DieterWelzel
Mod Emeritus
Vorgeschichte:
Anlässlich meines Besuches der Musikmesse Frankfurt am 10.4.2013 suchte ich u.a. nach einer E-Gitarre mit einem Single Cutaway, also im Paula-Stil, die über ein Low-Profile FR-Trem sowie einen fließenden Hals/Korpus-Übergang verfügt (siehe hierzu auch meinen Bericht von der Musikmesse sowie den Thread Gibt es eine Paula-like Gitarre mit Low Profile FR-Tremolo?).
Das Ergebnis meiner Recherchen vor, während und nach der Musikmesse war ernüchternd. Ich fand lediglich die Aria Pro II PE-SUPRA, die diese Anforderungen erfüllte, mir aber zu teuer war (3.599 ) und dessen Kahler-Trem ich auch nirgends testen konnte. Zudem hatte ich 1984 die schlechte Erfahrung mit der goldenen Hardware einer Hoyer Les Paul gemacht, dass diese sehr schnell unansehnlich wurde. Deshalb schrecke ich zudem erst einmal vor der goldenen Hardware der Aria Pro II PE-SUPRA zurück.
Obwohl die PRS SE Tremonti Custom GBK weder über ein Low-Profile FR-Trem noch über einen fließenden Hals/Korpus-Übergang verfügt, habe ich mich gleichwohl für sie entschieden. Zu den Gründen später mehr.
Vorbemerkung:
Dieser Review ist subjektiv und das lässt sich auch nicht verhindern, weil er auf meinen persönlichen Erfahrungen und Eindrücken beruht. Deswegen erfolgen Vergleiche auch überwiegend mit den E-Gitarren, die ich habe (Line6 James Tyler Variax JTV-59, Ibanez S5470F, Fender American Deluxe Strat HSS, Music Man Silhouette). Gleichwohl ist er so objektiv wie möglich, denn ich bekomme keine Ver-/Begünstigungen für diesen Review und PRS schaltet auch keine Werbung auf meinen Webseiten. Vielmehr ist das ein Versuch einen Beitrag für die Musikerboard-Community zu leisten, von der ich selbst durch viele wertvolle Hinweise und Tipps bereits profitierte.
Allgemeine und technische Daten:
Auch wenn Ihr die meisten allgemeinen und technischen Daten bereits der PRS-Website sowie den Produktseiten der Online-Anbieter entnehmen könnt, so präsentiere ich sie hier gleichwohl zwecks besserer Übersichtlichkeit/Lesbarkeit:
Die PRS SE Tremonti Custom GBK wird in Korea von World Musical Instrument Co. Ltd. unter der exklusiven Lizenz von PRS Guitars hergestellt. Sie kostet damit nur etwa ein Viertel der amerikanischen PRS Mark Tremonti Signature Modelle wie etwa die PRS Mark Tremonti Trem CB (aktuell 2.998 €).
Auch wenn die PRS SE Modelle einen guten Ruf haben und PRS generell nachgesagt wird, dass ihre Gitarren eine geringe Streuung bei der Qualität aufweisen, so gibt es angesichts des großen Preisunterschieds zwischen dem PRS und dem PRS SE Modell verständlicherweise Unterschiede in der Qualität der verbauten Teile. So verfügt das PRS SE Modell beispielsweise nicht über Lockingmechaniken und die Pickups sind Standard-Pickups der SE-Modelle und nicht die Tremonti-Pickups der US-Modelle.
Modifizierungen und Upgrades
Werkseitig wird die PRS SE Tremonti Custom GBK wie fast alle SE-Modelle mit einem 009er Saitensatz ausgeliefert. Mit dieser Saitenstärke spielt es sich auf dieser Gitarre, die mit ihrer Mensur zwischen der einer Fender Strat (648 mm = 25,5") und einer Gibson Les Paul (628 mm =24,75") liegt, butterweich. Beim Wechsel auf dickere Saiten gilt es jedoch zu bedenken, dass dann der Sattel voraussichtlich nachgefeilt werden muss. So zumindest wäre es bei meiner Gitarre gewesen. Ich habe auf einen 010er Saitensatz gewechselt und statt den Sattel von meinem lokalen Gitarrenhändler meines Vertrauens in Bonn nacharbeiten zu lassen, habe ich es gleich vorgezogen einen GraphTech Black TUSQ XL nut 6 Stg Electric Nut 43 x 6 (PT-6643-00), den ich bei wonderwood.de gekauft hatte, einbauen und für einen 010er Saitensatz feilen zu lassen.
Ferner tauschte er mir auf meinen Wunsch hin die schwarzen SE245 Humbucker Tonabnehmer durch diese Tonabnehmer im Zebra-Look aus. Das war nur möglich, weil er bei einer Gitarre aus seinem Laden die Zebras durch die schwarzen SE245er ersetzen wollte (Win-Win-Situation). Seltsamerweise hörte ich danach den Hals-Pickup mitschwingen. Das Problem löste mein lokaler Gitarenhändler mit Schaumstoff unter dem Pickup.
Laut Mailantwort von Thomann gibt es übrigens leider nur die schwarzen SE245 von PRS als Pickups zu kaufen, nicht aber die SE245 Zebras.
Ich selbst tauschte die Originalmechaniken durch Schaller M6 Klemmechaniken (Clamped 3R/3L Chrome2) aus, die ich bei Thomann erworben hatte. Das Erfreuliche daran war, dass die Mechaniken einfach, d.h. ohne irreversible Veränderungen und nur mit einem Kreuzschraubenzieher sowie einem Maulschlüssel auszutauschen waren. Neben der höheren Stimmstabilität bevorzuge ich Klemmechaniken auch weil die Mechaniken bei einem Saitenwechsel nicht so viel gedreht werden müssen. Nicht so schön ist, dass die Flügel der Schaller-Mechaniken bei den beiden E-Saiten beim Drehen schon die Kopfplatte berühren. Das Drehen geht zwar noch, aber da scheinen die Flügel weiter runterzugehen als bei den Original-Mechaniken von PRS.
Ferner brachte ich Schaller Security Locks C 446 für den Gitarrengurt an, die ich mir ebenfalls bei Thomann besorgt hatte.
Des Weiteren besorgte ich mir bei Rockinger einen Switch Washer mit Rhythm und Trouble bedruckt und brachte ihn an. Das war allerdings etwas tricky, denn dafür musste ich innen und außen von dem Switch die Unterlegscheiben entfernen, anders ließ sich die Mutter nicht mehr zudrehen.
Schließlich tauschte ich auch noch die Volume- und Tone-Regler gegen cremefarbene Exemplare im Fender Strat Stil aus, die ich bei Guitar Parts Resource, LLC, bestellte. Der Farbton ist zwar nicht ganz mit dem Creme-Farbton der Pickup-Rahmen und Zebra-Pickups identisch, aber schon relativ nahe dran. Die Originalregler bekam ich ohne Beschädigung der Gitarre leicht herunter, indem ich einem Tipp meines lokalen Gitarrenhändlers folgte und mit zwei Plektren links und rechts unterhalb des Reglers diesen nach oben zog. Die Ersatzregler im Fender Strat Stil hatten einen kleinen Schönheitsfehler: Sie hatten innen keine Riffelung und drehten deswegen beim auf- oder zudrehen des Reglers leicht durch. Hiergegen half es den Schlitz der Poti mit einem Schraubenzieher leicht zu vergrößern.
Hier zwei Fotos zum Vergleich, damit Ihr sehen könnt, wie sich die Optik durch die Modifizierungen verändert hat:
PRS SE Tremonti Custom GBK im Originalzustand
PRS SE Tremonti Custom GBK modifiziert
Sorry für die nicht so tollen Fotos, aber immer wenn ich fotografiere, habe ich das Glück, dass die Sonne verschwunden ist und die Kamera den Blitz auslöst.
Die Verarbeitung und der Lieferumfang
Die Verarbeitung und die Saitenlage der PRS SE Tremonti Custom GBK war einwandfrei. Da gab es für mich nichts zu meckern. Nein, vielmehr ist sie so gut verarbeitet, dass es mir richtig Spaß macht mit ihr zu spielen. Und das habe ich dann auch schon einige Abende gemacht. Anscheinend sind aufgrund meiner Spielweise allerdings schon erste Kratzer vom Plektrum zu sehen, wo bei einer Gibson Les Paul standardmäßig das Pickguard sitzt.
Könnte sein, dass das durch die grundsätzlich flache, nur am Rand abgeschrägte Decke begünstigt wird, denn bei meiner Strat und Music Man sind entsprechende Kratzer auf dem Pickguard zu sehen, während da meine eher Paula ähnliche Line6 James Tyler Variax JTV-59 eine gewölbte Decke aufweist, bei der mir solche Kratzer noch nicht aufgefallen sind.
Im Lieferumfang war noch ein einfaches Gitarrenkabel, das Werkzeug für den Trussrod einzustellen sowie ein kleiner Innensechskant (Inbusschlüssel) für das Feststellen des Jammerhakens (whammy bar).
Das ebenfalls zum Lieferumfang gehörende rote Gigbag hat ein praktisches Reißverschlussfach, kann auch wie ein Rucksack getragen werden und ist ordentlich verarbeitet. Da alle meine anderen Gitarren einen Koffer haben bzw. ich ihnen einen gegönnt habe, werde ich wahrscheinlich auch für die PRS SE Tremonti Custom GBK irgendwann noch einen Koffer, wahrscheinlich einen SKB-Koffer, kaufen.
Die Bespielbarkeit und der Klang
Die Bespielbarkeit ist für eine Gitarre in der Preisklasse unter 1.000 Euro hervorragend und hält auch mit meinen anderen vier E-Gitarren mit, die alle mehr gekostet haben. Die Bundstäbe sind schön flach, so dass sich gut über die Saiten rutschen lässt. Das ist leider bei meiner über 1.000 Euro kostenden Line6 James Tyler Variax JTV-59, die ebenfalls in Korea von World Musical Instrument Co. Ltd. gebaut wurde, leider nicht der Fall. Dort sind die Bundstäbe deutlich höher, für mich störend hoch.
Der Hals der PRS SE Tremonti Custom GBK ist zwar lackiert, aber für mich gleichwohl sehr angenehm zu spielen. Nicht so dick / fleischig wie der Hals der JTV-59, der schon eher an einen Baseballschläger erinnert, aber auch nicht so dünn wie der Super Wizard Hals meiner Ibanez S5470F. Sehr komfortabel auch für schnelles Spielen. In hohen Lagen hat sie zwar leider nicht den von mir gewünschten fließenden Hals/Korpus-Übergang, aber das wird etwas durch das abgerundete Cutaway kompensiert. Zudem ist der eingesetzte Hals auf der Rückseite unten etwas weiter ausgefräst.
Schon unverstärkt tönt diese Gitarre angenehm und kräftig. Noch nie bekam ich mit einer Gitarre so leicht Pinch Harmonics (Squealies) gespielt. Der helle Wahnsinn! Erkennbar ist diese Gitarre geradezu wie gemacht für Rock sowie Heavy Metal. Mit dem Tonregler für den Hals-Pickup auf 5 gestellt, bekomme ich mit meinem Verstärker, dem Marshall JMD:1 50 Head (siehe hierzu meinen Review) einen schönen warmen Womanizer-Ton für beispielsweise Songs wie Still Got The Blues von Gary Moore und Knocking On Heaven´s Door von Guns ´n´ Roses hin. Die Gitarre singt dabei mit langem Sustain, dass es eine wahre Freude ist.
Mit dem Volumen-Regler lässt sich übrigens ebenfalls gut arbeiten, so dass Du hierüber den Verzerrungsgrad der Gitarre feinfühlig steuern kannst.
Clean liefern die Humbucker natürlich nicht den Twäng meiner Fender American Deluxe Strat oder meiner Music Man Silhouette. Deshalb werde ich die Gitarre tendenziell eher nicht bei Funk- und Soulsongs einsetzen, sondern halt bei Rocksongs, die einen fetten Humbucker-Sound mit viel Sustain erfordern. Da mir der Sound der SE245 Humbucker gut gefällt, gedenke ich aktuell nicht diese gegen andere Humbucker, die splittbar sind, auszutauschen.
Als erfreulich empfinde ich, dass meine PRS SE Tremonti Custom GBK im Gegensatz zu meiner Line6 James Tyler Variax JTV-59 auch clean mit dem Hals-Humbucker sehr ausgewogen klingt, d.h. konkret nicht die Bässe überbetont, sprich dröhnt. Sie klingt aber dann clean auch nicht so dumpf wie der Hals-Humbucker meiner Ibanez S5470F. Die SE245 Humbucker scheinen sehr gut zur Gitarre zu passen. Das hat PRS richtig gut hinbekommen. Hut ab dafür!
Die Bundstäbe sind sauber eingesetzt. Während es da Probleme bei meiner Line6 JTV-59 einschließlich Deadspots gab, konnte ich bei meiner PRS SE Tremonti Custom GBK keine solchen Probleme ausmachen. Da bleibt auch jeder gegriffene Ton stehen.
Das Vibratosystem, fälschlich Tremolo genannt
Das PRS-Tremolo ist unterfräst, sprich frei schwebend. Das hat den Vorteil, dass Du nicht nur Töne nach unten (down-bends), sondern auch noch oben (up-bends) mit dem Jammerhaken (whammy bar) erzeugen kannst. Divebombs auf der tiefen E-Saite über eine ganze Oktave wie mit dem Doppellocking ZR-Trem meiner Ibanez S5470F sind mit dem eher im Vintage-Style gehaltenen PRS-Tremolo nicht realisierbar, aber mehrere Halbtöne gehen da auf jeder Saite, ähnlich wie bei meiner Fender American Deluxe Strat HSS. Up-bends gehen bei der PRS SE Tremonti Custom GBK übrigens je nach Saite um 2 bis 5 Halbtöne nach oben. Und sehr stimmstabil ist es bei mir trotz Vintage-Style.
Das unterfräste Trem hat allerdings leider auch einen Nachteil: Wenn eine Saite reißt, ist die Gitarre verstimmt. Das Problem tritt mit einem aufliegenden Brücke (Bridge) nicht auf, aber dann gehen eben auch keine up-bends, sondern nur down-bends.
Zudem ist dadurch ein Umstimmen in ein anderes Tuning deutlich aufwendiger und nicht mal nebenbei so einfach zu machen.
Ich hatte auch deshalb mit dem Gedanken gespielt, in die Gitarre ein Tremol-no testweise einzubauen. Von diesem Vorhaben habe ich aber wieder Abstand genommen. Zum einem ist das PRS-Tremolo mit seinen vier Federn so schwergängig, dass ich ohne Verstimmungen Palm Muting mit der Hand auf der Brücke (Bridge) spielen kann. Zum anderen ist an dem Blech für die Federn ein Kabel angelötet (ich nehme an als Erdung), das ich nicht ab- und wieder dranlöten lassen wollte.
Über den beigefügten Sechskantschlüssel lässt sich übrigens hinten an der Brücke einstellen wie fest der Jammerhaken sitzen soll.
Soundsamples:
Hier verweise ich erst einmal auf die folgenden beiden hörenswerte Videos:
sowie
Rob Chapman und Capt Lee von Andertons
Vergleicht man den Sound der Gitarre bei diesen beiden Videos merkt man, dass die Gitarre sowohl für Metal als auch Rock gut eingesetzt werden kann und je nach Spieltechnik und Verstärker(einstellungen) ganz unterschiedlich klingt.
Wenn großes Interesse daran bestehen sollte, werde ich mir noch die Mühe machen und mal eigene Soundbeispiele erstellen und online stellen.
Mein persönliches Fazit:
Die PRS SE Tremonti Custom GBK rockt und mit ihr kann ich so leicht wie noch nie Pinch Harmonics spielen. Deshalb hat meine modifizierte PRS SE Tremonti Custom GBK von mir auch den Namen My Beast bekommen. Da habe ich für kleines Geld eine wirklich gute Rock-Gitarre bekommen. Meine Modifikationen an der Gitarre sind nicht zwingend notwendig gewesen, da sie out-of-the-box schon ein gutes Arbeitstier ist, aber ich liebe es eine Gitarre an meine Bedürfnisse anzupassen.
PS: Aktuell gibt es bei Thomann besonders günstig eine Limited Edition (LTD) in fünf verschiedenen Farben.
Anlässlich meines Besuches der Musikmesse Frankfurt am 10.4.2013 suchte ich u.a. nach einer E-Gitarre mit einem Single Cutaway, also im Paula-Stil, die über ein Low-Profile FR-Trem sowie einen fließenden Hals/Korpus-Übergang verfügt (siehe hierzu auch meinen Bericht von der Musikmesse sowie den Thread Gibt es eine Paula-like Gitarre mit Low Profile FR-Tremolo?).
Das Ergebnis meiner Recherchen vor, während und nach der Musikmesse war ernüchternd. Ich fand lediglich die Aria Pro II PE-SUPRA, die diese Anforderungen erfüllte, mir aber zu teuer war (3.599 ) und dessen Kahler-Trem ich auch nirgends testen konnte. Zudem hatte ich 1984 die schlechte Erfahrung mit der goldenen Hardware einer Hoyer Les Paul gemacht, dass diese sehr schnell unansehnlich wurde. Deshalb schrecke ich zudem erst einmal vor der goldenen Hardware der Aria Pro II PE-SUPRA zurück.
Obwohl die PRS SE Tremonti Custom GBK weder über ein Low-Profile FR-Trem noch über einen fließenden Hals/Korpus-Übergang verfügt, habe ich mich gleichwohl für sie entschieden. Zu den Gründen später mehr.
Vorbemerkung:
Dieser Review ist subjektiv und das lässt sich auch nicht verhindern, weil er auf meinen persönlichen Erfahrungen und Eindrücken beruht. Deswegen erfolgen Vergleiche auch überwiegend mit den E-Gitarren, die ich habe (Line6 James Tyler Variax JTV-59, Ibanez S5470F, Fender American Deluxe Strat HSS, Music Man Silhouette). Gleichwohl ist er so objektiv wie möglich, denn ich bekomme keine Ver-/Begünstigungen für diesen Review und PRS schaltet auch keine Werbung auf meinen Webseiten. Vielmehr ist das ein Versuch einen Beitrag für die Musikerboard-Community zu leisten, von der ich selbst durch viele wertvolle Hinweise und Tipps bereits profitierte.
Allgemeine und technische Daten:
Auch wenn Ihr die meisten allgemeinen und technischen Daten bereits der PRS-Website sowie den Produktseiten der Online-Anbieter entnehmen könnt, so präsentiere ich sie hier gleichwohl zwecks besserer Übersichtlichkeit/Lesbarkeit:
- Derzeit üblicher Preis in Online-Shops: 769 Euro
- Tremonti Signature Modell
- Mahagoni Korpus
(soll ohne zusätzliche Löcher sein = nicht gechampert und kein weight relief) - angeschrägte Ahorndecke mit geflamten Ahornfurnier
- eingeleimter Ahornhals
- Palisandergriffbrett
- 635 mm = 25 Mensur
- 22 Bünde
- Wide Thin Halsprofil
- Birds Griffbretteinlagen
- 2x SE245 Humbucker Tonabnehmer
- 3-Wege Pickup-Wahlschalter (toggle switch)
- 2 Volume- und 2 Tone-Regler
- PRS Designed trem-up Rout Brücke
- PRS Designed Mechaniken
- Finish: Gray Black
- inkl. Gigbag
- Gewicht: ca. 3,5 kg (laut meiner Waage)
Die PRS SE Tremonti Custom GBK wird in Korea von World Musical Instrument Co. Ltd. unter der exklusiven Lizenz von PRS Guitars hergestellt. Sie kostet damit nur etwa ein Viertel der amerikanischen PRS Mark Tremonti Signature Modelle wie etwa die PRS Mark Tremonti Trem CB (aktuell 2.998 €).
Auch wenn die PRS SE Modelle einen guten Ruf haben und PRS generell nachgesagt wird, dass ihre Gitarren eine geringe Streuung bei der Qualität aufweisen, so gibt es angesichts des großen Preisunterschieds zwischen dem PRS und dem PRS SE Modell verständlicherweise Unterschiede in der Qualität der verbauten Teile. So verfügt das PRS SE Modell beispielsweise nicht über Lockingmechaniken und die Pickups sind Standard-Pickups der SE-Modelle und nicht die Tremonti-Pickups der US-Modelle.
Modifizierungen und Upgrades
Werkseitig wird die PRS SE Tremonti Custom GBK wie fast alle SE-Modelle mit einem 009er Saitensatz ausgeliefert. Mit dieser Saitenstärke spielt es sich auf dieser Gitarre, die mit ihrer Mensur zwischen der einer Fender Strat (648 mm = 25,5") und einer Gibson Les Paul (628 mm =24,75") liegt, butterweich. Beim Wechsel auf dickere Saiten gilt es jedoch zu bedenken, dass dann der Sattel voraussichtlich nachgefeilt werden muss. So zumindest wäre es bei meiner Gitarre gewesen. Ich habe auf einen 010er Saitensatz gewechselt und statt den Sattel von meinem lokalen Gitarrenhändler meines Vertrauens in Bonn nacharbeiten zu lassen, habe ich es gleich vorgezogen einen GraphTech Black TUSQ XL nut 6 Stg Electric Nut 43 x 6 (PT-6643-00), den ich bei wonderwood.de gekauft hatte, einbauen und für einen 010er Saitensatz feilen zu lassen.
Ferner tauschte er mir auf meinen Wunsch hin die schwarzen SE245 Humbucker Tonabnehmer durch diese Tonabnehmer im Zebra-Look aus. Das war nur möglich, weil er bei einer Gitarre aus seinem Laden die Zebras durch die schwarzen SE245er ersetzen wollte (Win-Win-Situation). Seltsamerweise hörte ich danach den Hals-Pickup mitschwingen. Das Problem löste mein lokaler Gitarenhändler mit Schaumstoff unter dem Pickup.
Laut Mailantwort von Thomann gibt es übrigens leider nur die schwarzen SE245 von PRS als Pickups zu kaufen, nicht aber die SE245 Zebras.
Ich selbst tauschte die Originalmechaniken durch Schaller M6 Klemmechaniken (Clamped 3R/3L Chrome2) aus, die ich bei Thomann erworben hatte. Das Erfreuliche daran war, dass die Mechaniken einfach, d.h. ohne irreversible Veränderungen und nur mit einem Kreuzschraubenzieher sowie einem Maulschlüssel auszutauschen waren. Neben der höheren Stimmstabilität bevorzuge ich Klemmechaniken auch weil die Mechaniken bei einem Saitenwechsel nicht so viel gedreht werden müssen. Nicht so schön ist, dass die Flügel der Schaller-Mechaniken bei den beiden E-Saiten beim Drehen schon die Kopfplatte berühren. Das Drehen geht zwar noch, aber da scheinen die Flügel weiter runterzugehen als bei den Original-Mechaniken von PRS.
Ferner brachte ich Schaller Security Locks C 446 für den Gitarrengurt an, die ich mir ebenfalls bei Thomann besorgt hatte.
Des Weiteren besorgte ich mir bei Rockinger einen Switch Washer mit Rhythm und Trouble bedruckt und brachte ihn an. Das war allerdings etwas tricky, denn dafür musste ich innen und außen von dem Switch die Unterlegscheiben entfernen, anders ließ sich die Mutter nicht mehr zudrehen.
Schließlich tauschte ich auch noch die Volume- und Tone-Regler gegen cremefarbene Exemplare im Fender Strat Stil aus, die ich bei Guitar Parts Resource, LLC, bestellte. Der Farbton ist zwar nicht ganz mit dem Creme-Farbton der Pickup-Rahmen und Zebra-Pickups identisch, aber schon relativ nahe dran. Die Originalregler bekam ich ohne Beschädigung der Gitarre leicht herunter, indem ich einem Tipp meines lokalen Gitarrenhändlers folgte und mit zwei Plektren links und rechts unterhalb des Reglers diesen nach oben zog. Die Ersatzregler im Fender Strat Stil hatten einen kleinen Schönheitsfehler: Sie hatten innen keine Riffelung und drehten deswegen beim auf- oder zudrehen des Reglers leicht durch. Hiergegen half es den Schlitz der Poti mit einem Schraubenzieher leicht zu vergrößern.
Hier zwei Fotos zum Vergleich, damit Ihr sehen könnt, wie sich die Optik durch die Modifizierungen verändert hat:
PRS SE Tremonti Custom GBK im Originalzustand
PRS SE Tremonti Custom GBK modifiziert
Sorry für die nicht so tollen Fotos, aber immer wenn ich fotografiere, habe ich das Glück, dass die Sonne verschwunden ist und die Kamera den Blitz auslöst.
Die Verarbeitung und der Lieferumfang
Die Verarbeitung und die Saitenlage der PRS SE Tremonti Custom GBK war einwandfrei. Da gab es für mich nichts zu meckern. Nein, vielmehr ist sie so gut verarbeitet, dass es mir richtig Spaß macht mit ihr zu spielen. Und das habe ich dann auch schon einige Abende gemacht. Anscheinend sind aufgrund meiner Spielweise allerdings schon erste Kratzer vom Plektrum zu sehen, wo bei einer Gibson Les Paul standardmäßig das Pickguard sitzt.
Könnte sein, dass das durch die grundsätzlich flache, nur am Rand abgeschrägte Decke begünstigt wird, denn bei meiner Strat und Music Man sind entsprechende Kratzer auf dem Pickguard zu sehen, während da meine eher Paula ähnliche Line6 James Tyler Variax JTV-59 eine gewölbte Decke aufweist, bei der mir solche Kratzer noch nicht aufgefallen sind.
Im Lieferumfang war noch ein einfaches Gitarrenkabel, das Werkzeug für den Trussrod einzustellen sowie ein kleiner Innensechskant (Inbusschlüssel) für das Feststellen des Jammerhakens (whammy bar).
Das ebenfalls zum Lieferumfang gehörende rote Gigbag hat ein praktisches Reißverschlussfach, kann auch wie ein Rucksack getragen werden und ist ordentlich verarbeitet. Da alle meine anderen Gitarren einen Koffer haben bzw. ich ihnen einen gegönnt habe, werde ich wahrscheinlich auch für die PRS SE Tremonti Custom GBK irgendwann noch einen Koffer, wahrscheinlich einen SKB-Koffer, kaufen.
Die Bespielbarkeit und der Klang
Die Bespielbarkeit ist für eine Gitarre in der Preisklasse unter 1.000 Euro hervorragend und hält auch mit meinen anderen vier E-Gitarren mit, die alle mehr gekostet haben. Die Bundstäbe sind schön flach, so dass sich gut über die Saiten rutschen lässt. Das ist leider bei meiner über 1.000 Euro kostenden Line6 James Tyler Variax JTV-59, die ebenfalls in Korea von World Musical Instrument Co. Ltd. gebaut wurde, leider nicht der Fall. Dort sind die Bundstäbe deutlich höher, für mich störend hoch.
Der Hals der PRS SE Tremonti Custom GBK ist zwar lackiert, aber für mich gleichwohl sehr angenehm zu spielen. Nicht so dick / fleischig wie der Hals der JTV-59, der schon eher an einen Baseballschläger erinnert, aber auch nicht so dünn wie der Super Wizard Hals meiner Ibanez S5470F. Sehr komfortabel auch für schnelles Spielen. In hohen Lagen hat sie zwar leider nicht den von mir gewünschten fließenden Hals/Korpus-Übergang, aber das wird etwas durch das abgerundete Cutaway kompensiert. Zudem ist der eingesetzte Hals auf der Rückseite unten etwas weiter ausgefräst.
Schon unverstärkt tönt diese Gitarre angenehm und kräftig. Noch nie bekam ich mit einer Gitarre so leicht Pinch Harmonics (Squealies) gespielt. Der helle Wahnsinn! Erkennbar ist diese Gitarre geradezu wie gemacht für Rock sowie Heavy Metal. Mit dem Tonregler für den Hals-Pickup auf 5 gestellt, bekomme ich mit meinem Verstärker, dem Marshall JMD:1 50 Head (siehe hierzu meinen Review) einen schönen warmen Womanizer-Ton für beispielsweise Songs wie Still Got The Blues von Gary Moore und Knocking On Heaven´s Door von Guns ´n´ Roses hin. Die Gitarre singt dabei mit langem Sustain, dass es eine wahre Freude ist.
Mit dem Volumen-Regler lässt sich übrigens ebenfalls gut arbeiten, so dass Du hierüber den Verzerrungsgrad der Gitarre feinfühlig steuern kannst.
Clean liefern die Humbucker natürlich nicht den Twäng meiner Fender American Deluxe Strat oder meiner Music Man Silhouette. Deshalb werde ich die Gitarre tendenziell eher nicht bei Funk- und Soulsongs einsetzen, sondern halt bei Rocksongs, die einen fetten Humbucker-Sound mit viel Sustain erfordern. Da mir der Sound der SE245 Humbucker gut gefällt, gedenke ich aktuell nicht diese gegen andere Humbucker, die splittbar sind, auszutauschen.
Als erfreulich empfinde ich, dass meine PRS SE Tremonti Custom GBK im Gegensatz zu meiner Line6 James Tyler Variax JTV-59 auch clean mit dem Hals-Humbucker sehr ausgewogen klingt, d.h. konkret nicht die Bässe überbetont, sprich dröhnt. Sie klingt aber dann clean auch nicht so dumpf wie der Hals-Humbucker meiner Ibanez S5470F. Die SE245 Humbucker scheinen sehr gut zur Gitarre zu passen. Das hat PRS richtig gut hinbekommen. Hut ab dafür!
Die Bundstäbe sind sauber eingesetzt. Während es da Probleme bei meiner Line6 JTV-59 einschließlich Deadspots gab, konnte ich bei meiner PRS SE Tremonti Custom GBK keine solchen Probleme ausmachen. Da bleibt auch jeder gegriffene Ton stehen.
Das Vibratosystem, fälschlich Tremolo genannt
Das PRS-Tremolo ist unterfräst, sprich frei schwebend. Das hat den Vorteil, dass Du nicht nur Töne nach unten (down-bends), sondern auch noch oben (up-bends) mit dem Jammerhaken (whammy bar) erzeugen kannst. Divebombs auf der tiefen E-Saite über eine ganze Oktave wie mit dem Doppellocking ZR-Trem meiner Ibanez S5470F sind mit dem eher im Vintage-Style gehaltenen PRS-Tremolo nicht realisierbar, aber mehrere Halbtöne gehen da auf jeder Saite, ähnlich wie bei meiner Fender American Deluxe Strat HSS. Up-bends gehen bei der PRS SE Tremonti Custom GBK übrigens je nach Saite um 2 bis 5 Halbtöne nach oben. Und sehr stimmstabil ist es bei mir trotz Vintage-Style.
Das unterfräste Trem hat allerdings leider auch einen Nachteil: Wenn eine Saite reißt, ist die Gitarre verstimmt. Das Problem tritt mit einem aufliegenden Brücke (Bridge) nicht auf, aber dann gehen eben auch keine up-bends, sondern nur down-bends.
Zudem ist dadurch ein Umstimmen in ein anderes Tuning deutlich aufwendiger und nicht mal nebenbei so einfach zu machen.
Ich hatte auch deshalb mit dem Gedanken gespielt, in die Gitarre ein Tremol-no testweise einzubauen. Von diesem Vorhaben habe ich aber wieder Abstand genommen. Zum einem ist das PRS-Tremolo mit seinen vier Federn so schwergängig, dass ich ohne Verstimmungen Palm Muting mit der Hand auf der Brücke (Bridge) spielen kann. Zum anderen ist an dem Blech für die Federn ein Kabel angelötet (ich nehme an als Erdung), das ich nicht ab- und wieder dranlöten lassen wollte.
Über den beigefügten Sechskantschlüssel lässt sich übrigens hinten an der Brücke einstellen wie fest der Jammerhaken sitzen soll.
Soundsamples:
Hier verweise ich erst einmal auf die folgenden beiden hörenswerte Videos:
sowie
Rob Chapman und Capt Lee von Andertons
Vergleicht man den Sound der Gitarre bei diesen beiden Videos merkt man, dass die Gitarre sowohl für Metal als auch Rock gut eingesetzt werden kann und je nach Spieltechnik und Verstärker(einstellungen) ganz unterschiedlich klingt.
Wenn großes Interesse daran bestehen sollte, werde ich mir noch die Mühe machen und mal eigene Soundbeispiele erstellen und online stellen.
Mein persönliches Fazit:
Die PRS SE Tremonti Custom GBK rockt und mit ihr kann ich so leicht wie noch nie Pinch Harmonics spielen. Deshalb hat meine modifizierte PRS SE Tremonti Custom GBK von mir auch den Namen My Beast bekommen. Da habe ich für kleines Geld eine wirklich gute Rock-Gitarre bekommen. Meine Modifikationen an der Gitarre sind nicht zwingend notwendig gewesen, da sie out-of-the-box schon ein gutes Arbeitstier ist, aber ich liebe es eine Gitarre an meine Bedürfnisse anzupassen.
PS: Aktuell gibt es bei Thomann besonders günstig eine Limited Edition (LTD) in fünf verschiedenen Farben.
- Eigenschaft
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