Umbau einer Wandergitarre auf 12-String

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Ich habe gelesen, daß das hier jemand @PurpLe~Haze das Thema auch schon einmal angesprochen hatte und nach kurzem "Das klappt nicht!" offensichtlich die Lust daran verloren hat oder einfach nicht mehr darüber berichtet.
Ich habe vor einiger Zeit begonnen, eine Wandergitarre mit Stahlsaiten auf 12-Saitig umzubauen.
Das war einer meiner ersten Umbauversuche, die noch nicht sehr ausgereift waren.

Als Erstes habe ich den Kopf der Gitarre umgebaut.

Original Kopf.jpg


Umbau Kopf die Erste.jpg


Dann habe ich das Griffbrett entfernt und einen verstellbaren Halsstab eingebaut.

Ablösung Griffbrett.jpg


Danach habe ich die Brücke gebohrt.

Bohrungen Brücke.jpg


Zwischen Schalloch und Brücke habe ich auch noch einige zusätzliche Stege eingeleimt.

The Wanderer.jpg

Alles in Allem war ich ganz zufrieden mit dem Ergebnis, doch nach einiger Zeit wölbte sich die gesamte Decke. Ich habe dann die Saiten wieder abgenommen und inzwischen ist die Decke wieder gerade.
Meine nächste Überlegung war, die Decke und evtl. den Boden gegen stärkeres Material auszutauschen, vielleicht auch als Archtop. Hier ein Entwurf.

Neuer Entwurf.jpg


Das habe ich aber vorläufig verworfen. Durch einen anderen Thread hier im Forum wurde ich auf die Idee gebracht, Nylonsaiten aufzuziehen. Das ist wohl bei einer 12-saitigen Gitarre eher unüblich und irgendwie gibt es auch gar keine fertigen Saitensätze.
Ich habe also erst einmal umgerechnet, welche Saiten ich wofür einsetzen könnte. Dabei kam ich auf 3 Saitensätze, die benötigt werden.

Nylons.jpg

Die roten Zahlen sind die nicht umwickelten Saiten, die Schwarzen die Umwickelten. Das Ganze entspricht grob den Spezifikationen der typischen 12-saitigen Stahlsaiten.
Ich könnte nun natürlich einfach die Nylons auf die Gitarre aufziehen und gut. Ich habe aber inzwischen die Mechaniken bei einer Yamaha FG 230 "Red Label" eingebaut.
Nun hatte ich die unsägliche Eingebung, Mechaniken von 2 Konzertgitarren einzubauen und den Kopf zu schlitzen. Die Mechaniken sind inzwischen hier eingetroffen und sie sind viel größer, als ich dachte... Uff.

Nun muß ich den Kopf wohl noch einmal umbauen und das sieht bestimmt wirklich krank aus, weil die Gitarre recht klein ist und der Kopf dann überdimensional groß.
Umbau Kopf die Zweite.jpg

Soweit der aktuelle Stand. Ich habe gerade ein Sück Holz in der richtigen Dicke und mit passender Maserung rausgesucht, um die erste Ergänzung zu ersetzen.
Die muß ich getzt mal zuschneiden und anpassen. Ich berichte davon, wenn es etwas Neues zu sehen gibt.
 
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Wow, so viel Arbeit. Schön gemacht!
Versuchs doch erst mal mit dem Nashville Tuning, vlt. hält das dann die Decke. Den Klang stelle ich mir auch interessant vor. Und dünne Saiten nehmen.
 
Wenn die Kopfplatte möglichst klein bleiben soll, wäre vielleicht die Rickenbacker-Lösung eine Idee? Je 6 Mechaniken im Western- und 6 im Konzertgitarren-Stil um 90° verdreht bei geschlitzter Kopfplatte. Ich finde das einfach genial.
1741757544011.png
 
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Da macht das Saiten wechseln richtig Spaß! ;)
 
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Wow! Wieder mal ein super Projekt. Danke, dass Du uns daran teilhaben lässt.

Und Gruß vom Board: Ich muss erst fünf andere User bewerten, bevor... na, Du weisst schon.
 
und nach kurzem "Das klappt nicht!" [...] doch nach einiger Zeit wölbte sich die gesamte Decke.
Wird nicht genau das der Knackpunkt bleiben? Viele "an sich" für 12saitigen Betrieb ausgelegte Gitarren haben mit der Zeit dieselben Probleme aufgrund des enormen Saitenzugs. Auch bei vorsichtigem Betrieb (dünne Saiten, runter gestimmt auf Standard D, etc.) brauchen (fast) alle irgendwann Arbeit an der Bridge, einen Neck Reset, wieder angeklebte Braces innen, ... die Teile sind eigentlich immer noch zu fragil für das, was die Physik ihnen abverlangt.

Klar kann man jetzt die Decke dicker machen, aber dann schwingt's und klingt's halt nicht mehr... so oder so, wünsche viel Erfolg und Spaß dabei!!
 
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Ich hatte mal ne Ovation, die ab Werk 12-saitig war. Sie war schön durchsetzungsfähig bei der Begleitung unseres Jugendchores.
Aber im Lauf der Zeit ist die Decke eingesackt und der Steg hat sich geneigt. Die Gitarre war irgendwann inakzeptabel nicht mehr bundrein. Sie ist auf dem Sperrmüll gelandet.
Ich habe leider nicht die Fähigkeiten, sowas zu reparieren und auch keinen Gitarrenbauer in der Nähe gefunden, der das anpacken wollte.
Es gab eher Kommentare, dass man als Käufer von Ovations die amerikanische Rüstungsindustrie unterstützt. Das war vor ca. 15 Jahren.
Ich bewundere die Fähigkeit des Instrumentenbaus
 
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Mein Kopfumbau geht voran...

Ich habe eine Schablone angefertigt, die die neue Kopfplatte an den Rest der ursprünglichen Kopfplatte anpasst, dann beide Bereiche ausgesägt und nachbearbeitet bis sie sehr genau passt. Ich klebe das jetzt noch nicht an, erst will ich die Schlitzungen fertigmachen, da ich sonst immer mit der ganzen Gitarre hantieren muß. Die neue Kopfplatte ist etwas dicker, als der Stumpf der ursprünglichen Kopfplatte, so kann ich nach dem Leimen alles noch ein wenig runterschleifen.

Umbau Kopf die Zweite-2.jpg


Ich denke, ich werde die fertige Kopfplatte noch mit einem Palisanderfurnier (ca. 1 mm) belegen, das dürfte den eventuellen Schwund durch 2 maliges Schleifen ausgleichen.

Wenn das alles gesägt, beschliffen und verleimt ist, werde ich noch 6 mm Löcher bohren, um zur Stabilität noch ein paar Rundstäbe einzuleimen. Die Länge der Schlitze macht mir doch etwas Sorgen. Damit sollte ich das Ganze so stabil bekommen, daß da nichts mehr groß passieren kann (außer Umfallen usw.)

Stabilisatoren.jpg


Das Dunkelgraue sind dann die Rundstäbe.
 
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12 x Nylon? Wird das nicht kuschelig eng auf dem Griffbrett?

Vor ein paar Jahren kamen Steelstrings mit 8 Saiten........nie in der Hand gehabt, 2xG und 2xH,glaube ich, interessant, guter Kompromiss, verpasst.

Ehrgeiziges Projekt, während einige Ex-12 Saiter im Alter nur noch mit 6 Saiten am Lagerfeuer erklingen.....:great:
 
Ich habe das bei meiner Tres Cubano so gelöst, dass ich den Saitenzug auf die Zarge übertrage. Das war eine Kindergitarre für Nylonsaiten und da hätte das den Steg vermutlich mit der Zeit abgeshält. So hält das schon seit 20 Jahren, ohne dass der Steg sich ablöst oder die Decke sich wölbt. Allerdings nur 6 Saiten.
tresdetail-jpg.91152
tressteghinten-jpg.344162

Die Stegeinlage ist absichtlich so verschoben, damit die beiden mittleren Saiten den gleichen Auflagepunkt haben. Das ist der Originalsteg, der drauf war.
Funktioniert auch gut mit dem Piezo Pickup unter der Stegeinlage.
tressaitenendstueck-jpg.344164

Hier ist noch ein Lederstreifen eingewoben, damit die freien Saiten hinter dem Steg nicht mitschwingen und störende Zusatzgeräusche machen.

Der Umbau ist in diesen 2 Beiträgen beschreiben:

https://www.musiker-board.de/threads/tonabnehmer-in-kubanische-tres-klemmen.302638/#post-3458594 #5, #7 #11 #14 #15 und
https://www.musiker-board.de/threads/tres-umbau-mit-stahlsaiten.572169/page-3#post-6979270

Ich habe mal eine spezielle Gitarre von einem französischen Gitarrenbauer gesehen, der hatte unter der Schalldecke eine Konstruktion, die den Saitenzug aufnimmt, aber keine Verbindung zur Schalldecke hatte. Dann waren hinter dem Steg 2 Durchbrüche in der Decke und oben 2 Aufnameteile, die die Saitenenden aufnahmen. Ziel war auch hier, den Zug von der Decke zu nehmen, damit die Decke frei schwingen kann.
Edit: Der heißt Joel Laplane
Edit2: Bild gefunden:
portrait2-e1517819461539.png

Leider sehr klein, aber man sieht unterhalb des Ärmelzipfels einen der beiden Gnubbel für die Saitenenden.
und eine winzige Seitenansicht der inneren Konstruktion
Innenkonstruktion.png

Da sieht man einen internen Bügel. Keine Verbindung zur Decke.

Seine Webseite: http://joel-laplane-lutherie.com/expoLaplane-mars2009.html
 
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Hallo @LeGravier!

Ich bin begeistert von Deinen phantasievollen und handwerklich klasse ausgeführten Projekten und lese stets fleißig mit!
Danke dafür! :keks:

Ich habe das bei meiner Tres Cubano so gelöst, dass ich den Saitenzug auf die Zarge übertrage.

Hallo @chris_kah!

Die Idee ist prima, allerdings sollte man auch dabei lieber vorsichtig sein! :D

E29C799C-51B3-41C3-9CD5-C3937BB8A9C0.png


LG, Anderl
 
12 x Nylon? Wird das nicht kuschelig eng auf dem Griffbrett?
Die Saitenabstände entsprechen denen einer herkömmlichen 12-Saitigen. Die Nylons sind zwar teilweise dicker, aber man muß ja nicht so dolle drücken... Versuch macht klug... ich werde berichten, wie sich das anfühlt.
... so gelöst, dass ich den Saitenzug auf die Zarge übertrage.
Dafür sind die Nylonsaiten nicht lang genug. Es reicht mal gerade, daß die D und G Saiten Mechanik und Brücke erreichen und noch etwas Rest zur Befestigung da ist.
 
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sollte man auch dabei lieber vorsichtig sein!
Da ist der Endblock vermutlich zu schwach ausgeführt. Notfalls intern eine Strebe rein zum Halsblock wie beim Banjo

Edit: Bild vom Banjo
innenrueckseite-jpg.593864

Der Stab nennt sich - glaube ich - Dowelstick
 
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Wenn das gut mit Druck geleimt ist scheinen mir die Leimfugen lang genug daß die Dübel entfallen können.
Bei einer geschäfteten Verbindung muß der Winkel Spitz sein.
Dann ist das ähnlich wie bei einer Langholzfuge.
Oft brechen gut geleimte Werkstücke eher neben der Leimfuge.
Kopfholz leimt sehr schlecht und eine 45 Gradverleimung hält auch nur wenig.
Um die Schäftung zu verlängern könnte man vielleicht auch tiefer am Hals schon ansetzen.
Die Stahlseitenmechanik könnte sich mit passenden Rohrstücken auf Nylon erweitern lassen.
Das klingt dann 12saitig mit Nylon wahrscheinlich ähnlich einer Oud.
Die Oud läßt sich mit Gitarrensaiten ganz gut aud DGADGC stimmen.
Vielleicht gehts auch umgekehrt.
 
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Um den neuen Kopf zu fräsen habe ich mal wieder die Standbohrmaschine zweckentfremdet. Mit der Oberfräse war mir das zu unübersichtlich.

Kopf Fräsung.jpg


Ich hatte glücklicherweise einen 16 mm Fräser, so daß ich die Fräsung beidseitig in einem Zug machen konnte, allerdings Millimeter für Milimeter. Hat aber ganz gut geklappt.

Kopf ausgeschnitten.jpg


Bevor ich das verleime, muß ich die Naht und die Ausschnitte noch etwas nacharbeiten und dann bohre ich noch die Löcher für die "Dübel" (erst einmal nur im neuen Kopfteil). Die "Dübel" in der Mitte lasse ich im Ausschnitt stehen, damit sie die Wandung stabilisieren.
 
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Es hat sich wieder Einiges getan. Wie angekündigt habe ich die Dübel gebohrt und den Hals mit dem neuen Kopf verleimt. Danach habe ich die Dübel eingesetzt und den Lack abgeschliffen. Um eine einheitliche Optik zu erhalten habe ich auf die Sichtfläche des Kopfes ein Palisanderfurnier aufgeleimt.

Kopf Bearbeitung.jpg


Nun hätte es merkwürdig ausgesehen, wenn nur die Sichtfläche des Kopfes eine schöne Naturholzoberfläche hat. Daher dachte ich mir, ich schaue mal, was beim Griffbrett unter der schwarzen Farbe ist. Es stellte sich heraus, daß das Griffbrett tatsächlich aus Echtholz gefertigt wurde, allerdings sehr hell.

Griffbrett entlacken.jpg


Um eine schöne Optik zu erhalten, habe ich dann vorsichtig mit verdünnter "Brown Mahogany"-Beize das Griffbrett gefärbt. Ich schätze, es wird noch dunkler, wenn ich Lack oder Griffbrettöl drauf mache. Außerdem ist es noch etwas scheckig. Das läßt sich aber wohl mit 600er Schleifpapier etwas ausgleichen. Da die Seiten des Griffbrettes ziemlich schäbig aussahen, habe ich sie auch mit Palisanderfurnier belegt.

Anpassungen Hals.jpg


Die Hals und Kopfrückseiten will ich klassisch schwarz machen, also kann ich dort auch etwas spachteln. Erst einmal ist aber mal wieder Schleifen angesagt, dann muß ich noch die Löcher für die Mechaniken bohren und seitlich ein paar Dots ins Griffbrett setzen. Dann muß ich noch die Ausschnitte im unteren Bereich schräg anfeilen, also noch reichlich zu tun...
 
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