh ausgelöst von experimentierfreudigen Schraubern. Wirklich originär wiederum wäre z.B. die Fünfziger Kombi P90 Gitarre am Tweed Amp mit Alnico Speaker. Das wäre sozusagen Vintage pur

Heute läuft in dieser Hinsicht alles querbeet. Mir geht es dabei so, dass ich mich zwar durchaus als modernen Gitarristen sehe, aber keinesfalls auf den "alten Sound" verzichten mag. Ich finde den auch immer noch "modern", vielleicht auch einfach zeitlos. Oder anders ausgedrückt: Auch wenn heute andere Harmonien und andere Techniken zur Anwendung kommen wird es von mir so empfunden, dass ich mit den klanglichen Gegebenheiten aus den Fünfzigern und Sechzigern am besten bedient bin, ohne dass mein Gear dabei echt Vintage sein muss.
Eher in gewisser Weise Hybrid. Ich nehme mal meine Realtone 5E4 Tweed Interpretation als Beispiel. Die ist zwar grundsätzlich entlang des originalen Schaltplanes und sogar Punkt zu Punkt verdrahtet umgesesetzt, hat aber ein Master Volume, einen Bass Regler und ein Reverb an Bord. Ich kann den Amp zwar dicht am Original klingen lassen, er geht bei Bedarf aber darüber hinaus und setzt ggf. das fort, was in den Fünfzigern noch nicht als Idee vorlag.
In meiner PTP BF Vibrolux Interpretation, den habe ich erst kürzlich einem Freund abgekauft, leisten zwei Weber 10" ihren Dienst. Der Keramik Speaker macht den konturierten Druck, der Alnico das Glockige. Und auch wenn der in seiner (MV, Mittenregler) Konfiguration modern daherkommt, so ist er dennoch aus Zeug meiner präferierten Dekaden zusammen geschustert, den 50' und 60's. Über den BF Kanal hinaus hat er auch noch die Entwicklungsstufe dazwischen an Bord, einen Brown Kanal, das ist in seiner Inkonsistenz konsequent

Analog zur heisseren Wicklung von Humbuckern wurden Amps nicht nur leistungsstärker, Paul Rivera implementierte zunächst in Fender Amps kaskadierte Vorstufen. Während zwar bereits in den Siebzigern dem Wunsch nach mehr Zerre Rechnung getragen wurde, wie sonst soll man Gehörschäden verursachen, markieren für mich die frühen Achtziger die Moderne, alles Andere zuvor eher das was man unter dem Sammelbegriff Vintage zusammenwürfeln kann.
Mit anderen Worten wäre in meiner Wahrnehmung der Glam Rock die letzte Epoche innerhalb derer Vintage Gear hergestellt wurde. Hairmetal, gespielt mit Superstrats an Vorstufenkaskaden wäre somit als Achtziger Genre neben dem New Wave das erste der Moderne, wo eigentlich alle essenziellen Sounds am Start waren.
Gibt es noch mehr Gitarristen im Board, die die Kombination aus Tradition und Moderne zu schätzen wissen und dies austarieren? Welches Handwerkszeug, welche Kombis nutzt ihr? Und wie würdet Ihr Vintage definieren, bzw was bedeutet der Begriff für Euch?
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