Hallo zusammen,
da offensichtlich hier noch einige mit dem Gedanken spielen, eine gebrauchte Böhm-Orgel zu kaufen, möchte ich über meine Erfahrungen berichten.
Bei mir begann alles mit einer Böhm CnT/L3. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ein Grosscontainer mit etlichen kleinen Bausatzkartons ankam. Das Gehäuse der 3manualigen Orgel war mit schwarzem und rotem Konstleder bezogen. Zu damaliger Zeit ein schickes Design. Da ich beruflich mit Elektronik zu tun hatte - zuletzt in einer Ing.-GmbH in der Entwicklung - war der Zusammenbau zwar aufwendig, aber alles hat ohne Probleme funktioniert.
Die meiste Zeit ging für die Verharfung und Justierung der Tastenkontakte drauf. Ich habe damals auch die Peripherie selbst gebaut... vom Mischpult bis zur Lautsprecherbox - damals lohnte sich das noch. Was den Sound angeht, war Böhm schon früher immer an 2. Stelle ...hinter WERSI. Dafür aber auch günstiger. Ich habe selbst einige elektronische Verbesserungen vorgenommen, z.B. beim Böhmat.
Ich war mit dieser Orgel lange Zeit unterwegs - ohne technische Ausfälle. Aber ... eines war diese Orgel
nie: transportabel. Und das hat auch die Nachfolgefirma KEYSWERK bis heute noch nicht verstanden!
Danach baute ich eine Starsound DS. Hier wurde der Aufbau erheblich vereinfacht, weil die Verharfung der Tastenkontakte entfiel. Hier wurde der Tastendruck seriell abgefragt. Auch dieses Modell war transportabel. Wie schon von der CnT/L3 her erwartet, war das Gehäuse viel zu schwer. Also habe ich mit grösstem Aufwand ein Gehäuse selbst konstruiert. Dabei habe ich massive Spanplatten z.B. gegen Hohlwandkonstruktionen ersetzt. Die meiste Gewichtsersparnis brachte aber dann ein Gehäusedeckel in Sandwich-Bauweise ... Styroporkern mit Epoxidharz laminiert. Diesen Deckel konnte ich mit 2 Fingern hochheben. Dennoch kam der Transport des Instrumentes der Arbei eines Möbelschleppers sehr nahe. Der Sound war durch die phasenstarre Kopplung des Generators eher trocken. Mit hat der Sound der CnT/L3 besser gefallen.
Zusammenfassung:
Damalige Instrumente arbeiteten alle nach dem Dauerton-Verfahren. Die Nachbildung von Naturinstrumenten ist damit mit nachgeschalteten Filtern nur annähernd möglich. Ein- und Ausschwingvorgänge waren zwar einstellbar, aber insgesamt war allenfalls das Stringorchester mit einem sogen. Stringcomputer akzeptabel.
Jedes noch so billige Keyboard bringt heutzutage bessere Sounds. Allenfalls bei der Qualität der Tastatur wird oft gespart.
Böhm hat es nie verstanden, tragbare Instrumente zu entwickeln. Das dürfte auch der Grund sein, dass elektronische Orgeln keine Zukunft mehr haben. Alleinunterhalter und Bands haben grundsätzlich Keyboards.
Die aktuellen Instrumente sind eher für einen Dauerplatz im heimischen Wohnzimmer geeignet.
Wenn ein Team von Möbelpackern erforderlich ist, um das Instrument zu transportieren, macht alles keinen Sinn.
Der einzige Vorteil einer Orgel - der ultraschnelle Wechsel von Klangfarben mittels Manualwechsel - geht bei diesem Vorteil aber voll unter.
Hinzu kommen die unglaublichen Verkaufspreise für Orgeln der neuesten Generation. Die Preisstellung hängt natürlich damit zusammen, dass Keyboardhersteller wie
Yamaha eigene IC's in LSI (large scale integration) entwickelt. Diese Spezial-IC's kommen natürlich dann nicht in den freien Handel.
Böhm hat früher (kaufmännisch erfolgreich) darauf gesetzt, dass die Grundbausätze immer wieder mit Zusatzbausätzen verbessert wurden. Damit wurden Bestandskunden "an der Leine gehalten".
Die Orgeln wurden dadurch immer komplexer ... und ... man kann es schon ahnen: schwerer.
Ich besitze heute ein
yamaha Tyros4 und muss sagen: eine Orgel der neuesten Generation kann auch nicht mehr! Meine beiden Böhm-Orgeln landeten beide (voll funktionsfähig) in der Müllverbrennung.
In den 70/80er Jahren waren Orgeln weit verbreitet, aber der technische Fortschritt hat zum Aussterben dieser Instrumentengattung geführt.
Ich hoffe, ich konnte einigen potentiellen Kaufinteressenten von elektronischen Orgeln (insbes. der Marke Böhm) weiterhelfen.