Hallo,
ich wollte in diesem Thread keine "Grundsatzdiskussion vom Sockel reissen", sondern wollte erreichen, daß man sich einmal bewußt macht, auf welchen Voraussetzungen unser musikalisches Verständnis beruht. Zu sagen, daß oktavierte Töne identisch sind, ist unter dem Aspekt der Entwicklung eines musikalischen Verständnisses durchaus nicht selbstverständlich. Dies betrifft die individuelle Entwicklung eines Menschen, wie auch die einer Kultur. (Es soll auch Kulturen geben, die nicht von einer Oktavidentität ausgehen.)
Selbstverständlich gehen wir im Rahmen der Harmonielehre
funktionell von einer Oktavidentität aus.
Funktionell betrachtet handelt es sich bei einer Dur-Tonleiter um
sieben Töne. Funktionalität ist aber nicht alles. Ganz selbstverständlich spielen wir
acht Töne, wenn von uns verlangt wird, eine Dur-Tonleiter zu spielen. Das ist vollkommen o.k. und spiegelt m.E. ein grundlegenderes musikalisches Prinzip wider als das der Oktavidentität.
Darauf bezog sich auch mein Satz ""Die (diatonische)Tonleiter besteht aus 8 Tönen." geht daher m.E. völlig in Ordnung, erst recht für musikalisch weniger Gebildete." Denn zuerst kommt eine Tonleiter, dann erst die Funktionalität, die sinnvollerweise von einer Oktavidentität ausgeht. Untersuchungen mit Tieren, Kindern und musikalisch ungebildeten Erwachsenen legen dies nahe (siehe in der oben angegebenen Quelle von Reinhard Kopiez, Professor für Musikpsychologie an der Hochschule für Musik und Theater Hannover).
... hatte ohne Überlegung diese populäre Definition von den 8 Tönen aufgeschrieben.
Ich denke genau aus den von mir angeführten Gründen ist diese Definition berechtigterweise populär.
Würde mich einmal interessieren, wer sieben Töne spielt, wenn er aufgefordert wird, eine (funktionell heptatonische) Tonleiter zu spielen.
Auch bei einer chromatischen Tonleiter würde ich 13 Töne spielen und keine 12.
Erst wenn der oktavierte Ton gespielt wird, wirkt die Tonleiter vollständig und man hat das Gefühl, die oberste Sprosse der Leiter erklommen zu haben.
Oder fühlt jemand anders?
Fazit: Eine Dur-Tonleiter besteht aus acht Tönen. Funktionell sind es sieben.
Viele Grüße
Klaus