Harry
HCA PA/Mikrofone
Ich eröffne diesen Thread aus mehreren Gründen:
1. es kommt immer wieder mal vor, dass nach Mikros für Chorabnahme gefragt wird (welche, wo positionieren usw.).
2. kann ich einen kurzen Vergleich zwischen 3 guten Kleinmembran-Kondensatormikrofonen geben. Allerdings nicht in der ganz unteren Einsteigerklasse.
3. die Anwendung lässt sich übertragen auf verschiedene Overhead-Aufgaben.
Vorab noch: vielen Dank an unseren geschätzen Moderator lemursh für die freundliche Leihgabe seines Haun MBC660 L.
Die Aufgabe:
Sie bestand darin, ein Chorkonzert mit insgesamt 6 Chören in einer Mehrzweckhalle live abzumischen (kein Recording - sondern "laut" machen). Bühnengröße ca. 10x6 Meter, Zuhörer ca. 500 Personen. Es gibt dort eine (wirklich) recht gute Übertragungsanlage, die jedoch für die Live-Abnahme von Chören völlig ungeeignet ist, da sich die ersten 4 Lautsprecher fliegend oberhalb der Bühne befinden und somit beim ersten Schub am Main-Mixer des Mischpults Feedbacks verursachen.
So haben wirs gemacht:
Wir haben folgende PA aufgebaut:
2x Dynacord 15/3 Fullrangeboxen - relativ weit weg von der Bühne platziert. D.h. auf Ständern jeweils ca. 4 Meter links und rechts von der Bühne, ca 2-3 Meter vor die Bühne. Dieser Aufbau gewährleistet, dass man schön Druck auf die Anlage geben kann, ohne dass es gleich koppelt.
2x Yorkville Aktivboxen als Delay - ganz links und rechts am Hallenrand, etwas hinter der Mitte der Zuhörer.
1x Behringer (!! höhö) Mischpult SL3242FX mit leichtem Hall auf allen Mikros.
Behringer Eurodesk SL-3242 FX-PRO
2x Behringer Shark zum Erzeugen des Delays
Behringer Shark DSP-110
(die Delay-Boxen befanden sich ca. 18 Meter von den Frontboxen entfernt).
der Vollständigkeit halber: dieser QSC-Amp (unser Arbeitspferd)
QSC RMX-2450 Endstufe
und natürlich nahezu kilometerweise Kabel und ein kleines 16er Multicore auf der Bühne.
Die Mikros:
üblicherweise verwenden wir als Hauptmikrofone 2x MXL 603
MXL 603 S
in der Mitte der Bühne auf einem Mikrofonständer mit breiter Schiene, die Mikros etwas nach links und rechts gedreht, etwas oberhalb der Köpfe der Sänger/innen. Ich mach also keine exakte A/B- oder ORTF-Ausrichtung.
dann noch 2 Stützmikrofone Beyerdynamic MC930 - hier der Link zum Pärchen (das benutzen wir auch):
Beyerdynamic MC-930 Stereo Set
jeweils auf einem Mikroständer am rechten und linken Chor-Rand.
Warum wir nicht die "guten" MC930 als Hauptmikrofone nehmen? Das hat 2 Gründe:
die MXL 903 besitzen eine breite Niere als Richtcharakteristik. D.h. mit diesen 2 Mikrofonen alleine bekomme ich schon fast den gesamten Chor (bei einer Größe bis ca. 20 Personen) auf die PA. Und zweitens seien wir mal ehrlich: die PA ist kaum in der Lage, die Unterschiede zwischen den MXL und den beyers zu reproduzieren (doch natürlich höre ich es !!! und viele von euch warhrscheinlich auch - aber da muss man schon gewaltig die Ohren spitzen. Und 90% der Zuhörer hören es nicht, da bin ich sicher).
Dieses Mal haben wir ein Beyerdynamic MC930 ersetzt durch lemurshs Leihgabe, dem Haun MBC660 L
https://www.thomann.de/de/haun_mbc660l_mikrofon.htm
Somit waren wir in der Lage, einen exakten Vergleich zwischen 3 Kondensatortypen zu fahren.
Der Vollständigkeit halber - die Solisten bekamen die Funkvariante vom AKG C535:
AKG C-535 Kondensatormikrofon
(das ist ja sooo gut).
Unterschiede MXL 603, Beyerdynamic MC930, Haun MBC660L:
Im Live-Betrieb fallen die Unterschiede nicht so sehr ins Gewicht. Zu hören ist bei den MXL, dass sie aufgrund der Richtcharakteristik "breite Niere" ein größeres Feld aufnehmen können. Das Beyer und das Haun sind mehr gerichtet. Zu hören ist auch, dass bei gleicher EQ-Einstellung das Beyer und das Haun oben besser auflösen als die MXL.
Die MXL klingen sozusagen "dumpfer". Bitte nicht negativ werten: wer die MXL alleine hört, hätte diesen Eindruck sicherlich nicht.
Weiterhin fällt auf, dass das Haun im Gain ca. eine Vierteldrehung mehr benötigt, um auf denselben Pegel wie das Beyer oder das MXL zu kommen. Aber das ist ja kein wirkliches Problem.
Beim Reinhören über Kopfhörer mit der Solotaste fallen die Unterschiede deutlicher auf. Die MXL wirken tatsächlich so, als ob irgendwie ein Tuch drüberhängt. Das Beyerdynamic ist nach oben sehr offen und es scheint kaum eine Frequenzbegrenzung zu geben, die dieses Mikrofon nicht auflösen könnte. Fantastisch !
Das Haun klingt erstaunlicherweise ähnlich wie das Beyer. Das hat mich sehr überrascht, da es vom Preis her ca. die Hälfte kostet. Allerdings löst es in der Tat nicht so fein auf wie das Beyer. Das ist im Kopfhörer zu hören. Sprich: bei einem Recording-Job hätte das Beyer hier nochmal die Nase vorn.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: das MXL 603 ist für diesen Preis ein wirklich sehr gutes Kondensatomikrofon und bekommt meine uneingeschränkte Empfehlung. Es ist halt so, dass wir hier über einen noch knapp zweistelligen Eurobetrag sprechen. Die beiden anderen Mikrofone sind einer anderen Kampfklasse - und das ist doch zu hören.
Fazit:
Für Live-Einsatz muss es kein 400 Euro-Mikro sein. Auch nicht für sensible Aufgaben wie z.B. einen Chor. Für Recording-Einsatz empfiehlt sich der tiefere Griff in den Geldbeutel. Wer das Geld für ein MC930 (oder ähnliches in dieser Kampfklasse) nicht hat oder nicht ausgeben will, dem empfehle ich das Haun MBC660 L. Es war für mich wirklich eine angenehme Überraschung.
Und nochmals ein Dankeschön an lemursh.
1. es kommt immer wieder mal vor, dass nach Mikros für Chorabnahme gefragt wird (welche, wo positionieren usw.).
2. kann ich einen kurzen Vergleich zwischen 3 guten Kleinmembran-Kondensatormikrofonen geben. Allerdings nicht in der ganz unteren Einsteigerklasse.
3. die Anwendung lässt sich übertragen auf verschiedene Overhead-Aufgaben.
Vorab noch: vielen Dank an unseren geschätzen Moderator lemursh für die freundliche Leihgabe seines Haun MBC660 L.
Die Aufgabe:
Sie bestand darin, ein Chorkonzert mit insgesamt 6 Chören in einer Mehrzweckhalle live abzumischen (kein Recording - sondern "laut" machen). Bühnengröße ca. 10x6 Meter, Zuhörer ca. 500 Personen. Es gibt dort eine (wirklich) recht gute Übertragungsanlage, die jedoch für die Live-Abnahme von Chören völlig ungeeignet ist, da sich die ersten 4 Lautsprecher fliegend oberhalb der Bühne befinden und somit beim ersten Schub am Main-Mixer des Mischpults Feedbacks verursachen.
So haben wirs gemacht:
Wir haben folgende PA aufgebaut:
2x Dynacord 15/3 Fullrangeboxen - relativ weit weg von der Bühne platziert. D.h. auf Ständern jeweils ca. 4 Meter links und rechts von der Bühne, ca 2-3 Meter vor die Bühne. Dieser Aufbau gewährleistet, dass man schön Druck auf die Anlage geben kann, ohne dass es gleich koppelt.
2x Yorkville Aktivboxen als Delay - ganz links und rechts am Hallenrand, etwas hinter der Mitte der Zuhörer.
1x Behringer (!! höhö) Mischpult SL3242FX mit leichtem Hall auf allen Mikros.
Behringer Eurodesk SL-3242 FX-PRO
2x Behringer Shark zum Erzeugen des Delays
Behringer Shark DSP-110
(die Delay-Boxen befanden sich ca. 18 Meter von den Frontboxen entfernt).
der Vollständigkeit halber: dieser QSC-Amp (unser Arbeitspferd)
QSC RMX-2450 Endstufe
und natürlich nahezu kilometerweise Kabel und ein kleines 16er Multicore auf der Bühne.
Die Mikros:
üblicherweise verwenden wir als Hauptmikrofone 2x MXL 603
MXL 603 S
in der Mitte der Bühne auf einem Mikrofonständer mit breiter Schiene, die Mikros etwas nach links und rechts gedreht, etwas oberhalb der Köpfe der Sänger/innen. Ich mach also keine exakte A/B- oder ORTF-Ausrichtung.
dann noch 2 Stützmikrofone Beyerdynamic MC930 - hier der Link zum Pärchen (das benutzen wir auch):
Beyerdynamic MC-930 Stereo Set
jeweils auf einem Mikroständer am rechten und linken Chor-Rand.
Warum wir nicht die "guten" MC930 als Hauptmikrofone nehmen? Das hat 2 Gründe:
die MXL 903 besitzen eine breite Niere als Richtcharakteristik. D.h. mit diesen 2 Mikrofonen alleine bekomme ich schon fast den gesamten Chor (bei einer Größe bis ca. 20 Personen) auf die PA. Und zweitens seien wir mal ehrlich: die PA ist kaum in der Lage, die Unterschiede zwischen den MXL und den beyers zu reproduzieren (doch natürlich höre ich es !!! und viele von euch warhrscheinlich auch - aber da muss man schon gewaltig die Ohren spitzen. Und 90% der Zuhörer hören es nicht, da bin ich sicher).
Dieses Mal haben wir ein Beyerdynamic MC930 ersetzt durch lemurshs Leihgabe, dem Haun MBC660 L
https://www.thomann.de/de/haun_mbc660l_mikrofon.htm
Somit waren wir in der Lage, einen exakten Vergleich zwischen 3 Kondensatortypen zu fahren.
Der Vollständigkeit halber - die Solisten bekamen die Funkvariante vom AKG C535:
AKG C-535 Kondensatormikrofon
(das ist ja sooo gut).
Unterschiede MXL 603, Beyerdynamic MC930, Haun MBC660L:
Im Live-Betrieb fallen die Unterschiede nicht so sehr ins Gewicht. Zu hören ist bei den MXL, dass sie aufgrund der Richtcharakteristik "breite Niere" ein größeres Feld aufnehmen können. Das Beyer und das Haun sind mehr gerichtet. Zu hören ist auch, dass bei gleicher EQ-Einstellung das Beyer und das Haun oben besser auflösen als die MXL.
Die MXL klingen sozusagen "dumpfer". Bitte nicht negativ werten: wer die MXL alleine hört, hätte diesen Eindruck sicherlich nicht.
Weiterhin fällt auf, dass das Haun im Gain ca. eine Vierteldrehung mehr benötigt, um auf denselben Pegel wie das Beyer oder das MXL zu kommen. Aber das ist ja kein wirkliches Problem.
Beim Reinhören über Kopfhörer mit der Solotaste fallen die Unterschiede deutlicher auf. Die MXL wirken tatsächlich so, als ob irgendwie ein Tuch drüberhängt. Das Beyerdynamic ist nach oben sehr offen und es scheint kaum eine Frequenzbegrenzung zu geben, die dieses Mikrofon nicht auflösen könnte. Fantastisch !
Das Haun klingt erstaunlicherweise ähnlich wie das Beyer. Das hat mich sehr überrascht, da es vom Preis her ca. die Hälfte kostet. Allerdings löst es in der Tat nicht so fein auf wie das Beyer. Das ist im Kopfhörer zu hören. Sprich: bei einem Recording-Job hätte das Beyer hier nochmal die Nase vorn.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: das MXL 603 ist für diesen Preis ein wirklich sehr gutes Kondensatomikrofon und bekommt meine uneingeschränkte Empfehlung. Es ist halt so, dass wir hier über einen noch knapp zweistelligen Eurobetrag sprechen. Die beiden anderen Mikrofone sind einer anderen Kampfklasse - und das ist doch zu hören.
Fazit:
Für Live-Einsatz muss es kein 400 Euro-Mikro sein. Auch nicht für sensible Aufgaben wie z.B. einen Chor. Für Recording-Einsatz empfiehlt sich der tiefere Griff in den Geldbeutel. Wer das Geld für ein MC930 (oder ähnliches in dieser Kampfklasse) nicht hat oder nicht ausgeben will, dem empfehle ich das Haun MBC660 L. Es war für mich wirklich eine angenehme Überraschung.
Und nochmals ein Dankeschön an lemursh.
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