Schön mal was zu diesem Thema zu lesen. Ich begegne manchmal Leuten, auch studierte Musiker, die sind von ihrer
E-Gitarre absolut fasziniert und einfach nur hin und weg. Ich mache mir dann immer einen Spaß und frage/bohre nach was denn jetzt genau so toll an ihrer Gitarre ist. Da kommt zu fast 100% nur folgendes: "Sie klingt einfach nur gut". Da kann ich noch so viel weiter nachfragen, es hilft nichts. Diese Leute (obwohl studierte Musiker) hören es nicht. Ich habe mir diese Sachen hier und auch die oben angegebene "satirische" Seite durchgelesen. Ich finde es steckt immer irgendwo ein Fünkchen Wahrheit drin, ist aber nicht ultimativ, jeder hat ein bischen recht, daher möchte ich jetzt mal loswerden was für mich eine richtig gute E-Gitarre ist. Und das hat sehr wohl megamäßig was mit Tonholz zu tun, und ist statistisch / empirisch / reproduzierbar für mich zumindest (natürlich subjektiv) nach vielen jahrelangen rumprobieren abgesichert:
- Klangfülle: Ich schlage ein Akkord an und es beamt mich weg. Man könnte meinen das hätte was mit viel Sustain zu tun, hat es aber nur ungeschränkt.
- Beim Solo-Spielen will ich Obertöne hören. Das läßt die Gitarre sehr heiß klingen (z.B. Little RIver Band "its a long way there, live" aus den 70gern noch ohne John Farnham , siehe You Tube). Man sollte dies nicht mit Lautsprecher-Rückkopplung verwechseln, was einen ähnlichen Effekt hat.
- Dann kommt noch was, dass ich "Wimmern" nenne, und bei einer guten Gitarre vorkommt wenn man ein schnelles Saiten-Bending / Fingervibrato macht. Es wummert dann und es gibt eine große Dynamik / Boost im Sound.
- Zudem möchte ich "Harmonie" hören. Billige Gitarren klingen für mich immer grundsätzlich irgendwie aggressiv und deshalb unharmonisch. Das ist für mich schon ein Naturgesetz. Wenn man es so haben will, ja gut, dann brauch man auch nicht viel Geld ausgeben. Die mit großem Abstand wohl miesesten / fiesesten E-Gitarren sind f��r mich jedsmal die Nicht-Custom-Shop-Gibsons neueren Datums.
- Auch habe ich festgetellt, daß es Gitarren gibt die einen irgendwie lebendingen Sound haben. Ich vergleiche das mit Husky-Schlittenhunden die unbedingt los marschieren wollen.
- Lautstärke-Balance zw. den 6 Saiten. Es gibt Gitarren, da sind die dünnen Saiten so leise, das man noch so sehr die Pol-Pieces hochschrauben kann. Man hört dann kaum Optionen zu den Akkorden.
- Manche billige Gitarren "bollern" beim Anschlag unangenehm. Bei cleanen Sounds liegt das meistens am PU, aber bei Rock-Sounds ist man dann machtlos.
- Sauberer Sound bis in die Akord-Optionen auch bei sehr großer Verzerrung. Hier sind helle Hölzer wie Ahorn im Vorteil.
- Auch bemerke ich bei billigen Gitarren ein "verhungern" des Sounds insbesondere ab dem 12. Bund aufwärts. Da macht Solo-Spielen keinen Spaß mehr.
- Auch möchte ich nicht, dass sich der Ton erst entwickeln muß. So viel Zeit habe ich nicht. Er muß sofort da sein. Das ist von der Holzart unabhängig.
- Bei guten Les-Paul-Bauarten mit Mahagony-Body und dicker Ahorn-Decke, kann die Veränderung des Tons beim Bending (es scheint das Mahagoni wächst dann durch) sehr interessant sein.
- Intensität des Tons
Ich rede jetzt garnicht mal von geschmaklichen DIngen (Klangfarbe). Das oben sind für mich objektive Holz-Qualitätsmaßstäbe.
Grade bei Mahagoni-Gitarren mit einer eher runden wuchtigen hamonischen Charakteristik (Classic Rock) (das was in Tips und Töne über versch. Mahagoni-Arten gesagt wurde unterstütze ich voll), vermisse ich oft auch bei sehr teuren alten Vintage-Gitarren die oben genannten Qualitäts merkmale. Es ist also wesentlich schwieriger eine für meine Ohren gute Mahagoni-Gitarre zu finden als z.B. eine aus Esche oder Erle.
Letztendlich gibt es auch elektr. Helferlein, die die oben beschriebenen Soundeffekte unterstüzen, dennoch gibt es einen irsinnig riesen Unterschied zw. billigen und teuren E-Gitarren, wenn mans halt ohne diese Helferlein testet.
Ich glaube, dass soviel über Holz hin und her diskutiert wird, ohne auf einen Nennen zu kommen liegt daran, dass man die Menschheit grob in 2 Gruppen aufteilen kann.
1. Gruppe: Die Vintage-Player. Die wissen was ein gutes Stück holz ist.
2. Gruppe: Die Handwerker. Die brauchen ein gutes Werkzeug (stimmstabil inkl. Tremmolo, niedrige Saitenlange möglich, rückkopplungsfreie PUs, , Elektrik, ohne Neben-/Störgräusche, ...). Denen ist der Gitarren-Sound egal, weil eh alles aus dem 19"-Rack kommt.
Leider ist es auch so, dass viele Verstärker eine E-Gitarre nicht mehr leben lassen, und ihnen ihren Sound aufprägen. Das kann so extrem sein, dass man schon Mühe bekommen kann Single Coils von Humbucker zu unterscheiden. Ein guter Verstärker der die Gitarre nicht zukleistert ist der uralte
Marshall JCM 800 Lead Series. Also haben machen Leute mit entsprechenden Verstärkern (ich will nicht sagen schlechten Verstärkern) garnicht die Chance gute von schlechten Gitarren zu unterscheiden, was diese Tonholz-Diskussion nochmal schwieriger macht.