Abgesehen von "Finger weg von Billigprodukten" (No Name, Bontempi, Medeli, Mc Crypt, Hemmingway und allen Marken, die bei Neugeräten wirklich nur bei eBay auftauchen) und evtl. der Vertrauenswürdigkeit des Verkäufers sollte man auf jeden Fall die Möglichkeiten und den Funktionsumfang des Geräts mit den eigenen Bedürfnissen abgleichen.
Das fängt damit an, daß man wissen sollte, was ein Keyboard, ein Synthesizer usw. eigentlich für Funktionen, für Möglichkeiten haben
können, welche Gerätearten es gibt und worin sich diese unterscheiden. Sonst kann es passieren, daß man sich den als ziemlich genial angepriesenen und obendrein billigen MicroKorg kauft und zwei Tage später hier fragt, wo man denn Klaviersounds für den MicroKorg runterladen kann, weil man Klaviersounds braucht. (Der MicroKorg ist ein virtuell-analoger Synthesizer, der ist gar nicht dafür gedacht, "Natursounds" wie Klavier, Bläser oder Orchesterstreicher nachzubilden.) Oder daß man sich wundert, warum aus dem gerade gekauften Sampler gar kein Ton rauskommt. (Ein reiner Sampler hat an sich zunächst einmal überhaupt keine Klänge "eingebaut", die müssen erst reingeladen werden.) Oder daß man sich wundert, warum aus dem gerade gekauften Masterkeyboard gar kein Ton rauskommt. (Masterkeyboards haben in aller Regel überhaupt gar keine Klangerzeugung, die sind reine Fernbedienungen.) Oder daß das Spielgefühl auf der Anfängertischhupe ganz anders ist als auf dem Klavier beim Klavierunterricht, und daß außerdem irgendwie weniger Tasten da sind.
Wenn man weiß, welche Art von Gerät man braucht, kann man anfangen, weiter einzuschränken. Was genau sollte das Instrument können, was muß es können, und wie gut muß es das können? Gerade bei Romplern und Workstations ist natürlich die Auswahl und Qualität der Werkssounds und der zugrunde liegenden Samples sehr wichtig. Polyphonie kann auch wichtig sein, gerade bei Pianisten oder Leuten, die mit Sequencer arbeiten (der dann natürlich auch vorhanden sein muß). Bei Workstations kann sich dann auch noch die Frage stellen, ob man eigene Samples ins Gerät laden will (oder sogar selbst aufzeichnen, aber das ist selten geworden). Vielleicht will man auch die Möglichkeit haben, bestimmte Features nachzurüsten, etwa mehr Sounds, vielleicht sogar zusätzliche Klangerzeugungsarten, oder eine Festplatte.
Auch bei virtuell- und echt analogen Synthesizern spielt der Sound eine große Rolle, aber gerade bei diesen sind die Werkssounds eher unwichtig, zumal sie nicht gerade die Leute ansprechen, die nur Presets durchschalten wollen, sondern die Klangschrauber, die auch wissen, wie ein Synthesizer funktioniert. Mehr als bei Romplern ist hier aber auch der Umfang und Aufbau der Klangerzeugung wichtig, also nicht, was für Sounds das Gerät hat, sondern was für Sounds man bauen kann. Wieviele und was für Oszillatoren hat der Synthesizer? Wieviele Filter mit welchen Modi, und wenn mehrere, wie können sie verschaltet werden? Was für Modulationsmöglichkeiten gibt es? Kann das Teil FM, Sync, Ringmodulation, Waveshaping oder dergleichen, falls gewünscht? Gibt es einen Arpeggiator und/oder Sequencer? Eigene Effekte, wenn ja, welche? Vielleicht gar einen Vocoder? Und natürlich - was hier auch wichtiger ist als beim Rompler - wie leicht läßt sich die Klangerzeugung bedienen? Schrauber schwören ja darauf, jede Funktion des Geräts mit eigenen Bedienelementen repräsentiert zu bekommen, also ohne Doppelbelegung oder gar Menüs; bei umfangreichen und/oder kompakten Synthesizern geht das aber nicht.
Übrigens sollte man auch bei Romplern den Soundeigenbau nicht unbedingt aus den Augen verlieren. Einige Geräte (
Yamaha MM6/MM8, viele "Tischhupen") lassen die Bearbeitung von Sounds kaum oder gar nicht zu, andere (Kurzweil K-Workstations, PC3-Reihe) sind zwar extrem flexibel, aber schwer zu handhaben.
Gerade im Gebrauchtbereich gibt es für bestimmte Anwendungsbereiche auch noch andere Arten von Instrumenten. FM-Synthesizer zum Beispiel für die Leute, die auf den Sound stehen (und sei es nur ein E-Piano à la Whitney Houston, das gar kein E-Piano ist, sondern ein
yamaha DX7). Oder Sampler, die im Falle der Akai MPC-Reihe auch mit einem ausgefuchsten Sequencer kommen. Oder exotische Klangerzeugungen wie Physical Modeling.
Was den eigentlichen Sound eines elektronischen Instruments angeht, kommt man kaum ums Anspielen herum. Geschmäcker sind subjektiv, die Frage "was klingt besser" ist also meistens nicht eindeutig zu beantworten. YouTube wird oft als Referenz benutzt, weil es schnell geht und nichts kostet, aber oft ist die Qualität der YouTube-Videos auch im Sound eher gruselig, weil z. B. wieder mal jemand seine X50-Vorführung mit dem Fotohandy aufgenommen hat und das Ganze obendrein auch noch mit hohen Verlusten komprimiert worden ist. Bei professionellen Aufnahmen muß man schon wissen, wann welches Gerät wo spielt - und man muß eine professionelle Aufnahme von eben diesem Gerät haben, das dann meist auch nur einen winzigen Teil seines Klangspektrums wiedergibt. Also: Versuchen, das Instrument, das einen interessiert, ausfindig zu machen, hinfahren, anspielen. Die Sachen, die man spielen will, anspielen mit den Klängen, mit denen man sie spielen will. Wenn es ein analoger oder virtuell-analoger Synthesizer ist (und, falls gebraucht und noch im Einsatz, der Besitzer es zuläßt), die Sounds zurechtschrauben, die man sich vorstellt, dann sieht man nämlich auch, ob das überhaupt geht, oder generell mit der Klangerzeugung spielen.
Was die Roland/
Korg-Frage angeht: Eigentlich sind alle Oberklasse-Workstations heute ziemlich hervorragend ausgestattet. Für Otto Normalkeyboarder ist allenfalls wichtig, wie sich die Sounds anhören, die man bevorzugt spielen will, die unterscheiden sich zwischen den Herstellern (und den Klassen) nämlich deutlich, auch wenn der Unterschied zu, sagen wir, 10 oder 20 Jahre älteren Geräten viel, viel drastischer sein kann. Außerdem wichtig wäre die Bedienung. Manche Leute kommen mit einer Yamaha Motif XS ums Verrecken nicht klar, andere finden sie supereinfach zu bedienen. Was darüber hinausgeht, ist eigentlich eher für Spezialisten, z. B. Korgs interaktiver "Super-Arpeggiator" namens KARMA, die 16 "Roger-Linn-Gedächtnispads" bei Roland, die 4 Klangerzeugungen in einem Gerät bei Alesis oder der fast schon modulare Aufbau der Klangerzeugung bei Kurzweil.
Martman