[Gitarre] Epiphone - Nighthawk Reissue Custom (2011)

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Epiphone - Nighthawk Reissue Custom (2011)

Nighthawk - 5.jpeg


Preis:

Laut einem Review bei bonedo.de kostete die Epiphone Nighthawk Custom Reissue im Jahr 2011 neu 249 €. (vgl. https://www.bonedo.de/artikel/epiphone-nighthawk-custom-reissue/) Die Kaufkraft von 250 Euro im Jahr 2011 entspricht etwa 365 Euro im Jahr 2025. Nach meiner Beobachtung wird diese Gitarre heute gebraucht für deutlich über 500 Euro gehandelt.

Spezifikationen:
  • Hardware: Nickel
  • Mensur: 648 mm
  • Sattelbreite: 42,7 mm
  • Hals: Eingeleimt
  • Halsmaterial: Mahagoni
  • Korpus-Holz: Mahagoni
  • Decke: AAA-Grade geflammter Ahorn (Flame Maple)
  • Griffbrett-Holz: Palisander
  • Steg-Tonabnehmer: Slant NHT™ Humbucker
  • Mittel-Tonabnehmer: NSX™ Single-Coil
  • Hals-Tonabnehmer: NHR™ Mini-Humbucker
  • Mechaniken: Groover
  • Gewicht: 3 Kg
Interessanter Weise ist bezüglich der Mensur im Katalog von Epiphone aus dem Jahr 2011 ein Fehler enthalten: Dort sind fälschlicherweise 24,75 Zoll angegeben. (vgl. https://guitar-compare.com/wp-content/uploads/2017/10/2011-12_Epiphone_Catalog.pdf)

Vorgeschichte:

Dies ist nicht meine erste Epiphone. Vor ein paar Jahren hatte ich mir eine Epiphone Les Paul Standard Plus Pro zugelegt, die aber nach etwa einem Jahr wieder gehen musste. Sie klang gut und auch die Qualität war wirklich in Ordnung. Aber auf der typischen Gibson-Mensur fühlte ich mich nie wirklich zuhause. (vgl. https://www.musiker-board.de/thread...aul-standard-plustop-pro.703246/#post-8915122) Kürzlich entdeckte ich dann auf Kleinanzeigen ganz in der Nähe die hier vorgestellte Epiphone Nighthawk, die eben neben bestimmten Gibson-Genen auch eigentlich fenderesque Merkmale zeigt, unter anderem eben eine Mensur von 648 mm. Da überlegte ich nicht lange und adoptierte diese.

Hersteller:

Epiphone ist eine US-amerikanische Marke für Zupfinstrumente, deren Ursprünge bis ins Jahr 1873 zurückreichen. Gegründet wurde sie von Anastasios Stathopoulos, einem aus Griechenland stammenden Instrumentenbauer, der sich zunächst auf Lauten und Geigen spezialisierte. Der Name „Epiphone“ entstand 1928 unter der Leitung seines Sohnes Epaminondas („Epi“) Stathopoulos durch die Kombination von „Epi“ und „phone“ (griechisch für „Klang“).

Bis 1957 war Epiphone ein eigenständiges Unternehmen und entwickelte sich insbesondere in den 1930er- und 1940er-Jahren zu einem angesehenen Hersteller hochwertiger Archtop-Gitarren. Modelle wie die Epiphone Emperor, Broadway und Triumph konkurrierten direkt mit Gibsons Archtops und wurden von namhaften Jazzmusikern wie Joe Pass, Howard Roberts und George Van Eps gespielt. Neben Gitarren stellte Epiphone auch Banjos und Kontrabässe her.

Nach finanziellen Schwierigkeiten wurde Epiphone 1957 von der Gibson Guitar Corporation übernommen. Während zunächst weiterhin hochwertige Instrumente produziert wurden, verlagerte Gibson ab den 1970er-Jahren die Produktion zunehmend ins Ausland, insbesondere nach Japan, Korea, China und Indonesien. Seitdem ist Epiphone vor allem für erschwinglichere Versionen klassischer Gibson-Modelle wie die Les Paul, SG und ES-335 bekannt. Dennoch bietet die Marke weiterhin einige eigenständige Modelle sowie Reproduktionen ihrer historischen Archtop-Gitarren an.

Zur Geschichte der Nighthawk:

Die Gibson Les Paul war nicht immer so populär, wie es heute den Anschein hat. Anfang der 1990er Jahre sah sich Gibson daher gezwungen, ein innovatives Modell zu entwerfen, um der wachsenden Konkurrenz etwas entgegenzusetzen. Vor diesem Hintergrund wurde die Gibson Nighthawk 1993 auf den Markt gebracht. Entworfen von J.T. Riboloff, kombinierte sie klassische Gibson-Elemente mit neuen Merkmalen, um eine größere klangliche Bandbreite und eine verbesserte Spielbarkeit zu bieten. Ihr Korpus war schlanker und ergonomischer als der einer Les Paul, erinnerte aber in der Form dennoch an Gibson. Eine Besonderheit war die ungewöhnliche Mensur von 25,5 Zoll, die eher Fender-typisch war und für eine straffere Saitenspannung sowie eine klarere Ansprache sorgte.

Auch die Pickup-Bestückung unterschied sich von typischen Gibson-Modellen. Die Nighthawk war mit einer H-S-H- oder H-S-M-Konfiguration ausgestattet, bestehend aus einem Mini-Humbucker am Hals, einem Singlecoil in der Mitte und einem speziell entwickelten, leicht schräg eingebauten Humbucker an der Brücke. Dadurch konnte sie sowohl warme, druckvolle Gibson-Sounds als auch glockige, eher Fender zugeschriebene, Klänge erzeugen. Ein weiteres markantes Merkmal war die durch den Korpus geführte Saitenhalterung, die für mehr Sustain sorgte.

Trotz ihrer Vielseitigkeit blieb der große Erfolg aus. Für eingefleischte Gibson-Fans war die Gitarre zu untypisch, während Fender-Spieler weiterhin bei ihren gewohnten Modellen blieben. Nach nur wenigen Jahren wurde die Produktion 1998 eingestellt. 2010 brachte Gibson unter der Marke Epiphone eine Neuauflage der Nighthawk heraus. Das hier vorgestellte Exemplar stammt aus dem Jahr 2011.

Ob einem dieses Design nun gefällt oder nicht, das ist sehr subjektiv. Ich persönlich finde es extrem ästhetisch und es fällt mir schwer zu sagen, ob ich eine Paula oder eine Nighthawk hübscher finde.

Aufbau und Bedienung:

Die mit einer H-S-H-Pickupkombination ausgestattete Gitarre trägt sowohl für Gibson typische Eigenschaften in sich (Mahagonikorpus und -Hals, Korpusform und Ahorndecke mit Binding) als auch fenderesque Gene. Letztere überwiegen aus meiner Perspektive sogar. Dazu gehören neben der Mensur die String-Through-Konstruktion der Brücke, die einer Telecaster ähnelnden Volume- und Tone-Potis und der einer Stratocaster ähnelnde 5-Wege-Schalter. Der Tonie-Poti kann gezogen werden, so dass man quasi zwei Bänke am 5-Wege-Schalter hat. Ist er gezogen, dann werden die Humbucker jeweils gesplittet. Insgesamt stehen so neun verschiedene Pickupkombinationen zur Verfügung. Trotz der Vielfalt der Möglichkeiten bleibt die Bedienung simpel und intuitiv. Die Stimmmechaniken sind dann wieder ganz gibsonic als drei-links-drei-rechts ausgeführt. Die Groover Mechaniken machen dabei einen hervorragenden Job.

Nighthawk - 3.jpeg


Wiederrum an eine Stratocaster erinnert der Belly-Cut des Korpus, wobei der Zugang zum Halsstab wieder dem Mutterhaus typisch unter einer Plastikplatte an der Kopfplatte zu finden ist.

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Die Bünde bilden über dem Griffbrett einen gemessenen Radius von 11,9″ bis 13,2″ ab.

In einem anderen Review zu dieser Gitarre habe ich Angaben zu den Widerständen der Pickups gefunden. Diese sind dort wie folgt angegeben:
  • Bridge: 13,5 KOhm
  • Middle: 7,57 KOhm
  • Neck: 15,95 KOhm
Nighthawk - 1.jpeg


Verarbeitung:

Die hier vorgestellte Gitarre wurde in Indonesien gefertigt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder von Cort oder von Samick. Die Verarbeitung der Gitarre ist auf wirklich gutem Niveau. Qualitativ würde ich es mit einer guten mexikanischen Fender vergleichen. Einzig das Bindung ist nicht an allen Stellen hundertprozentig perfekt, allerdings muss man hier schon sehr genau hinsehen, um zu erkennen was ich meine und das ist tatsächlich Kritik auf sehr hohem Niveau. Hin und wieder kann man lesen, dass bei Auslieferung dieser Gitarren nicht alle Schrauben gut angezogen waren. Ob dies bei meiner Nighthawk damals so war, kann ich natürlich nicht sagen. Was mir aber wirklich gut gefällt ist der Lack der Gitarre. Obwohl es sich um einen Klarlack (Polyurethan- (PU-) oder Polyesterlack) handelt, wirkt die Gitarre überhaupt nicht candy-like oder plastikpanzerartig.

Setup:

Das Setup meiner Nighthawk ist nicht mehr das originale ab Werk. Es wurde von Bigfoot-Guitars mit Hilfe einer Plek gemacht und ist schlicht perfekt. Die Saitenlage liegt gemessen im 12. Bund bei E (1,9 mm) / e (1,4 mm). Es sind 010-046 Saiten aufgezogen.

Upgrade:

Insgesamt wurde an dieser Gitarre sehr ordentliches Material verwendet. Bis auf den ab Werk verbauten Plastiksattel. Diesen habe ich, ebenfalls bei Bigfoot-Guitars, gegen einen Knochensattel austauschen lassen. Dieses Upgrade hat der Gitarre noch mal einen ordentlichen Schub im Sustain gegeben.

Spielgefühl:

Das Spielgefühl ist ganz hervorragend und - anders als bei meiner Paulaerfahrung - eben auch der Grund, warum diese Gitarre gerne von mir gespielt wird. Zunächst muss man sagen, dass der kleine und leichte Korpus mit dem Belly-Cut unglaublich bequem ist. Das gilt sowohl im Sitzen wie auch im Stehen. Die Mensur von 648 mm gibt mir sofort das Gefühl auf ihr zuhause zu sein.

Klang:

Die Epiphone Nighthawk Reissue Custom hat einen wirklich vielseitigen Klang, der sich sowohl für Cleans als auch für verzerrte Töne gut eignet. Im Clean-Bereich bietet sie einen klaren, definierten Sound, der besonders bei den gesplitteten Humbuckern einen hellen, schimmernden Ton erzeugt. Der Humbucker am Hals liefert einen weicheren, runden Klang, der sich ideal für bluesige oder jazzy Passagen eignet. Besonders gut gefällt mir die Balance zwischen den Pickups: Die Nighthawk bleibt in allen Lagen ausgewogen und ist nie zu scharf oder zu basslastig, was sie für unterschiedliche Musikstile äußerst flexibel macht.

Wenn man die Gitarre an einen Röhrenamp anschließt, kommt ihr klanglicher Charme besonders gut zur Geltung. Die Höhen sind brillant und gut durchsetzungsfähig, während die Mitten mit einer leichten Präsenz aufwarten. Der Bassbereich ist definiert und nie matschig, was auch bei verzerrten Tönen eine klare Struktur bewahrt.

Klingt sie nun sowohl wie eine Fender als auch wie eine Paula? Nein. Der Bereich den sie abdeckt erinnert hier und da an Telecaster und/oder Stratocaster, aber die Originale klingen doch anders. Ich würde sagen noch einen Ticken unmittelbarer. Klingt sie wie eine Paula? Dazu kann ich leider nicht qualifiziert was zu sagen, da mir schlicht Paulaerfahrung fehlt, um dies qualifiziert beurteilen zu können. Aber sie klingt toll, sehr präsent, sie kann ordentlich Druck machen ohne dabei zu matschen und dank des Upgrades mit einem Knochensattel hat sie ein phantastisches Sustain.

Fazit:

Die Epiphone Nighthawk Reissue Custom ist eine Gitarre, die sofort ins Herz trifft. Sie kombiniert eine bemerkenswerte Vielseitigkeit mit einem Spielgefühl, das sich für mich einfach „richtig“ anfühlt. Der komfortable Korpus mit dem Belly-Cut schmiegt sich wunderbar an, sowohl beim Sitzen als auch im Stehen – und mit der Mensur von 648 mm fühle ich mich bei ihr direkt zuhause.

Klanglich begeistert die Nighthawk mit einer klaren, offenen Präsenz, die sowohl in den saubersten Cleans als auch in den verzerrten Tönen durchdringend und lebendig bleibt. Die Flexibilität der Pickups bietet eine unglaubliche Bandbreite, die einem das Gefühl gibt, für jede musikalische Stimmung das passende „Werkzeug“ in der Hand zu haben. Besonders durch das Upgrade mit dem Knochensattel bekommt die Gitarre noch mehr Leben – der Sustain ist einfach fantastisch und lässt die Töne lange nachhallen, als wollte die Gitarre nie aufhören zu singen.

Die Verarbeitung ist gut und macht den Preis von über 500 Euro für eine gebrauchte Nighthawk mehr als gerechtfertigt. Sie ist ein echtes „Feel-Good-Instrument“, das mehr als nur eine Überlegung wert ist. Die Epiphone Nighthawk Reissue Custom ist eine Gitarre, die sich anfühlt wie ein treuer Begleiter – sie spielt, sie klingt und sie inspiriert.
 
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