
dr_rollo
Mod Keyboards und Musik-Praxis
Es ist vollbracht
die Wahl ist getroffen, ich habe zugeschlagen und bin bislang äußert zufrieden. Ein Pärchen von diesem Exemplar ist es geworden und nun komme ich auch endlich dazu, darüber zu berichten:HK Audio Polar 12

...und wie es dazu kam:
Ich beschäftige mich schon länger mit der Aufrüstung meiner Mini-PA. Seit einigen Jahren nutze ich zwei aktive Yamaha DBR10, die für unser Akustik-Duo im Grunde ausreichend sind, für die 5-Mann Bluesrock Combo zu knapp bemessen, gerade wenn man mal auch die Bassdrum mit abnehmen möchte. Selbst draußen im Biergarten würde ich mir auch für das Akustik-Duo etwas mehr Wumms wünschen, vor allem im Bassbereich. Daher dachte ich anfangs über einen aktiven Subwoofer nach, der allerdings nur noch schwer in meinem Auto unterzubringen wäre, weil das schon ziemlich voll ist. Die Maße eines 15er, wenn nicht sogar 18er Bass sind schon heftig. Es hieß zwar hier auch, dass es Subs mit zwei 8ern gäbe, die von den Maßen nicht zu groß wären, aber trotzdem ausreichend Pfund liefern würden. Dann kam mir die Idee mit einer Säulen-PA, also die Yamaha Boxen gar nicht mehr, dafür die zwei Subs, die von der Größe nur unwesentlich größer als die beiden Yamahas sein sollten, und die Säulen selbst noch irgendwo oben drauf, was vom Platz her eher machbar wäre, als einen zusätzlichen Subwoofer.
Ich hab mir darauf hin verschiedene Säulensystem angehört, als erstes welche mit je zwei 8er Bässen, die LD Maui 28 G2. Kompakte Maße, so wie ich es mir vorgestellt hab, mit 1000 Watt Sinus reichlich Power. Sehr schnell war mir klar, dass 8er in den Bässen nicht das bringen, was ich mir vorgestellt hatte, außerdem merkte man, dass die Boxen schnell an den Grenzen waren und das bei Konserven-Mucke, und sie bei Livemusik mit ganz anderer Dynamik klarkommen müssen. Ich hab dann zum Vergleich noch eine weitere Säule mit 10ern gehört, und die LD Maui 28 G3, die einen 12er im Bass hat. Das kam dem, was ich mir vorgestellt hatte schon näher. Trotzdem wollten sie mich dort von einem Subwoofer zu meinen 10er Aktivboxen überzeugen. Nun ja, erster Anlauf, aber erst einmal abgebrochen.
Nun ergab sich ein Treffen bei Thomann, bei dem auch einige Musiker-Board Kollegen anwesend waren. Die hatten auch schon mitbekommen, dass ich auf der Suche war. Gemeinsam begaben wir uns in den Vorführraum, wo diverse Säulensysteme antestbar bereit standen. Wir fokussierten uns auf die LD MAUI und konnten direkt im Vergleich daneben die HK Polar 10 und 12 hören. Nach ner halben Stunde mehrfachen Umschaltens zwischen den Systemen waren wir uns relativ schnell einig, dass die Polar das besser klingende System ist. Komischerweise war der Unterschied im Bassbereiche bei der Polar 10 und der 12 nicht wirklich groß, dafür klang komischerweise die 12er im Mittenbereich deutlich angenehmer, obwohl ja die Tops bei beiden Systemen identisch sein sollten. Wir haben dann die Einstellungen bei den EQs und DSP abgeglichen, auf Werkseinstellung zurückgesetzt und sogar einmal die Tops der Systeme vertauscht um einen Defekt bei den Speakern auszuschließen, aber der Unterschied blieb. Also war ziemlich schnell klar, was am Ende des Tages in meinem Kofferraum landen würde, auch wenn die Maße der Subs eigentlich über das hinausgehen, was ich mir vorgestellt hatte. Aber bevor ich mir was zulege, was dann doch plötzlich wieder nicht ausreichend ist, lieber ne Nummer größer kaufen.
Um nochmal auf Nummer sicher zu gehen, hörten wir uns zum Schluss noch einmal eine Säule von Bose, die L1 Pro, sowie die Electro-Voice Evolve und ein DAS Säulensystem (Typ hab ich mir nicht gemerkt). Obwohl diese Systeme noch ne ganze Ecke teurer waren, war da nichts, was uns irgendwie aufhorchen ließ und die Entscheidung für die Polar 12 nochmal zu überdenken.
Also kurzerhand zugeschlagen, zwei der Polar 12 waren gerade noch am Lager, weil ein anderer Käufer, der die bestellt hatte, wohl abgesprungen war, und dann mit dem Auto zum Lager, wo ich dann doch etwas skeptisch war, als ich die riesige Palette sah. Trotz großem Kombi war klar, dass ich die in den Kartons nicht in's Auto bekommen würde. Aber was sollte ich auch mit den riesigen Kartons, also ausgepackt. Zum Lieferumfang gehören übrigens auch zwei stabile Hüllen für die Bässe, sowie jeweils eine Tasche, wo die bestückte Säule und der optionale Spacer reinpasst. Die Subs plus die Säulen passen so gerade noch in den Kofferraum ohne dass ich die Rückbank umklappen muss, und auch die Kofferraumabdeckung bleibt drüber, was mir ganz recht war, weil der Wagen über Nacht unbewacht auf dem Parkplatz stehen würde.
Zu Hause dann erst einmal in den Keller gestellt, weil noch keine Zeit und auch erst einmal noch kein Gig, wo ich die einsetzen könnte. Zwar war am Wochenende ein Schützenfest mit der Tanzmucke, aber a. haben wir dort ne eigene Anlage, b. außerdem großes Zelt und da wollte ich nicht unbedingt experimentieren, ob die HK ausreicht und c. hätte ich sie gar nicht zu dem anderen Kram, den ich dort mitschleppen muss, mehr in's Auto bekommen. Der nächste Einsatz wäre tatsächlich eine Gartenparty gewesen, wo ich nur die Anlage für Konserve mitgebracht hätte. Die Party ist dann allerdings leider kurzfristig ausgefallen. Der nächste geplante Gig war mit dem Akustik-Duo, wenn schönes Wetter gewesen wäre, draußen im Biergarten, wo meine aktiven 10er immer etwas unterbelichtet waren, aber weil's dann doch geregnet hat, sind wir in die Kneipe umgezogen.
Ein Raum für ca. 100-150 Leute, 6x3m Bühne, wo wir die Boxen, wie auch sonst üblich, leicht schräg hinter uns platziert haben, zwecks Monitoring. Wir verzichten auf Monitore, u.a. weil wir uns von der Bühne mischen und so mitbekommen, was nach draußen geht. Das funktioniert bei Akustik Mucke ganz gut, wegen überschaubarer Lautstärke von der Bühne, so dass wir bislang nicht mit Feedback Problemen zu tun hatten. Bei dieser Aufstellung konnten wir die Spacer weglassen, die Höhe der Hochtöner direkt auf den Subs, war genau richtig. Mein Kumpel sitzt auf seinem Cajon und bekommt den Schall direkt ab, ich stehe, da bin ich dann einen guten Kopf über den Säulen. Passte aber gut. Der Vorteil hier war, dass direkt vor uns noch meine Gesangslehrerin mit ihrem Gitarristen einen halbstündigen Slot über unsere Anlage absolvierte, somit hatte ich die Gelegenheit, die Anlage auch selber zu hören und optimal zu justieren. Die Anlage klang schön transparent, gerade die Vocals kamen schön sauber und verständlich rüber, der Sound verteilte sich super im Raum, egal wo man stand, überall war alles super zu hören.
Vielleicht erst noch mal was zur Technik bevor es an die weitere Praxis geht:
Bei der Polar 12 handelt es sich um ein System mit 12" Basslautsprecher im Sub und einer Säule mit 6x 3" Neodym Mitteltonlautsprecher und einem 1" Horn mit 120" x 30" Charakteristik. Die Endstufenleistung wird mit 2000 Watt angegeben, Frequenzbereich 35 Hz - 20 kHz und einem Max SPL von 127 dB. (Anmerkung: Das ist fast identisch mit der etwas kleineren Polar 10, die dann nur bis 38 Hz runtergeht und 1db weniger SPL macht, was auf den kleineren 10" Bass-Speaker zurückgeht. Die Säulen sind identisch.)
Das Gehäuse ist aus Birkenmultiplex bzw. ABS, mit schwarzem 2K-Lack, die Gitter sind aus 1,5mm (Sub) bzw. 1mm (Säule) Metall mit schwarzem Akustikschaumstoff. Die Maße des Sub sind 36,6 x 67,5 x 54,1 cm (B x H x T) und wiegt 22kg, besitzt oben einen Griff, und vorne an der Bodenplatte ein weiterer, was für Treppen oder auch zu zweit tragen ganz angenehm ist, auch wenn er so beim Transport etwas mehr Platz benötigt. Die beiden Säulen-Teile sind jeweils 10,8 x 82,5 x 9,8 cm (B x H x T) und eigen 3,9 kg die Säule mit Lautsprechern und 2,2 kg der Spacer. Beides zusammen passt in eine der mitgelieferten Taschen.
Wie üblich bei so gut wie allen Säulensystemen, die ich kenne, ist die komplette Technik, wie Anschlüsse, Endstufe, Bedienpanel etc. im Subwoofer verbaut. Die Säulen werden nur per Stecksystem auf den Subwoofer geflanscht, entweder mit Spacer oder ohne. Es gibt zwei Inputs mit XLR/Klinken-Combobuchse, mit jeweils einem Umschalter für Line oder Mikrofon-Empfindlichkeit, einen unsymmetrischer Klinkeneingang für ein Instrument, wie z.B. eine Gitarre, sowie einen weiteren Aux-Eingang (2x Cinchbuchse) für Audioquellen wie CD/MP3 Player, Dj Mixer oder Computer. Jeder Kanal ist mit einem Volumeregler ausgestattet. Alternativ kann man die Box auch über Bluetooth betreiben, hier regelt dann der Auxregler die Lautstärke. Es gibt einen Master Volume und einen Regler für den Anteil des Subwoofers. Über einen XLR Mixout kann man die Summe aller Eingänge weitergereicht werden, z.B. an eine zweite Säule, einen aktiven Monitor, für Mitschnitt oder um einen weiteren Sub anzuschließen, sofern der über einen HiCut verfügt. Für mich spielt das alles keine Rolle, da ich grundsätzlich ein Mischpult am Start habe, mit dem ich jede Säule über einen Line-In ansteuere. Daher spielt auch für mich die zusätzlich vorhandene LED Anzeige, die den Pegel der 4 Inputs anzeigt, nur eine nebensächliche Rolle.
Die HK Polar Verfügt über ein DSP, was hier eigentlich nichts weiter ist, als ein individuell regelbarer 3fach EQ mit parametrischen Mitten, außerdem ein Delay für den Einsatz der Säule als Delay-Line mit Einstellung von 0-100m . Man kann sich neben den vorhandenen drei Modes Music (Livemusik), Voice (für reine Sprachübertragung) und DJ (Musik von Konserve) auch 5 eigene User Presets ablegen und benennen. Für meine Einsätze nutze ich erst einmal das Livemusik Preset. Mit den Einstellungen werde ich mich später vielleicht nochmal genauer befassen. Ich gehe davon aus, dass sie sich schon was dabei gedacht haben, wie sie die Presets eingestellt haben.
Zweiter Einsatz der Anlage war wieder mit dem Akustik-Duo, diesmal draußen, aber auch noch verhalten, das es lediglich um nette Beschallung bei einem Bürgerbrunch auf der Terrasse ging, wo die meisten schon fast auf Tuchfühlung zu uns saßen. Diesmal mit den Spacern, weil wir nebenerdig standen und die Boxen neben uns, so dass die Boxen zumindest über die Köpfe der ersten sitzenden Gäste auch die hinteren Tische erreichen konnten. Mein Kumpel, der im Sitzen spielt, hörte trotzdem von den Boxen genug.
Dann kam der erste Gig mit der 5-Mann Band, gleich draußen, also Härtetest, bei dem meine alten 10/2er kläglich versagt hätten. Wir mussten hier ca. 300 Gäste beschallen, die meisten sitzend 5m vor der Bühne. Wir spielten ebenerdig ohne Bühne lediglich unter einem größeren Pavillon. Die Boxen standen diesmal nicht hinter uns, sondern vor uns jeweils links und rechts an der vorderen Ecke des Pavillons. Alle Instrumente wurden abgenommen, und vor allem wegen Drums hatte ich mich für ausreichend Reserve im Bassbereich entschieden, gerade wenn man auch mal kleine Sachen draußen beschallen muss. Anfangs war ich etwas zurückhaltend mit der Lautstärke. Wir hatten auch leider keine Gelegenheit für einen Soundcheck. Erst beim dritten Song verzichtete ich kurzfristig auf die Keyboards, ging nach vorne, um mir das anzuhören, weil einige meinten, der Gesang und die Keyboards wären zu leise, die einzigen Instrumente ohne Direktschall von der Bühne. Hab dann die Lautstärke nochmal deutlich nach oben korrigiert, und sofort passten die Verhältnisse. Man darf also und braucht auch nicht zu sehr zurückhaltend sein. Interessant fand ich auch die Streuung zu den Seiten. Der Sound war ziemlich ausgeglichen, egal, ob ich vor der Bühne stand, oder mich nach links oder rechts bewegte. Ich hatte leider nur keine Gelegenheit, mir das weiter hinten anzuhören. Das Feedback der Gäste - überwiegend älteres Publikum - war zumindest positiv, gerade was Sound und Lautstärke anging.
Mittlerweile haten wir auch einige In-Door-Gigs mit der 5-Mann-Band, wo diese Säulen zum Einsatz kamen. Alles ohne irgendwelche Probleme und mit positivem Feedback vom Publikum, was den Sound angeht. Letzte Woche hatte ich die Aufgabe, eine 4-Mann-Blues Band abzumischen, Drums, Bass, zwei E-Gitarren, zweimal Vocals, überschaubarer Raum, mit etwa 80qm freier Fläche vor der Bühne, sowie rechts und links etwas abgesetzt über Säulen und teilweise Leichtbauwände noch ein paar Nebenflächen mit Tischen.
Das war endlich mal die Gelegenheit, die Anlage wirklich auf Herz und Nieren zu testen. Das Drumset hab ich mit Bassdrum, Snare und Overhead mikrofoniert, E-Bass über DI-Out abgenommen, die Gitarrenamps per Mikro. Das Drumset klang super, Bassdrum differenziert und trotzdem mit Druck, der Bass schön fett, die Vocals transparent und durchsetzungsfähig. Und was mich am meisten überrascht hat, dass der Sound überall in der Kneipe gepasst hat, sowohl 5m vor der Bühne als auch an der Theke, die knapp 20m von der Bühne entfernt steht, aber auch an den Seiten, wo es sich die meisten Gäste gemütlich gemacht hatten.
Jetzt warte ich nur nochmal auf einen Einsatz für Konservenmucke, um zu schauen, was die Boxen dort so leisten.
Hier die wichtigsten technischen Daten:
- Der Sub ist mit einem 12" Langhuber ausgestattet
- 2000 Watt Class D Endstufe
- 2 umschaltbare Mic/Line Inputs als XLR/Klinken-Combo ausgelegt
- 2 HiZ-Instrumenten-Input als Klinke
- 1 Stereo Input (Cinch)
- Bluetooth 5.0 für AudioStreaming
- Die Inputs können über einen XLR-Out an die zweite Box weitergegeben werden)
- Die Säule besteht aus einem aktiven und einem passiven Teil (Spacer)
- der aktive ist mit einem 1" Kompressionstreiber mit CD-Horn mit einem Abstrahlwinkel con 120° x 30°, sowie 6 x 3" Mittenlautsprecher bestückt
Die Maße
- Sub: (B x H x T): 36,6 x 67,5 x 54,1 cm, Gewicht: 22,1 kg
- Top/Spacer: (B x H x T): 10,8 x 82,5 x 9,8 cm, Gewicht: 3,9 kg(aktiv) und 2 kg (Spacer)
Und selbst wenn es top passt, ist es mir dann doch a. zu teuer, b. könnte ich nicht beide Subs aufgrund ihrer Bauweise nicht stapeln, müsste also zweimal damit fahren und hätte zudem noch wieder das Problem, dieses Rollbrett auch noch im Auto zu verstauen. Sorry, aber solange ich nicht Treppensteigen muss, bin ich noch kräftig genug, je einen Sub links und einen rechts zu tragen.
Mein Fazit bisher:
Die HK Audio Polar 12 ist ein gut transportables System mit sehr gutem und transparentem Sound, reichlich Leistungsreserven, so dass man damit locker eine komplette Band abnehmen kann und ohne Probleme Räume mit 150 Personen und mehr beschallen, sowie auch durchaus Open-Air Beschallung in überschaubarem Rahmen durchführen kann. Das System ist von der Bedienung einfach handzuhaben, ist sehr schnell aufgebaut und einsatzbereit. Es würde für kleinere Besetzungen auch ohne separatem Mixer auskommen (z.B. zweimal Vocals, Gitarre und Keyboard oder bei Kaskadierung sogar dreimal Vocals zwei Gitarren und zwei Keyboards). Durch die Spacer hat man etwas mehr Flexibilität, was den Aufbau betrifft, allerdings wäre man noch flexibler, wenn es eine Boxenstange wäre, die man in der Höhe verschieben kann, wie RCF oder db das machen. Super ist, dass gleich passende Taschen und Schutzhülle für den Sub mit geliefert werden. Das Preis-/Leistungsverhältnis finde ich völlig ok, andere Säulensysteme, die wir beim Vergleichstest angehört haben, waren teurer und klangen nicht so gut, nicht einmal die deutlich teureren Bose hatten irgendeinen 'Aha'-Effekt bei uns ausgelöst. Im engeren Vergleich waren die LD Maui 28 G3, die ähnlich gut klangen, aber dann doch hinter den HK zurücklagen, unabhängig davon, dass sie auch noch teurer sind. Lediglich die Maße der Subs hätten mir mehr zugesagt.
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