Jungs, das ist ja nicht zum Aushalten
Wenn man die Schwingungsfrequenz einer Saite gegeben hat (und das hat man, wenn man sie gestimmt hat), dann berechnet sich die Spannkraft F der Saite aus
F = µ ( 2 * L * f )^2
( µ = Masse pro Länge, eine charakteristische Eigenschaft der Saite; L = Mensur; f = Schwingungsfrequenz, z.B. 330 Hz für die hohe e-Saite)
Die Kraft, welche man für das seitliche Auslenken der Saite braucht, ist dann für kleine Auslenkungen (=Bending) auch proportional zu dieser Spannkraft F. Der genaue Proportionalitätsfaktor ist hier ohne Belang, da man ja sowieso nur verschiedene Saiten oder Mensuren untereinander vergleichen möchte. Die "Energie" oder "Arbeit" spielt hier ebenfalls keine Rolle, denn für das "Spielgefühl" ist einzig die nötige Auslenkungskraft von Belang. Auch das Lösen einer Differentialgleichung, genauer gesagt der Wellengleichung c^2 ∆u = ∂^2 u / ∂t^2, ist nur notwendig, wenn man von der Beschaffenheit einer Saite auf die Frequenz schließen möchte, mit der sie schwingen wird - was hier aber ebenfalls irrelevant ist, da wir die Frequenzen ja kennen
Achja, wenn man das normale Greifen betrachtet, dann steigt natürlich die nötige Kraft beim Spielen mit der Saitenlage, denn dann ist natürlich auch die Auslenkung größer, die man beim Greifen schaffen muß. Für kleine Auslenkungswinkel (wie hier der Fall) kommt man mit der Näherung sin x = x auf das normale Hooke'sche Gesetz F = -D*x, also doppelt so hohe Saitenlage = doppelte Kraft.
Unterm Strich heißt das: Gleiche Saiten, gleiche Mensur, gleiche Stimmung = definitiv gleiche Spannkraft der Saiten. Die subjektive Bespielbarkeit muß also noch von anderen Faktoren abhängen, z.B. der Saitenlage. Ich kenne das Phänomen auch, denn meine PRS spielt sich auch sehr viel "softer", als die anderen Gitarren, obwohl die Saitenspannung dieselbe ist.
Übrigens, was außerhalb der Auflagepunkte Sattel und Bridge passiert, ist für die Spannkraft ebenfalls irrelevant. Wenn man sich bemüht, ein Bild mit den Kräftepfeilen aufzustellen, kommt man schnell darauf, daß am Sattel und an der Bridge ein Kräftegleichgewicht herrscht. Es ist also für die Saitenspannung bei gleicher Stimmung definitiv EGAL, ob das Stoptailpiece weiter heruntergeschraubt wird. Es spielt höchstens eine Rolle bei kräftigeren Auslenkungen, wenn die o.g. lineare Näherung nicht mehr gilt, also z.B. kann die Saite u.U. anders auf heftige Bendings reagieren, welche dann schwerer oder leichter gehen. Aber das zu betrachten wäre nun sehr kompliziert... man müßte die Konstruktion hinter der Bridge als zusätzliche Feder mit eigener Federkonstante mitnehmen und hätte ein Gleichungssystem zu lösen...