Dann versuche ich mich mal an der positiven Sicht (wenngleich ich
@Frans13 zustimmen muss, dass die wenigsten Datenblätter wirklich belastbar sind). Die überwiegende Mehrzahl der aktuellen Pulte ist rein technisch gesehen mehr als "gut" genug für die Mehrzahl der Anwendungen. Die Unterschiede liegen in Featureumfang, Bedienung, Lebensdauer, Support usw.
Aber schauen wir trotzdem mal auf ein paar Daten.
Am Eingang will ich zuerst den maximalen Eingangspegel wissen. Das ist nicht besonders relevant, wenn man nur ein paar Mikrofone dranhängt, aber es gibt auch Quellen, die gehörig Pegel ausspucken. DJ-Pulte z.B. erreichen oft Pegel jenseits der +20 dBu. Zu beachten ist auch, ob es Unterschiede für symmetrische und unsymmetrische Signale gibt.
Der zweite interessante Wert ist die maximale Verstärkung. Bei Werten unter 60 dB kann es bei ungünstiger Kombination aus Mikrofon und Quelle schon mal knapp werden.
Verzerrungen spielen bei aktueller Elektronik im Grunde keine Rolle mehr. Ob die jetzt bei 0.1 % / -60 dB oder 0.01% / -80 dB liegen, macht aus meiner Sicht in der Praxis keinen Unterschied. In der Regel werden auch keine THD-Werte (nur die Verzerrungen), sondern THDN-Werte (Verzerrungen + Rauschen, also alles, was nicht im Originalsignal enthalten ist) angegeben, die vom Rauschanteil dominiert werden.
Rauschen ist das Stichwort für den Ausgang. Ich möchte wissen, wie viel Rauschen dort anliegt. Das Problem hierbei ist der Zustand des Pults. Da man bei einem Pult sehr viel einstellen kann, dass auf diesen Parameter Einfluss hat, ist eine allgemeine Testbedingung quasi nicht zu formulieren und jeder Hersteller macht das anders. Und leider geben sie oft die Bedingungen gar nicht an.
Was kann man aber mit so einem Rauschwert, meist in dBu, anfangen? Eine kleine Beispielrechnung (grob gerundet). Ein Pult sei mit -83 dBu Rauschen am Ausgang angegeben. An dieses Pult sei eine Endstufe angeschlossen mit 32 dB Gain und einem eigenen Ausgangsrauschen von -64 dBu. Daran wiederum hängt ein Lautsprecher mit 100 dB / 2.83 V.
Rauschen des Pults: -83 dBu = 55 µV RMS
Rauschen der Endstufe: -64 dBu = 500 µV RMS
Verstärkung des Pults: 32 dB = 40
Verstärktes Rauschen am Endstufenausgang: 55 µV RMS * 40 = 2.2 mV RMS
Geometrische Addition der Rauschspannungen: sqrt((2.2 mV RMS)^2+(0.5 mV RMS)^2) = 2.3 mV RMS
Rauschen aus dem Lautsprecher: 100 dB/2.83 V - 20*log10(2.83V/2.3 mV) = 38 dB SPL
Das ist gar nicht mal so wenig und in leiser Umgebung deutlich hörbar. Anhand der Anzahl an Parametern in dieser Rechnung siehst du aber, dass es auf den ganz konkreten Fall ankommt, ob der Wert von -83 dBu jetzt gut genug ist oder nicht.
Auch beim Ausgang gehört die Angabe des maximalen Pegels dazu. Solange der Wert über +10 dBu liegt, sollte man in der Praxis kaum das Problem haben, das nachfolgende System voll auszusteuern.
Der Frequenzgang darf bei einem normalen Pult kein Thema mehr sein, im Audio-Frequenzbereich liegen die Abweichungen normalerweise im 0.x dB-Bereich.
Die Latenz ist natürlich auch noch ein Thema, deutlich einstellig und damit eher unkritisch ist aber auch hier Standard.
Dinge wie Crosstalk und CMRR kann man sich natürlich auch noch anschauen, aber auch da sollte kein aktuelles Pult ein Problem haben. -60 dB ist aus meiner Sicht für beides ein sinnvoller Minimalwert.
Wenn du wissen willst, was Stand der Technik ist, schau dich bei den Topmodellen um, etwa von
Yamaha oder Lawo oder [hier beliebige Mischpult-Lieblingsmarke einsetzen] und vergleiche deren Daten mit den für dich interessanten Pulten.