Komponisten einst und heute

  • Ersteller Günter Sch.
  • Erstellt am
Günter Sch.
Günter Sch.
HCA Piano/Klassik
HCA
Zuletzt hier
28.02.19
Registriert
21.05.05
Beiträge
3.071
Kekse
44.385
Ort
March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
"Das innerste anliegen eines heutigen komponisten ist, ein produkt herzustellen, das niemand konsumieren will. Zylinderhüte, knopfstiefelchen und schnürleibchen, einst inbegriff der eleganz, verachtet das publikum als vergangene mode, in der musik will es nur, was vor hundert jahren geschrieben wurde. Der zeitgenössische komponist ist eine art eindringling, der sich an einen tisch drängt, zu dem er nicht geladen ist, und ganz sicher ist die beste eigenschaft dieser gattung, gestorben zu sein."

Arthur Honegger vor über 50 jahren

Was hat sich daran geändert?
Könnte es sein, dass komponisten stille, bescheidene, sensible menschen sind, die einen bis jetzt unbekannten bereich ausleuchten, etwas noch nicht dagewesenes schaffen wollen?
Brauchen sie dazu nicht ermutigung, anerkennung, anregung und die möglichkeit, ihre arbeit erklingen zu lassen? Ein gemälde kann jahrelang auf einem speicher herumstehen und ist doch immer präsent, musik erklingt, verklingt und muss immer neu belebt werden.
Bach schuf für die eigene praxis. kammermusik am hof von Köthen, kirchenmusik in Leipzig, präludien und inventionen für den unterricht, manches auch zu eigenem vergnügen oder aus forscherdrang. Von Beethoven erwartete man, dass er zu einer soirée eine neue sonate mitbrachte, zum karneval in Venedig gehörte eine neue oper (stellt euch das in Mainz oder Köln vor!).
Das soll kein lamento sein, die welt heute ist so, weil sie gestern so war, sie kann gar nicht anders sein, und vielleicht hat musik heute eine andere funktion, eine dienende, die gemeinschaft fördernde wie in anderen kulturen durchaus üblich.
Ich beobachte, dass leute, denen jede abweichung von der norm (Dur-moll-achttaktige periode) missfällt, diese als hintergrund für film und fernsehspiel tolerieren, liegt darin eine zukunft? Oder in musik, die nicht "aufgeführt", sondern speziell für tonträger konzipiert und im stillen kämmerlein genossen wird?
Anfangen und aufhören sind gleich schwer, bedürfen eines entschlusses,schluß! GS
 
Eigenschaft
 
die loorbeeren erntet immer der, der was neues entdeckt und fördert. sei es gut oder schlecht, ist egal. das gilt auch für die musik. so,wie bach komponiert hatte, hatte es vor ihm kein anderer getan. er hat die musik in den augen vieler auf eine neue evolutionsebene gehoben. folgerichtig gilt er auch für viele also der beste komponist überhaupt. mozart hat mehr gefühl und sinnlichkeit in die musik gebracht.

in diesem sinne gibt es auch die leicht scherzhaft gemeinte frage: was spielen die engel im himmel?
für den lieben gott bach und unter sich mozart.

jimmi hendrix war der erste gitarrist, der sich richtig an die E-gitarre ran gewagt hat. auch heute ist es in der modernen musik so, das die band, die als erste einen neuen musikstil entdeckt und weiterentwickelt, auf ewig berühmt ist. beatles, black sabbat, metallica usw.

die nachfolgenden komponisten einer stilart werden nie so berühmt. selbst wenn sie besser wären.
 
Black Sabbath?
Warum nicht Velvet Underground, Van der Graaf, Yes, Gentle Giant,- also eher sekundäre Bands?
 
Günter Sch. schrieb:
Was hat sich daran geändert?
Eigentlich nichts...Ich finde es auch etwas unverständlich, dass im Klassikbereich schon seit langem (fast) nur die Interpretation und nicht die zeitgenössische Komposition zählt. Das mag wohl damit zusammenhängen, dass im letzten Jahrhundert sämtliche Grenzen der klassischen Musik ausgelotet wurden und es deswegen sehr schwer ist, etwas wirklich Neues zu schaffen...und dieses Neue wird verständlicherweise immer unverdaulicher und unvereinbarer mit dem Massenmarkt, der sich sowieso schon längst von der einstmals modernen modernen Musik abgewandt hat und anstelle von innovativen Komponisten lieber einfältige Musik nach Schema F konsumiert.
Der Unterschied zu klassischen Zeiten ist wohl die Lobby: Während die Fürsten Spaß an ihrem eigenen Hofkomponisten hatten und die Kirche Bedarf nach einem abwechslungsreichen Liederkanon hatte, gibt es Vergleichbares "heutzutage" nicht mehr. Andererseits wurde Schubert auch nicht gerade zu Lebzeiten berühmt...
Was wollte ich jetzt eigentlich sagen? :doubt:
 
blueblues schrieb:
die loorbeeren erntet immer der, der was neues entdeckt und fördert. sei es gut oder schlecht, ist egal. das gilt auch für die musik. [...] die nachfolgenden komponisten einer stilart werden nie so berühmt. selbst wenn sie besser wären.
Das stimmt so aber mal überhaupt nicht...die Lorbeeren erntet wohl eher der, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort am besten vermarktet wird. Was hat Elvis entdeckt? Wieso ist Cash hierzulande der bekannteste Countrymusiker? Warum denken die meisten Menschen beim Blues an Clapton und nicht an Johnson?
Außerdem: Darum gehts in dem Thread hier ja auch gar nicht?
 
in diesem sinne gibt es auch die leicht scherzhaft gemeinte frage: was spielen die engel im himmel?
für den lieben gott bach und unter sich mozart.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die engel auch Webern (das ist nicht der mit dem "Freischütz", sondern der, den ein US- soldat so eben aus versehen 1945 in Wien auf der straße erschossen hat) und Ligeti singen und spielen, zwei namen, die ich hier im "board" noch nicht gehört habe. Beide haben -wenigstens für meine ohren - zauberhafte klänge geschaffen.
Ich bin ja neu hier, und da fällt mir auf, dass es in manchen sektionen munter zugeht, die sparte "klassik" aber eher unterernährt, wenn nicht gar magersüchtig daherkommt. Natürlich ist das ein spiegelbild der realität, in der evolution gibt es breite ströme und schmale rinnsale, und bei manchen traditionen muss man sich wundern, dass überhaupt noch ein faden weitergesponnen wird. Vieles stirbt auch aus, dem man keine träne nachweinen muss, stücke a la "Heinzelmännchens Wachtparade" hört man eher selten und wer vermißt sie!
Und nun ganz aktuell: hat jemand gestern abend im 3Sat Verdis "Don Carlos" gesehen?
Keine schande, wenn nicht, schließlich kann man den samstag abend anders verbringen als 4 stunden vor der röhre. Aber wenn, können wir uns darüber unterhalten? Oder allgemein über oper im fernsehen, oder überhaupt, auch über Webern und Ligeti? Ciao, GS
 
andere Genresparten wie Rock, Metal, Pop sind zurzeit nunmal angesagter als Klassik. Aber dennoch denke ich wird jeder spätestens im Alter zur KLassik kommen, oder auch schon früher, um Musikgeschichte zu betreiben. aus solchen Beweggründen kann sich jedoch schnell eine richtige Passion zur Klassischenmusik (als gegensatz zur moderne) enwickeln. Und gerade um diese Rolle zu erfüllen, um früher oder später von jedem neu entdeckt und geliebt zu werden wird diese Tradition weitergeführt, ansonsten stürbe sie einfach aus.

zu dem Fernsehsachen: Kannst dich ja engargieren, neue Threads für sachen im Fernsehen eröffnen und dann darüber mit den Leuten diskutieren die die aufführung gesehen haben.

hab bei 3 sat schonmal ne 3fach opernaufführung von Puchini gesehen, namen vergessen, eine mit ner nonne die vom tod ihres kindes erfährt, eins um ein Erbe und das andere hab ich nich gesehen. Fands auf jeden fall grottig. :)
 
Ich weiß nicht, ich mag nicht so gerne TV-Konzertübertragungen. Kann entweder sein, dass mein Fernseher einen schlechten Ton hat und der Klang furchtbar ist.
Aber auch die Kameraeinstellungen sind oft erschreckend. Fünf Minuten werden nur Schweißtropfen in Nahaufnahme gezeigt, dann kurz zum Dirigenten, dann wieder zum Schweißtropfen. "Temporär-Solisten" werden selten hervorgehoben, die Totale fehlt auch. Dann gehe ich lieber in ein Konzert oder höre es mir in Ruhe auf CD an.
 
Master Of Cello schrieb:
Ich weiß nicht, ich mag nicht so gerne TV-Konzertübertragungen. Kann entweder sein, dass mein Fernseher einen schlechten Ton hat und der Klang furchtbar ist.
Aber auch die Kameraeinstellungen sind oft erschreckend.

Ein guter kopfhörer ist hilfreich, und wenn eine regie mir das zäpfchen einer sängerin zeigt, schaue ich weg (es gibt aber auch gute beispiele), das regie-theater mag ich ebenso wenig wie eitle dirigenten, verzichten möchte ich trotzdem nicht, und mir zusagende inszenierungen habe ich gern auf DVD (nach reichlichem genuß gebe ich sie freunden und verwandten weiter). Dieses medium verlangt dem sänger auch darstellungsqualitäten ab, "oper ist,wenn die dicke dame (oder Pavarotti) kommt -- " geht nicht mehr, und manches hört und schaut man sich mit vergnügen an.
Bei konzerten ist es manchem schon hilfreich, die instrumente zu sehen, die gerade erklingen, man spricht ja außer dem "durchschauen" auch von "durchhören", und ich glaube, da hapert es gewaltig. Übrigens, verfolgt man manche CD mit der partitur,staunt man, was alles NICHT zu hören ist. GS
 
Günter Sch. schrieb:
Übrigens, verfolgt man manche CD mit der partitur,staunt man, was alles NICHT zu hören ist. GS
Richtig, übrigens, verfolgt man manche CD mit der Partitur, staunt man, was man alles zu hören bekommt, was nicht in der Partitur steht.
 
fxgh schrieb:
Das stimmt so aber mal überhaupt nicht...die Lorbeeren erntet wohl eher der, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort am besten vermarktet wird.

stimmt im prinzip schon. aber, wenn du dann nix bringst, nützt dir auch die beste zeit und der beste ort nix.

fxgh schrieb:
Was hat Elvis entdeckt? Wieso ist Cash hierzulande der bekannteste Countrymusiker? Warum denken die meisten Menschen beim Blues an Clapton und nicht an Johnson?

sieh das mal nicht so engstirnig. presley und clapton haben die musik sicher nicht neu erfunden, aber sie spielen einen bereits bekannten musikstil etwas anders, als sonst jemand vor ihnen gemacht hat. das können zum beispiel einzelne noten, oder ein etwas anderer beat sein, der vorher zwar auch schon gut war, aber durch sie erst richtig groovt.
stellt sich der musiker auf die bühne und spielt virtuos, wie kein zweiter, schaut dabei aber nur gelangweilt an die decke, so wird beim livegig keine stimmung auf kommen und die fangemeinde bleibt überschaubar.

wenn ich etwas in meinem vorherigen poost nicht erwähnt habe, so liegt das nicht daran, daß ich dazu keine meinung habe. ich habe es nur weg gelassen, um den poost kurz zu halten.

fxgh schrieb:
Außerdem: Darum gehts in dem Thread hier ja auch gar nicht?

doch! darum ging es in dem thread. wer etwas neues bringt und das mit der nötigen energie durchsetzt, hat eine gute chance auf erfolg. das man dazu auch glück braucht und die richtigen leute treffen muß, davon bin ich von anfang an aus gegangen.
ob das neue auch immer besser im sinne von technisch ausgefeiter sein muß ist noch nicht mal voraussetzung. siehe modern talking.
es gibt leider auch gute komponisten, die zu lebzeit nie erfolg hatten. entdeckt man später ihre werke überhaupt, so wird ihr name meist in dem satz "... war seiner zeit voraus." erwähnt.
 
Hallo Günter Sch.!!

"Dem Manne kann geholfen werden" sagt Karl Moor im 5. Aufzug, 2. Auftritt zu einem der Räuber in "die Räuber" von Friedrich Schiller. Danke für die Nach-Leseanregung.

Sven M.asterofcello
 
Hallo Günter Sch.
Die Feuerzangenbowle, na gut, aber ich bin halt auf die Räuber gekommen, weil es hieß, sagt wer zu wem, in welchem AKT?

Ich freue mich, dass Du meinen Musikwissenschaften thread durchgestöbert hast, aber da die Informationen nur seehr allgemein gehalten waren, bin ich mir immer noch nicht sicher.

Die Geschichte zu vorangegangener Stunde möchte ich sehr gerne hören.

Sven M.asterofcello
 

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben