SCHWEIGEND ZEIGEND

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Jongleur
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Ich schrieb diesen Text kurz vor „Also auch ich“

Ihm ging eine lange Unterhaltung mit der KI voraus. Sie kann ausgezeichnet Meisterwerke analysieren… allerdings selber kein individuelles ZEIGEN erzeugen. Nach diesem ernüchternden Gespräch schrieb ich


Zeigen reicht

Ich sitze gern an kleinen Tischen
Vor einem leeren Blatt Papier
Geh mit leeren Augen fischen
Weiß nicht warum, wie lang, wofür

Ich seh die Menschen reden
Die Klugen sind die Blöden
Die Blöden sind zu dumm
Und ich frage mich warum

starren die Andern aus dem Fenster
Als sähen sie Gespenster
Und rühren stumm im Kaffee

Es lässt sich nicht erzählen
mein Leben - eins von denen:
Nicht dumm, nicht stumm, nicht blind
Es lässt sich nicht erzählen
Mein Leben - eins von denen,
die stumm nur - wahrhaft sind


Ich sitz gern an kleinen Tischen
Vor einem leeren Blatt Papier
Geh mit leeren Augen fischen
Weiß nicht warum, wie lang, wofür

Und die Verkäuferin an Thresen
Versorgt die Kunden gern mit Späßen
Manchmal lächelt sie mir heimlich zu
Ich lese : ich bin ich und du bist du

Es lässt sich nicht erzählen
mein Leben - eins von denen:
Nicht dumm, nicht stumm, nicht blind
Es lässt sich nicht erzählen
Mein Leben - eins von denen,
die stumm nur - wahrhaft sind


Ich sitz gern an kleinen Tischen
Vor einem leeren Blatt Papier
Geh mit klaren Augen fischen
Weiß nicht warum, wie lang, wofür

Bin ich ich ein Riese oder nur ein Zwerg
Ist dieser Song vielleicht mein Lebenswerk?

CHORUS

Es lässt sich nicht erzählen
Sein Leben - eins von denen
Nicht dumm, nicht stumm, nicht blind
Es lässt sich nicht erzählen
Sein Leben eins von denen
die stumm nur wahrhaft sind
die stumm nur wahrhaft sind
die stumm nur - wahrhaftig sind
 
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Herzlichen Dank, liebe @Tygge für deinen ⭐️. Danke auch für die anregenden, lebhaften Diskussionen hinterm Vorhang!!! 👍
 
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Lieber @Jongleur, ich freue mich, dass dieser Text den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Wie in deinem Text sitze ich gern an kleinen Tischen am Rande des Geschehens und beobachte aus der Distanz die Achterbahnfahrt der Welt, die ich zunehmend weniger verstehe und die Quelle vielfältiger Sorgen ist. Es bringt einen in der Tat zum Verstummen, wenn man mit offenen Augen um sich schaut, nach Wahrheiten sucht und Fakes findet, sich an die Existenz von Klugheit erinnert und mit Blödheit konfrontiert wird. Um so schöner, wenn man dann Menschen findet, die einem zuzwinkern und einen wissen lassen, dass man nicht allein ist und dass das Ich einem Du voller Respekt für den jeweils anderen gegenübersteht. Insofern hat dein Text etwas ungeheuer Tröstliches als erkennbar wird, dass hinter der Stummheit Wahrhaftigkeit verborgen liegen und auch leere Augen zu einem klaren Blick fähig sein können. Sehr schöne Bilder, unabhängig davon, ob sich dahinter ein Riese oder ein Zwerg verbirgt.
Liebe Grüße :hat:
 
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Ich finde den Text schön. Bestimmt liest jeder das anders bzw. es entstehen andere Vorstellungen. Bei mir ist das so:
Erstmal die Sache mit dem leeren Blatt: Die Perspektive, die Spannung und letztlich auch "der Weg zum Ziel", was so schön aufregend ist.

Dann die Gedanken über das Leben, auch so'n büschn Bilanz, die Überlegungen wie es anderen wohl geht, was das Leben so gebracht hat; aber auch die Unmöglichkeit, das zu erfassen bzw. etwas tolles schaffen zu können und eben auch die Zweifel.

Der Chorus; von meinem zu seinem und dem feinen Unterschied zwischen wahrhaft und wahrhaftig; also das Hinterfragen. Ich muss dabei immer an den Satz meines alten Kollegen denken (da war ich aber über 30 Jahre jünger); er sagte "nichts ist spannender als der Mensch". Ich sagte "so ein Quatsch":ROFLMAO: Inzwischen ist er wahrscheinlich längt tot, aber Recht hatte er trotzdem.

Letztlich zählt für mich, dass das Blatt ja nach wie vor leer bleibt. Die Klugen sind immer die Blöden; liegt ja in der Natur der Sache:)
So erging es mir beim Lesen.
 
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Herzlichen Dank, liebe @Tygge. Tatsächlich schrieb ich diesen Text voller Freude. Ich gab der KI, dieser wunderbaren Deutschlehrerin, von Vers zu Vers mal die Gelegenheit, meine Seele zum Klingen zu bringen… allein, am Ende musste ich mich ( wie immer !) von Vers zu Vers selber zufrieden stellen. Aber da die KI wohl auch nicht eifersüchtig sein kann: ENDE GUT, ALLES GUT!

Mit Menschen ist das wohl anders. Wir wollen ernst genommen genommen werden. Ich liebe höfliche, humorvolle Streitgespräche. Allein schon deshalb freue ich mich immer(!) auf ein Gespräch mit dir! 😉
 
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Herzlichen Dank, lieber @Vester
Ich finde den Text schön. Bestimmt liest jeder das anders bzw. es entstehen andere Vorstellungen. Bei mir ist das so:
Erstmal die Sache mit dem leeren Blatt: Die Perspektive, die Spannung und letztlich auch "der Weg zum Ziel", was so schön aufregend ist.
Richtig, 🤔 der Weg zum Ziel sollte mir von Anfang an vor allen abenteuerlich erscheinen! Erreichbar, aber auch ganz schön abenteuerlich! Mm
Dann die Gedanken über das Leben, auch so'n büschn Bilanz, die Überlegungen wie es anderen wohl geht, was das Leben so gebracht hat; aber auch die Unmöglichkeit, das zu erfassen bzw. etwas tolles schaffen zu können und eben auch die Zweifel.
Genau so !!! Ich war eigentlich meistens auf Mittelmaß auf. Immer streitbar, aber niemals darauf aus, führend zu sein. Denn meine Stärke ist, dass mir scheinbar nichts fremd zu sein scheint. Mitte heißt aber auch, dass ich für alles Verständnis habe, solange ich Türen zu meiner Freiheit sehe.
er sagte "nichts ist spannender als der Mensch". Ich sagte "so ein Quatsch":ROFLMAO: Inzwischen ist er wahrscheinlich längt tot, aber Recht hatte er trotzdem.
Finde ich auch! 😉

Letztlich zählt für mich, dass das Blatt ja nach wie vor leer bleibt. Die Klugen sind immer die Blöden; liegt ja in der Natur der Sache:)
So erging es mir beim Lesen.
Prima! Mein Blatt bleibt eigentlich selten leer… Aber am nächsten Tag dann, wie durch ein Wunder doch wieder… ;)
 
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Hallo @Jongleur

Schön! Der Text erscheint mir szenisch, was mir sehr gefällt. Und ich mag die kleinen, feinen Beobachtungen darin... (die Szene mit der Kellnerin)
Geh mit leeren Augen fischen
Das ist eine tolle Zeile! Um die ich Dich beneiden kann...

Einzig hier
Bin ich ich ein Riese oder nur ein Zwerg
Ist dieser Song vielleicht mein Lebenswerk?
falle ich aus dem Kontext. Ich hab keine Erklärung dafür, möglicherweise liegt es an meinem Unwillen, die Distanz mitzugehen, die da für mich plötzlich auftaucht.
 
Herzlichen Dank, lieber @streamingtheatre, für deine Meinung!
Schön! Der Text erscheint mir szenisch, was mir sehr gefällt.
Super, über diese Wahrnehmung freue ich mich heute besonders. - Gerade heute Nacht habe ich stundenlang über Theatermitschnitte gestaunt, wo verschiedenste Schauspieler Rilkes „Duinesische Elegie“ auf der Bühne dargeboten haben. Was für gesprochene Konzerte ohne Orchester!

Wow, das ist etwas völlig anderes als nur Lesungen!!! Die langweilen mich in der Zwischenzeit, weil die gezeigten Emotionen wohl nur von den Satzzeichen und Brechungen der Verse abgeleitet werden. Auch ich lasse mich wohl leider beim Schreiben zu oft nur von Satzzeichen inspirieren!

Das szenische Lesen hingegen demonstriert ein Feuerwerk von Gefühlen. Endlich verstehe ich, warum gerade Theaterleute mE ausgezeichnete Songtexte schreiben und interpretieren können: sie lassen sich nicht von Moral, sondern vom Wahnsinn der innerlichen Flauten und Stürme lenken!!!

Das sollten auch all die halbtoten „Komponisten“ beachten, die sich von Maschinen ihre Emotionen
Vorschreiben lassen!

Geh mit leeren Augen fischen
Das ist eine tolle Zeile! Um die ich Dich beneiden kann...
Da kann ein aufmerksamer Leser durchaus u.a. auch Selbstkritik herauslesen… ;)

Und ich mag die kleinen, feinen Beobachtungen darin... (die Szene mit der Kellnerin)

Einzig hier:
Jongleur schrieb:
Bin ich ich ein Riese oder nur ein Zwerg
Ist dieser Song vielleicht mein Lebenswerk?

falle ich aus dem Kontext. Ich hab keine Erklärung dafür, möglicherweise liegt es an meinem Unwillen, die Distanz mitzugehen, die da für mich plötzlich auftaucht.

Auf diese Idee brachte mich die Reimidee „Zwerg … Lebenswerk“ : Gleicht nicht letztlich jedes ernsthaft geschriebene Gedicht zugleich einem Lebenswerk - winken wir nicht mit jedem ehrlichen Gedicht unseren naiven Kinderideen traurig hinterher? Hm… :unsure:
 

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