Hi!
Erstmal zum Sinn der Sache: der Korken bzw. seine Position stellt das Verhältnis der Oktaven zueinander ein. Je weiter der Korken vom Anblasloch entfernt ist (also "nach links" für Rechtshänderflöten und umgekehrt für Linkshänderflöten), desto tiefer erklingt die Oktave im Verhältnis zum Grundton. Das gilt auch für alle weiteren Obertöne. Das Ziel ist also, den Korken so einzustellen, dass der überblasende Griff immer einen Ton mit genau der doppelten Frequenz des nicht überblasenen gleichen Griffs ergibt. Soweit die Theorie...
In der Praxis heißt das, dass die Ausgangsposition für den Korken in etwa folgendermaßen festgelegt ist: Die der Innenbohrung zugewandten Seite des Korkens, also die Stelle an der quasi die Luftsäule endet, muss genauso weit vom Zentrum des Anblasloches entfernt sein, wie die Innenbohrung des Instruments im Durchmesser ist. Bei modernen Böhmflöten sind das etwa 17mm, bei Traversflöten ebenso, bei späteren Holzflöten etwa 19mm. Wenn deine Querpfeife also eine Innenbohrung mit ø 14mm hat, muss die "Spiegelseite" des Korkens 14mm vom Zentrum des Anblasloches entfernt sein.
Tja, und wenn das alles so einfach wäre, wären Flöten ja auch keine Flöten, sondern Trommeln.
Denn der Spieler hat auch einen großen Einfluss auf die Korkposition, da letztendlich sein Ansatz eine durchaus große Variable am Instrument ausmacht. In der Praxis bedeutet das, dass im Prinzip jeder Spieler die für sich optimale Position suchen muss. Bei meiner Flöte wären 19mm optimal, ich hab den Korken aber auf 15-16mm (je nach Tagesform) eingestellt, da ich damit den besten Sound und seltsamerweise auch die beste Stimmung erreiche.
So, und damit das Chaos perfekt ist, hier noch eine Methode zum Finden des für dich selber optimalen Abstands bei Flöten mit konischer (!!!) Innenbohrung. Ich gehe jetzt von einer Flöte in D mit sechs Grifflöchern aus aus, du kannst die Töne aber auch transponieren, die Griffe sind die gleichen und das Prinzip auch. Falls deine Flöte sieben Löcher hat (eins für den kleinen Finger), müsste das ähnlich funktionieren, da der kleine Finger das Loch nur bedeckt, wenn die tiefste Note gespielt wird.
Methode:
- spiele ein G (xxx ooo), kontrolliere gegen Stimmgerät
- spiele ein g (xxx ooo), kontrolliere wieder gegen Stimmgerät.
-- g zu tief im Verhältnis zu G: Korken näher ans Anblasloch ran
-- g zu hoch: Korken weiter vom Anblasloch weg
- spiele ein g' (xox ooo oder xox oox, Gehörschutz tragen
), kontrolliere gegen Stimmgerät
- wiederhole die Schritte von g
Damit kann man die für sich selbst optimale Position relativ gut finden.
Allerdings: ich gehe stark davon aus, dass deine Flöte eine durchgehend zylindrische Innenbohrung hat. Damit wirst du niemals perfekt stimmende Oktaven hinbekommen, da bei einer zylindrischen Flöte die Oktave grundsätzlich zu tief ist, besonders in der oberen Hälfte der Oktave. Dagegen hilft nur ein Konus im Instrument, entweder im Bereich des Anblasloches (Böhmsystem, moderne Konzertflöte) oder im Verlauf der Innenbohrung zum Fußstück hin, wobei dann das Kopfstück zylindrisch ist (barocke Traversflöte, klassische Konzertflöte etc.). Mit der Korkposition kannst du aber durchaus recht nah an die Stimmungsqualität einer konischen Flöte rankommen.
Viel Spaß beim Ausprobieren
Gruß,
shib