ich glaube zur (ansatzweisen) beantwortung dieser frage muss man etwas weiter ausholen:
vor langer, langer zeit, als der schnellste gitarrist noch eric clapton hieß, irgendwann zwischen den beatles und led zeppelin, begab es sich, dass eine gruppe junger gitarristen nicht mehr clean spielen wollte. sie hatten nämlich entdeckt, dass, wenn man den volumenregler des verstärkers auf zehn dreht, er plötzlich ganz anders klang und fanden das ganz toll...
so nun mal die märchenstunde beiseite: fakt ist: was die jungs damals als sound entdeckt und geprägt haben, hat sich im gedächtnis der menschheit als rocksound eingebrannt: ein fetter, verzerrter endstufensound (weshalb auch
Marshall heute noch als DIE marke für rocksounds schlechthin angesehen wird; clapton (und baker) haben nunmal marshall fullstacks auf der bühne gehabt, ähnlich wie hendrix, etwas später blackmore, page etc. etc.). dieser sound ist einfach eine marke, eine ikone, ein ideal, dem auch heute noch viele nachjagen. und mal ganz ehrlich: was gibt es schöneres als die gitarre einzustöpseln, aufzudrehen und das highway to hell riff ertönen zu lassen.
die bodentreter haben dabei allerdings ebenso sehr früh schon einzuggehalten, in form von treble boostern, die allerdings doch eher zur übersteuerung des amps beitrugen, anstatt einen eigenen sound mitzubringen, vielleicht noch etwas ins frequenzbild eingegriffen.
und nun kamen die japaner und brachten eine kleine grüne wunderkiste auf den markt, die plötzlich die verzerrung in neue himmel steigen ließ: nicht mehr mörderisch laut musste es sein und man konnte trotzdem crunchen und overdriven wie es beliebte. und das, bevor hersteller auf die idee des heutigen mehrkanalers kamen. tja, hier begründet sich dann wohl der siegeszug der verzerrpedale. (ganz nebenbei: wegweisend waren auch künstler, denen schon damals ein sound nicht ausreichte, wie david gilmour oder steve hackett)
und seither laufen beide soundstränge ungehindert weiter, was ein spektrum an möglichkeiten bietet, seinen eigenen sound zu entfalten. die einen schwören eben auf den true röhren sound, die anderen sehen sich da eher beschränkt und wandeln dank pedalen wild am ausgangssignal. jeder wird damit glücklich. die einen bauen sich racks aus meheren verstärkern zusammen, um trotz großer vielfalt trotzdem nicht auf die ampzerre zu verzichten (z.b. petrucci), die anderen lassen sich einen custom amp bauen und hängen trotzdem noch nen tubscreamer oder gar noch ein signature pedal davor (z.b. satriani). welcher sound ist besser?? am ende bleibt es alles beim geschmack hängen.
der einzige wirklich vorteil ist vielleicht das schleppen: für nen verzerrten verstärker brauchst du heutzutage eben nur noch gitarre, kabel und selbstverständlich verstärker. die andere variante ist aufwendiger (hat aber noch keinen abgehalten).
also: geh und mach dir ein eigenes ohr, was dir gefällt.
wenn du auf marshall nun nochmal ansprichst: meistens werden die auch verwendet, weil sie zerren können. ac/dc haben das letzte mal auf ddddc halbwegs clean gespielt. jimmy page hat für seine clean sound orange oder vox verstärker verwendet, blackmore habe ich selten clean erlebt (bei deep purple wohlgemerkt, was er jetzt macht is ja was anderes). oftmals setzen einige auch auf verstärkersound, weil sie meinen, eine übersteuerte röhre (oder mehere in reihenfolge, wenn wir bei highgain sind) klingt besser als ein übersteuerter transistor. und letztendlich: wenn wir uns wirklich teure verstärker wie diezel, bogner und auch noch mesa anschauen, kommt doch keiner an diesen sound ran. sind halt doch sahnesounds, habe auch noch keinen treter gehört, der das schafft nachzubilden. andererseits kannst du natürlich auch mittlerweile pedale für 400 kaufen, die genauso unikat und exquisit klingen, die kein verstärker nachmodellieren kann. was man nun verwendet ist am ende auch ne philosophiefrage. wie gesagt: finde das, was dir gefällt.
gruß