
mk1967
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In geraffter Form ist es anderswo hier im Forum schon mal angeklungen, aber ich habe mir gedacht, dort finden es nur die wenigsten
. Deshalb noch hier mal separat:
Windows-basierte VST-Plugins unter Linux ans Laufen zu bekommen, war bis vor kurzem mit reichlich Gefrickel verbunden. Mir war das jedenfalls zu kompliziert. Allerdings gibt es nun (endlich) eine Möglichkeit, mit der man es auch als normaler Musiker, Homerecordingaktivist oder Studiobetreiber ohne Klimmzüge bewerkstelligen kann
. Davon handelt dieser Beitrag, im Sinne eines Erfahrungsberichts.
Wir brauchen ein kleines Programm, das im Linux-Audiobereich zwar nicht unbekannt ist, von dem wir für diese VST-Zwecke aber eine bestimmte Version benötigen. Die gibt's bislang nur auf der Grundlage eines speziellen Systems, deshalb geht es los mit diesem eigentlichen System.
1. Die Systemgrundlage
Bekanntlich gibt es das auf Linux basierende Betriebssystem heute bergeweise in unterschiedlichen Darreichungsformen, den sogenannten Distributionen. Aus dieser großen Masse heben sich für Audiozwecke einige besonders getrimmte Multimedia-Distributionen ab. Davon war anderswo hier im Forum schon die Rede - ein bekanntes Beispiel ist UbuntuStudio, ein weniger bekanntes, dafür noch besseres LibraZiK audio studio.
Für unseren VST-Zweck braucht's allerdings ein anderes: AVLinux läßt sich ab der Version 2017 einsetzen.
Über die Installationsprozedur lasse ich mich jetzt mal nicht groß aus - man sollte sich auf der gerade erwähnten Seite darüber belesen. Denn:
* Das System startet als sog. Live-System vom Installationsmedium aus. Man wird nach einem Benutzernamen gefragt: isotester. Dann das Kennwort: avl64 für 64-Bit- und avl32 für 32-Bit-Systeme.
* Will man als Installationsmedium einen USB-Speicher nutzen, läßt der sich am einfachsten von einem bereits laufenden AVLinux aus herstellen. Anderenfalls braucht man als Installationsmedium das hier erhältliche Programm, oder man muß es von der Kommandozeile aus machen. Mit dem unter Ubuntu verbreiteten Unetbootin in aktuellen Versionen (womit ich es anfangs versucht habe) klappt es nämlich seit jüngster Zeit nicht mehr. Die Herstellung eines USB-Mediums unter Windows sollte aber wie gewohnt funktionieren. Wer sich um solche Einschränkungen von vornherein nicht scheren will, greift zur DVD.
Auch zur sonstigen Handhabung des installierten Systems sollte man einen Blick in die Anleitungs-PDF werfen. Sie findet sich im Systemmenü unter dem Suchwort "AV Linux user manual". Speziell was das Verfahren bei Systemaktualisierungen (etwas anders als sonst bei Linux gewohnt) und das Einrichten der deutschen Sprachergänzung angeht.
Damit kämen wir zu dem für den Windows-VST-Einsatz notwendigen Werkzeug.
2. Das Programm
... nennt sich Carla. Es entstammt ursprünglich der von falkTX, dem kompetenten Programmierer-Kopf der in Portugal entwickelten Linux-Distribution KXStudio. Carla ist eine Art 19-Zoll-Geräteschrank, in den man nach Lust und Laune Instrumentexpander und Effektgeräte hineinschraubt:
Im nächsten Schritt wird der Gerätefuhrpark dann mit seinen Audio- und MIDI-Anschlüssen verkabelt:
3. Wie man das Programm handhabt
Carla stützt sich zunächst mal auf ein ganzes Arsenal linux-eigener Effekte und Instrumente (LV2, LADSPA und linux-eigene VSTs), die über eine Datenbank zugänglich sind. Ab Werk ist das bei AVLinux eine dreistellige Zahl, die man natürlich noch erweitern kann
. Diese Linux-Effekte interessieren uns aber jetzt hier mal nicht näher; wie man sie handhabt, dürfte sattsam bekannt sein.
Um an Windows-VST-Plugins zu kommen, habe ich mich über die Seite vst4free auf die Suche gemacht. Kostenpflichtige Plugins habe ich nicht ausprobiert; ich gehe aber davon aus, daß sie auf dieselbe Art wie hier beschrieben gehandhabt werden können.
Als erstes wird Carla über das Menü gestartet. Apropos - Windows-Vertraute werden sich bei dessen Handhabung prinzipiell an Windows 7 erinnern - weniger an Win10 oder gar 8.
Vorbereitungen
Dazu braucht's ein paar Handgriffe in den Einstellungen von Carla.
Als erstes macht man den Bereich "Main" auf und setzt einen Haken vor "Enable experimental features".
Dann öffnet sich u.a. das zusätzliche Feld zur Integration des Programms Wine, das für die Anbindung der windows-basierten VSTs benötigt wird. Weitere Justagen braucht man dort allerdings im Normalfall nicht anzubringen. Der Kram läuft unter der Haube vor sich hin (deshalb halte ich das Fenster hier mal ganz klein).

Danach sollte man einen Ordner für die Windows-VSTs anlegen. In den packt man dann die zugehörigen *.dll-Dateien. In meinem Falle habe ich den Ordner /home/michael/Downloads/VST genannt.
Den Pfad dorthin muß man Carla noch verklickern - sonst findet das Programm die Plugins nicht. Das macht man im Bereich "Paths" über die Funktion "Add".
4. Plugins einrichten
Das Herunterschlürfen vollzieht sich im Prinzip ähnlich wie unter Windows: Ich habe mich unter der erwähnten Seite im Netz bedient und eine Ladung *.dlls in den besagten Ordner geschubst.
Plugins aussuchen und einsetzen
Womit wir wieder bei Carla wären. Dort geht man jetzt über "Add Plugin" (oben in der Leiste) in die Datenbank und stellt die Filter auf die gezielte Suche nach Windows-VSTs ein. Das läuft in einer mehrstufigen Aktion, etwas umständlich, aber man gewöhnt sich dran. Das kleine Filterfenster sollte so aussehen:
Sollten die fünf grünen Haken nicht auftauchen, klappt die Suche nach Windows-VSTs nicht. Das ist mir allerdings nur beim Testen mit anderen Linux-Distributionen als AVLinux passiert.
Nach einem Druck auf "Scan", etwas Warten und letztlichem Zuklappen des Fensters landet man letztlich bei einer aktualisierten großen Liste.
Das gewünschte Plugin markiert man und lädt es über "Add Plugin". Für jedes von ihnen wandert der zugehörige imaginäre Geräteeinschub in den 19-Zoll-Schrank. Praktischerweise enthält jeder Einschub rechts oben je eine Pegelanzeige für Ein- und Ausgang. Wenn man also nach Abschluß aller Verkabelungsaktionen nichts hören sollte, kann man sich an diesen Anzeigen schon mal orientieren, ob die Audioverbindung schon vor dem Einschub gekappt ist oder erst danach (im letzteren Fall flackert die Pegelanzeige im Einschub).
5. Plugin-Parameter steuern
Schon der Geräteeinschub zeigt auf seiner Vorderseite in rudimentärer Form die Bedienelemente. Richtig komfortabel ist das natürlich noch nicht. Deshalb gibt's zwei bessere Möglichkeiten. Auf diesem Bild sind sie mal für einen monophonen Synthesizer vertreten:
. Man sollte also einfach in kurzen Zeitabständen zwischenspeichern, damit nicht nennenswert Daten verlorengehen.
6. Wie man das Programm ins Audiosystem einbaut
Da stünde also der Schrank mit einer ganzen Latte Expander und Effektgeräte vor uns - und wartet darauf, ins System eingebunden zu werden.
Dazu gibt es zwei Möglichkeiten.
Die eine Variante: Carla als selbständiges Programm
Das ist in vielen Fällen die einfachste Methode. Der Schrank wird direkt mit den Anschlüssen der Audiokarte oder anderer Audioprogramme verbunden, sowohl was Audio- als auch was MIDI-Leitungen angeht.
Carla bietet zu diesem Zweck ein Fenster namens Patchbay, in dem sämtliche Plugins mit ihren Anschlüssen auftauchen: Eingänge links, Ausgänge rechts. Audioanschlüsse sind blau, MIDI-Anschlüsse rot. Auch andere Programme wie Ardour, Hydrogen o.ä. sind hier zugänglich. Die Strippen zieht man dann buchstäblich mit gehaltener linker Maustaste von einem Anschluß zum nächsten.
In diesem Beispiel ist die DX7-Imitation Dexed audiomäßig über Effektgeräte mit dem Ausgangsteil der Audiokarte verbunden. Ardour fungiert in diesem Falle als MIDI-Sequenzer (rote Leitung).
Wie man sehen kann, lassen sich hier die wüstesten Verkabelungsaktionen starten, kreuz und quer und etliche Effekte hintereinander.
Jetzt noch mal näher zur MIDI-Abteilung. Da Carla unter Verwendung des Soundservers JACK läuft, brauchen wir eine interne MIDI-Verbindung zwischen zwei Abteilungen des Audiosystems (JACK und ALSA). Dazu macht man mit einem Klick auf das Symbol in der Leiste am Bildschirmrand...

... ein Eingabefenster auf, tippt dort "a2jmidid -e" ein und drückt auf "Enter". Damit tauchen im Patchbay-Fenster von Carla unter der Überschrift "a2j" noch mal einige rote MIDI-Anschlüsse zusätzlich auf, und die brauchen wir.
In unserem Beispiel wird ein NeoPiano-Expander über eine externe MIDI-Klaviatur gespielt - in diesem Fall war es eine betagte Hammond XB-2-Orgel, die noch über DIN-Anschlüsse ihre MIDI-Signale von sich gibt. Die Verbindung zu den USB-Buchsen des Rechners besorgte dann ein ziemlich effer Bespeco-MIDI-Adapter. Das Audiosignal des NeoPiano durchläuft dann noch eine zusätzliche Amp-Simulation. Dessen Intensität läßt sich über das Modulationsrad der XB-2 regeln - dazu braucht es noch eine zweite MIDI-Leitung auf "event in". Zusätzlich ist hier noch das Programm Rosegarden als MIDI-Sequenzer am Start:
Carla als Plugin
Diese Methode kann man z.B. anwenden, wenn man mit der DAW Ardour oder einem ähnlichen Programm arbeitet. Carla steht dann nicht als separater Geräteschrank in der Gegend herum, sondern wird direkt in das Ardour-Mischpult integriert: entweder in die Kanalzüge (wobei man immer neue Carla-Instanzen aufmachen und jeweils individuell bestücken kann) - oder man legt eine zusätzliche Sammelschiene an, um Carla dort einzupflanzen. Grenzen dürfte eigentlich nur die Rechenkapazität des Systems aufdrücken. Carla selbst wird wie gewohnt über das Patchbay-Fenster verkabelt.
Es gibt dabei zwei Möglichkeiten - die erste: Carla wird nur "draußen" im Kanalzug verkabelt
Man klickt dazu mit der rechten Maustaste im Ardour-Mischpult in das große schwarze Feld. Über das Menü hangelt man sich durch, wie auf dem Bild zu sehen, bis zu den Erzeugnissen des schon erwähnten falkTX. Dort sucht man sich "Carla-Rack" raus.
Ein leeres Gerätegestell der schon bekannten Form landet im Signalweg. Das kann man jetzt wie gewohnt befüllen. In unserem Fall ist es ein Verzerrer.
Verkabelt wird das Ding also direkt über den Kanalzug. Falls man da gegenüber den Standardeinstellungen was ändern möchte (kann z.B. bei mehrkanaligen Geschichten nötig sein), macht man einen Rechtsklick auf das Feld des Plugins und landet über den Befehl "Pin-Verbindungen" in einem kleinen Zusatzfenster, in dem man die Strippen zieht.
Die Parametersteuerung läuft ähnlich wie oben über die Zahnrad- bzw. Werkzeugsymbole in den "Einschüben". In diesem Beispiel landen wir im Fenster eines parametrischen Entzerrers:
Auch der Rest wieder: wie oben bzw. wie beim Einsatz solcher Geräte gewohnt
Die zweite Möglichkeit - Carla wird im Kanalzug und zusätzlich intern verkabelt
Das Spielchen läuft ähnlich ab wie beschrieben, allerdings sucht man sich statt "Carla-Rack" nun "Carla-Patchbay" heraus. Damit enthält Carla zusätzlich das schon bekannte Feld "Patchbay". Dort wird der sozusagen in den Kanalzug integrierte Geräteschrank noch mal intern verkabelt. In diesem Beispiel ist es nur der besagte parametrische EQ, aber man könnte natürlich wieder einen ganzen Fuhrpark auffahren:
Welchen der beiden Wege man bevorzugt - da muß man selbst herumprobieren. Mir kam jetzt der zweite sehr praktisch vor, aber ich habe nur ein wenig herumgespielt, nicht genug, um was Belastbares sagen zu können.
Und die Latenz?
Speziell bei einer Anordnung wie der obigen mit externer Klaviatur und virtuellem Lärmerzeuger ist da natürlich wichtig. Bei meinen Versuchen auf einem auch schon nicht mehr sonderlich neuen Dell Latitude E-6430 mit achtkernigem i7-3550-Prozessor und 8 GB Arbeitsspeicher und internem 08/15-Simpel-Audiomodul bin ich bei 5,7 ms Latenz gelandet. Das war für diese Zwecke sehr gut brauchbar. Wenn man jetzt natürlich noch -zig Effekte, weitere Synthesizer-Plugins und noch einen Sequenzer dazupackt, könnte die Latenz größer werden. Eine Frage des individuellen Rechnersystems (wohl auch der Audiokarte) und der individuellen Ansprüche und Vorhaben.
Unterm Strich...
... hätte ich nicht gedacht, so was noch mal zu erleben
: Als jemand, der keine Lust hat, sich lange mit Justagen unter der Haube von Programmen und Rechnern zu befassen und der sich nicht zutraut, im Quellcode herumzufuhrwerken und ein Programm zu kompilieren (das war bislang Standard, wenn man Plugins wie hier beschrieben nutzen wollte
), waren mir Windows-VSTs unter Linux ein Rätsel. Mit Carla unter AV Linux 2017 bzw. 2018 allerdings ist das tatsächlich ein Klacks.
Wie stabil solche Systeme in größerem Stil laufen, ohne hängenzubleiben, muß man nun mal individuell testen.
Windows-basierte VST-Plugins unter Linux ans Laufen zu bekommen, war bis vor kurzem mit reichlich Gefrickel verbunden. Mir war das jedenfalls zu kompliziert. Allerdings gibt es nun (endlich) eine Möglichkeit, mit der man es auch als normaler Musiker, Homerecordingaktivist oder Studiobetreiber ohne Klimmzüge bewerkstelligen kann

Wir brauchen ein kleines Programm, das im Linux-Audiobereich zwar nicht unbekannt ist, von dem wir für diese VST-Zwecke aber eine bestimmte Version benötigen. Die gibt's bislang nur auf der Grundlage eines speziellen Systems, deshalb geht es los mit diesem eigentlichen System.
1. Die Systemgrundlage
Bekanntlich gibt es das auf Linux basierende Betriebssystem heute bergeweise in unterschiedlichen Darreichungsformen, den sogenannten Distributionen. Aus dieser großen Masse heben sich für Audiozwecke einige besonders getrimmte Multimedia-Distributionen ab. Davon war anderswo hier im Forum schon die Rede - ein bekanntes Beispiel ist UbuntuStudio, ein weniger bekanntes, dafür noch besseres LibraZiK audio studio.
Für unseren VST-Zweck braucht's allerdings ein anderes: AVLinux läßt sich ab der Version 2017 einsetzen.
Über die Installationsprozedur lasse ich mich jetzt mal nicht groß aus - man sollte sich auf der gerade erwähnten Seite darüber belesen. Denn:
* Das System startet als sog. Live-System vom Installationsmedium aus. Man wird nach einem Benutzernamen gefragt: isotester. Dann das Kennwort: avl64 für 64-Bit- und avl32 für 32-Bit-Systeme.
* Will man als Installationsmedium einen USB-Speicher nutzen, läßt der sich am einfachsten von einem bereits laufenden AVLinux aus herstellen. Anderenfalls braucht man als Installationsmedium das hier erhältliche Programm, oder man muß es von der Kommandozeile aus machen. Mit dem unter Ubuntu verbreiteten Unetbootin in aktuellen Versionen (womit ich es anfangs versucht habe) klappt es nämlich seit jüngster Zeit nicht mehr. Die Herstellung eines USB-Mediums unter Windows sollte aber wie gewohnt funktionieren. Wer sich um solche Einschränkungen von vornherein nicht scheren will, greift zur DVD.
Auch zur sonstigen Handhabung des installierten Systems sollte man einen Blick in die Anleitungs-PDF werfen. Sie findet sich im Systemmenü unter dem Suchwort "AV Linux user manual". Speziell was das Verfahren bei Systemaktualisierungen (etwas anders als sonst bei Linux gewohnt) und das Einrichten der deutschen Sprachergänzung angeht.
Damit kämen wir zu dem für den Windows-VST-Einsatz notwendigen Werkzeug.
2. Das Programm
... nennt sich Carla. Es entstammt ursprünglich der von falkTX, dem kompetenten Programmierer-Kopf der in Portugal entwickelten Linux-Distribution KXStudio. Carla ist eine Art 19-Zoll-Geräteschrank, in den man nach Lust und Laune Instrumentexpander und Effektgeräte hineinschraubt:
Im nächsten Schritt wird der Gerätefuhrpark dann mit seinen Audio- und MIDI-Anschlüssen verkabelt:
3. Wie man das Programm handhabt
Carla stützt sich zunächst mal auf ein ganzes Arsenal linux-eigener Effekte und Instrumente (LV2, LADSPA und linux-eigene VSTs), die über eine Datenbank zugänglich sind. Ab Werk ist das bei AVLinux eine dreistellige Zahl, die man natürlich noch erweitern kann

Um an Windows-VST-Plugins zu kommen, habe ich mich über die Seite vst4free auf die Suche gemacht. Kostenpflichtige Plugins habe ich nicht ausprobiert; ich gehe aber davon aus, daß sie auf dieselbe Art wie hier beschrieben gehandhabt werden können.
Als erstes wird Carla über das Menü gestartet. Apropos - Windows-Vertraute werden sich bei dessen Handhabung prinzipiell an Windows 7 erinnern - weniger an Win10 oder gar 8.
Vorbereitungen
Dazu braucht's ein paar Handgriffe in den Einstellungen von Carla.
Als erstes macht man den Bereich "Main" auf und setzt einen Haken vor "Enable experimental features".
Dann öffnet sich u.a. das zusätzliche Feld zur Integration des Programms Wine, das für die Anbindung der windows-basierten VSTs benötigt wird. Weitere Justagen braucht man dort allerdings im Normalfall nicht anzubringen. Der Kram läuft unter der Haube vor sich hin (deshalb halte ich das Fenster hier mal ganz klein).

Danach sollte man einen Ordner für die Windows-VSTs anlegen. In den packt man dann die zugehörigen *.dll-Dateien. In meinem Falle habe ich den Ordner /home/michael/Downloads/VST genannt.
Den Pfad dorthin muß man Carla noch verklickern - sonst findet das Programm die Plugins nicht. Das macht man im Bereich "Paths" über die Funktion "Add".
4. Plugins einrichten
Das Herunterschlürfen vollzieht sich im Prinzip ähnlich wie unter Windows: Ich habe mich unter der erwähnten Seite im Netz bedient und eine Ladung *.dlls in den besagten Ordner geschubst.
Plugins aussuchen und einsetzen
Womit wir wieder bei Carla wären. Dort geht man jetzt über "Add Plugin" (oben in der Leiste) in die Datenbank und stellt die Filter auf die gezielte Suche nach Windows-VSTs ein. Das läuft in einer mehrstufigen Aktion, etwas umständlich, aber man gewöhnt sich dran. Das kleine Filterfenster sollte so aussehen:
Sollten die fünf grünen Haken nicht auftauchen, klappt die Suche nach Windows-VSTs nicht. Das ist mir allerdings nur beim Testen mit anderen Linux-Distributionen als AVLinux passiert.
Nach einem Druck auf "Scan", etwas Warten und letztlichem Zuklappen des Fensters landet man letztlich bei einer aktualisierten großen Liste.
Das gewünschte Plugin markiert man und lädt es über "Add Plugin". Für jedes von ihnen wandert der zugehörige imaginäre Geräteeinschub in den 19-Zoll-Schrank. Praktischerweise enthält jeder Einschub rechts oben je eine Pegelanzeige für Ein- und Ausgang. Wenn man also nach Abschluß aller Verkabelungsaktionen nichts hören sollte, kann man sich an diesen Anzeigen schon mal orientieren, ob die Audioverbindung schon vor dem Einschub gekappt ist oder erst danach (im letzteren Fall flackert die Pegelanzeige im Einschub).
5. Plugin-Parameter steuern
Schon der Geräteeinschub zeigt auf seiner Vorderseite in rudimentärer Form die Bedienelemente. Richtig komfortabel ist das natürlich noch nicht. Deshalb gibt's zwei bessere Möglichkeiten. Auf diesem Bild sind sie mal für einen monophonen Synthesizer vertreten:
- Über einen Linksklick auf das Zahnradsymbol links oben im "Einschub" kann man das Steuerungsfenster des Plugins aufmachen. Das sieht dann je nach Geschmack des Programmierers individuell aus. In diesem Bild simuliert es einen klassischen Roland-Synthesizer.
- Es gibt Plugins, bei denen die Steuerung über dieses Fenster nicht funktioniert. Bei ihnen kann man dann statt dessen auf den Schraubenschlüssel oben links im "Einschub" klicken, um ein carla-eigenes Parameterfenster aufzumachen. Das ist zwar optisch nicht so richtig toll - oben rechts im Bild, in diesem Falle sind die Parameter über mehrere Unterfenster verteilt -, aber erfahrungsgemäß läuft es stabil.

6. Wie man das Programm ins Audiosystem einbaut
Da stünde also der Schrank mit einer ganzen Latte Expander und Effektgeräte vor uns - und wartet darauf, ins System eingebunden zu werden.
Dazu gibt es zwei Möglichkeiten.
Die eine Variante: Carla als selbständiges Programm
Das ist in vielen Fällen die einfachste Methode. Der Schrank wird direkt mit den Anschlüssen der Audiokarte oder anderer Audioprogramme verbunden, sowohl was Audio- als auch was MIDI-Leitungen angeht.
Carla bietet zu diesem Zweck ein Fenster namens Patchbay, in dem sämtliche Plugins mit ihren Anschlüssen auftauchen: Eingänge links, Ausgänge rechts. Audioanschlüsse sind blau, MIDI-Anschlüsse rot. Auch andere Programme wie Ardour, Hydrogen o.ä. sind hier zugänglich. Die Strippen zieht man dann buchstäblich mit gehaltener linker Maustaste von einem Anschluß zum nächsten.
In diesem Beispiel ist die DX7-Imitation Dexed audiomäßig über Effektgeräte mit dem Ausgangsteil der Audiokarte verbunden. Ardour fungiert in diesem Falle als MIDI-Sequenzer (rote Leitung).
Wie man sehen kann, lassen sich hier die wüstesten Verkabelungsaktionen starten, kreuz und quer und etliche Effekte hintereinander.
Jetzt noch mal näher zur MIDI-Abteilung. Da Carla unter Verwendung des Soundservers JACK läuft, brauchen wir eine interne MIDI-Verbindung zwischen zwei Abteilungen des Audiosystems (JACK und ALSA). Dazu macht man mit einem Klick auf das Symbol in der Leiste am Bildschirmrand...

... ein Eingabefenster auf, tippt dort "a2jmidid -e" ein und drückt auf "Enter". Damit tauchen im Patchbay-Fenster von Carla unter der Überschrift "a2j" noch mal einige rote MIDI-Anschlüsse zusätzlich auf, und die brauchen wir.
In unserem Beispiel wird ein NeoPiano-Expander über eine externe MIDI-Klaviatur gespielt - in diesem Fall war es eine betagte Hammond XB-2-Orgel, die noch über DIN-Anschlüsse ihre MIDI-Signale von sich gibt. Die Verbindung zu den USB-Buchsen des Rechners besorgte dann ein ziemlich effer Bespeco-MIDI-Adapter. Das Audiosignal des NeoPiano durchläuft dann noch eine zusätzliche Amp-Simulation. Dessen Intensität läßt sich über das Modulationsrad der XB-2 regeln - dazu braucht es noch eine zweite MIDI-Leitung auf "event in". Zusätzlich ist hier noch das Programm Rosegarden als MIDI-Sequenzer am Start:
Carla als Plugin
Diese Methode kann man z.B. anwenden, wenn man mit der DAW Ardour oder einem ähnlichen Programm arbeitet. Carla steht dann nicht als separater Geräteschrank in der Gegend herum, sondern wird direkt in das Ardour-Mischpult integriert: entweder in die Kanalzüge (wobei man immer neue Carla-Instanzen aufmachen und jeweils individuell bestücken kann) - oder man legt eine zusätzliche Sammelschiene an, um Carla dort einzupflanzen. Grenzen dürfte eigentlich nur die Rechenkapazität des Systems aufdrücken. Carla selbst wird wie gewohnt über das Patchbay-Fenster verkabelt.
Es gibt dabei zwei Möglichkeiten - die erste: Carla wird nur "draußen" im Kanalzug verkabelt
Man klickt dazu mit der rechten Maustaste im Ardour-Mischpult in das große schwarze Feld. Über das Menü hangelt man sich durch, wie auf dem Bild zu sehen, bis zu den Erzeugnissen des schon erwähnten falkTX. Dort sucht man sich "Carla-Rack" raus.
Ein leeres Gerätegestell der schon bekannten Form landet im Signalweg. Das kann man jetzt wie gewohnt befüllen. In unserem Fall ist es ein Verzerrer.
Verkabelt wird das Ding also direkt über den Kanalzug. Falls man da gegenüber den Standardeinstellungen was ändern möchte (kann z.B. bei mehrkanaligen Geschichten nötig sein), macht man einen Rechtsklick auf das Feld des Plugins und landet über den Befehl "Pin-Verbindungen" in einem kleinen Zusatzfenster, in dem man die Strippen zieht.
Die Parametersteuerung läuft ähnlich wie oben über die Zahnrad- bzw. Werkzeugsymbole in den "Einschüben". In diesem Beispiel landen wir im Fenster eines parametrischen Entzerrers:
Auch der Rest wieder: wie oben bzw. wie beim Einsatz solcher Geräte gewohnt
Die zweite Möglichkeit - Carla wird im Kanalzug und zusätzlich intern verkabelt
Das Spielchen läuft ähnlich ab wie beschrieben, allerdings sucht man sich statt "Carla-Rack" nun "Carla-Patchbay" heraus. Damit enthält Carla zusätzlich das schon bekannte Feld "Patchbay". Dort wird der sozusagen in den Kanalzug integrierte Geräteschrank noch mal intern verkabelt. In diesem Beispiel ist es nur der besagte parametrische EQ, aber man könnte natürlich wieder einen ganzen Fuhrpark auffahren:
Welchen der beiden Wege man bevorzugt - da muß man selbst herumprobieren. Mir kam jetzt der zweite sehr praktisch vor, aber ich habe nur ein wenig herumgespielt, nicht genug, um was Belastbares sagen zu können.
Und die Latenz?
Speziell bei einer Anordnung wie der obigen mit externer Klaviatur und virtuellem Lärmerzeuger ist da natürlich wichtig. Bei meinen Versuchen auf einem auch schon nicht mehr sonderlich neuen Dell Latitude E-6430 mit achtkernigem i7-3550-Prozessor und 8 GB Arbeitsspeicher und internem 08/15-Simpel-Audiomodul bin ich bei 5,7 ms Latenz gelandet. Das war für diese Zwecke sehr gut brauchbar. Wenn man jetzt natürlich noch -zig Effekte, weitere Synthesizer-Plugins und noch einen Sequenzer dazupackt, könnte die Latenz größer werden. Eine Frage des individuellen Rechnersystems (wohl auch der Audiokarte) und der individuellen Ansprüche und Vorhaben.
Unterm Strich...
... hätte ich nicht gedacht, so was noch mal zu erleben


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