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Gewa Cellow Bow 4/4
So, heute mal ein etwas anderes Review von mir aus einer komplett anderen Kategorie.
Hintergrund
Zunächst vorab als wichtige Info vor allem für alle Cellisten und auch warum das Review im E-Gitarren-Forum steht:
Dieses Review hat nichts mit Cellospielen zu tun, denn weder besitze ich ein Cello, noch habe ich auch nur annähernd Ahnung vom Cellospielen und allem was damit zusammenhängt.
Ich bin in erster Linie Gitarrist der sich stilistisch im Sektor Ambient, Post Rock und Filmmusik wohlfühlt. Als Vorbild oder besser gesagt Inspiration diente mir für die Kombination Cello Bogen und E-Gitarre der Sänger und Gitarrist Jónsi der isländischen Ausnahmeband Sigur Rós.
Andere bekannte Gitarristen die den Bogen für die E-Gitarre verwendeten wie z.B. Jimmy Page und Konsorten sind mir und vor allem meiner Spielweise mit dem Bogen dagegen eher fremd. Auch hat deren Musik nicht viel mit meinem Stil zu tun. Dazu aber später mehr.
Kaufentscheid
In Sachen Kaufentscheid habe ich nicht lange gefackelt. Es war klar dass ich nicht gleich einen Carbon Bogen kaufen werde, sondern dass für meinen Anwendungsbereich (erstmal) was Einsteigermäßiges, Günstigeres ok ist.
Die Größe des gewählten Bogens fühlt sich für das Spielen auf der Gitarre passend an.
Die „kantige“ Stange liegt griffig und angenehm in der Hand. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich auch keinen Bogen mit runder Stange probiert habe. Dieser hier passte einfach.
Die Praxis, Tipps zur Anwendung
Nun möchte ich im Zuge dieses Reviews zu einigen mMn wichtigen Tipps kommen, die generell helfen sollen um besser ins Bogenspiel auf der Gitarre reinzukommen und evtl. Enttäuschungen zu vermeiden, wenn man vorher schon darüber weiß:
- Stichwort Rosin (oder zu Deutsch: Kolophonium):
Der Bogen braucht viel davon, sehr viel. Mal kurz drüber reiben übers Haar reicht nicht um ausreichend Widerstand auf den Saiten und somit Klangerzeugung anstatt Quietschen zu erzeugen. Das hat aber mWn nichts mit dem Gewa Bogen zu tun, das ist wohl generell so.
Verwenden tue ich das ganz normale Rosin von Gewa.
- Wahl der Gitarre, denn:
Das Kolophonium des Bogens erzeugt beim Spielen ordentlich (leicht klebrigen) Staub auf der Decke der Gitarre und den PUs. Ich würde also nicht empfehlen eine Gitarre dafür herzunehmen bei der einem wichtig ist, dass der edle Lack ständig auf Hochglanz poliert ist. Man kann die Gitarre natürlich direkt nach dem Spielen sofort wieder sauber polieren wenn man nur ein oder wenige Instrumente zur Verfügung hat oder einem das einfach stört.
Kleine Anekdote zwischendurch: Der oben erwähnte Gitarrist Jónsi von Sigur Rós z.B. legt sogar Wert darauf, dass nichts gereinigt wird. (Ich will jetzt nicht spekulieren warum das so ist.) Ich kenne nur die Geschichte, dass einmal sein neuer Guitar Tech nichts davon wusste, und die seit Jahren mit Kolophonium bespielte Gitarre nach einem Gig blitzeblank putzte und dachte er hätte was Gutes getan. Auf die Reaktion Jónsis angesprochen meinte er nur, er hätte sich mit einer Deutlichkeit dazu geäußert, dass ihm das sicher nicht noch einmal passieren würde…
Ich habe mich in meinem Fall dafür entschieden eine Gitarre zu nehmen, die ausschließlich fürs Cello Spielen da ist. Das liegt aber auch und vor allem am nächsten Punkt, nämlich den Saiten.
- Die Saiten:
Man kann natürlich einfach die Saiten nehmen die man gewohnt ist (also z.B. herkömmliche Roundwounds). Funktioniert. Ich habe jedoch gelesen und dann nach Probieren auch selbst festgestellt dass sich Flatwounds besonders gut eignen. Eigentlich könnte man meinen, dass durch ihre flache, glatte Oberfläche der Bogen noch mehr einfach nur drüberrutscht und somit zu wenig Reibungswiderstand und keinen richtigen Klang erzeugt.
Es ist jedoch ganz im Gegenteil so, dass durch die ebene, flache Oberfläche der Flatwounds eine größere Kontaktoberfläche vorhanden ist und somit deutlich leichter ein Klang zu erzeugen ist. Bei ganz normalen Roundwounds rutscht der Bogen im Vergleich nur so drüber.
Die von mir verwendeten Flatwounds sind übrigens auch ein Grund warum ich extra eine Gitarre nur fürs Bogenspielen verwende. Fürs normale Spielen klingen die mir einfach zu dumpf.
Was noch dazukommt: Wer nach dem Spielen Wert darauf legt, die Saiten zu reinigen und das Rosin zu entfernen, dann ist es bei normalen Roundwound Saiten so, dass man die Saiten einfach nicht mehr 100% sauber bekommt. Diese Verunreinigung wirkt sich dann auf das normale Spielen klanglich aus. Nebenbei fühlt sich Kolophonium auf den Saiten bei Berührung mMn auch nicht schön an.
Zusammengefasst nehme ich daher wie schon erwähnt eine Gitarre ausschließlich fürs Bogenspielen und reinige weder Gitarre noch Saiten.
- Das Spielen:
Was die Anwendung des Kolophoniums und das Spielen des Bogen selbst betrifft, bin ich der Meinung, dass das jeder (auch nach der jeweiligen Spielweise ausgerichtet) ein bisschen für sich selbst rausfinden muss. Es gibt es zahlreiche Lesson-Videos auf Youtube, die sich daher auch sehr voneinander unterscheiden.
Außer dem Streichen verwende ich den Bogen ab und an auch noch als perkussives Instrument auf den Saiten. Gepaart mit einer guten Portion Modulation passt das auch wunderschön in meine oben erwähnten Richtungen.
Klangbeispiel
So, nun nochmal zu meinem eingangs erwähnten Spiel- und Musikstil. Sound zu beschreiben ist ja immer so eine Sache.
Daher habe ich mal einen Piano Track (mit ein bisschen Akustikgitarre) eines befreundeten Pianisten hergenommen um ihn mit Cellobogenspiel auf E-Gitarre zu untermalen. Natürlich läuft das Signal noch durch das ein oder andere Reverb und Delay und es ist auch eine kleine Portion Overdrive dabei. (Im Outro hört man es am besten.)
Alles in diesem Track was nicht eindeutig als Piano oder Akustikgitarre zu erkennen ist, stammt vom Cello-Bogen auf E-Gitarre. Es ist also auch kein Synthesizer oder sonst was dabei. ;-)
https://soundcloud.com/pranaya-klang/dawn-has-broken-pranaya-remix
Fazit
Es gab und gibt zahlreiche Gitarristen, die diese Möglichkeit der Klangerzeugung nützen. Ich gehöre wie schon erwähnt wohl eher nicht zur Masse bzw. zur kommerziellen Anwendergruppe (wenn man bei der Kombi Cellobogen + Gitarre überhaupt von kommerziell sprechen kann).
Ich bin zufrieden mit dem Bogen und weiß nicht wie und ob sich ein Upgrade auf z.B. einen Carbon Bogen für meinen Anwendungsbereich lohnen würde.
Ich vermute es geht nur übers Ausprobieren und hängt stark davon ab, was man damit macht.
Ich hoffe das Review hat dem ein oder anderen geholfen bei der Suche nach einem Bogen oder auch für die generelle Anwendung eines Cello-Bogens auf der E-Gitarre.
Daher vielen Dank fürs Lesen und schöne Grüße!
So, heute mal ein etwas anderes Review von mir aus einer komplett anderen Kategorie.
Hintergrund
Zunächst vorab als wichtige Info vor allem für alle Cellisten und auch warum das Review im E-Gitarren-Forum steht:
Dieses Review hat nichts mit Cellospielen zu tun, denn weder besitze ich ein Cello, noch habe ich auch nur annähernd Ahnung vom Cellospielen und allem was damit zusammenhängt.
Ich bin in erster Linie Gitarrist der sich stilistisch im Sektor Ambient, Post Rock und Filmmusik wohlfühlt. Als Vorbild oder besser gesagt Inspiration diente mir für die Kombination Cello Bogen und E-Gitarre der Sänger und Gitarrist Jónsi der isländischen Ausnahmeband Sigur Rós.
Andere bekannte Gitarristen die den Bogen für die E-Gitarre verwendeten wie z.B. Jimmy Page und Konsorten sind mir und vor allem meiner Spielweise mit dem Bogen dagegen eher fremd. Auch hat deren Musik nicht viel mit meinem Stil zu tun. Dazu aber später mehr.
Kaufentscheid
In Sachen Kaufentscheid habe ich nicht lange gefackelt. Es war klar dass ich nicht gleich einen Carbon Bogen kaufen werde, sondern dass für meinen Anwendungsbereich (erstmal) was Einsteigermäßiges, Günstigeres ok ist.
Die Größe des gewählten Bogens fühlt sich für das Spielen auf der Gitarre passend an.
Die „kantige“ Stange liegt griffig und angenehm in der Hand. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich auch keinen Bogen mit runder Stange probiert habe. Dieser hier passte einfach.
Die Praxis, Tipps zur Anwendung
Nun möchte ich im Zuge dieses Reviews zu einigen mMn wichtigen Tipps kommen, die generell helfen sollen um besser ins Bogenspiel auf der Gitarre reinzukommen und evtl. Enttäuschungen zu vermeiden, wenn man vorher schon darüber weiß:
- Stichwort Rosin (oder zu Deutsch: Kolophonium):
Der Bogen braucht viel davon, sehr viel. Mal kurz drüber reiben übers Haar reicht nicht um ausreichend Widerstand auf den Saiten und somit Klangerzeugung anstatt Quietschen zu erzeugen. Das hat aber mWn nichts mit dem Gewa Bogen zu tun, das ist wohl generell so.
Verwenden tue ich das ganz normale Rosin von Gewa.
- Wahl der Gitarre, denn:
Das Kolophonium des Bogens erzeugt beim Spielen ordentlich (leicht klebrigen) Staub auf der Decke der Gitarre und den PUs. Ich würde also nicht empfehlen eine Gitarre dafür herzunehmen bei der einem wichtig ist, dass der edle Lack ständig auf Hochglanz poliert ist. Man kann die Gitarre natürlich direkt nach dem Spielen sofort wieder sauber polieren wenn man nur ein oder wenige Instrumente zur Verfügung hat oder einem das einfach stört.
Kleine Anekdote zwischendurch: Der oben erwähnte Gitarrist Jónsi von Sigur Rós z.B. legt sogar Wert darauf, dass nichts gereinigt wird. (Ich will jetzt nicht spekulieren warum das so ist.) Ich kenne nur die Geschichte, dass einmal sein neuer Guitar Tech nichts davon wusste, und die seit Jahren mit Kolophonium bespielte Gitarre nach einem Gig blitzeblank putzte und dachte er hätte was Gutes getan. Auf die Reaktion Jónsis angesprochen meinte er nur, er hätte sich mit einer Deutlichkeit dazu geäußert, dass ihm das sicher nicht noch einmal passieren würde…
Ich habe mich in meinem Fall dafür entschieden eine Gitarre zu nehmen, die ausschließlich fürs Cello Spielen da ist. Das liegt aber auch und vor allem am nächsten Punkt, nämlich den Saiten.
- Die Saiten:
Man kann natürlich einfach die Saiten nehmen die man gewohnt ist (also z.B. herkömmliche Roundwounds). Funktioniert. Ich habe jedoch gelesen und dann nach Probieren auch selbst festgestellt dass sich Flatwounds besonders gut eignen. Eigentlich könnte man meinen, dass durch ihre flache, glatte Oberfläche der Bogen noch mehr einfach nur drüberrutscht und somit zu wenig Reibungswiderstand und keinen richtigen Klang erzeugt.
Es ist jedoch ganz im Gegenteil so, dass durch die ebene, flache Oberfläche der Flatwounds eine größere Kontaktoberfläche vorhanden ist und somit deutlich leichter ein Klang zu erzeugen ist. Bei ganz normalen Roundwounds rutscht der Bogen im Vergleich nur so drüber.
Die von mir verwendeten Flatwounds sind übrigens auch ein Grund warum ich extra eine Gitarre nur fürs Bogenspielen verwende. Fürs normale Spielen klingen die mir einfach zu dumpf.
Was noch dazukommt: Wer nach dem Spielen Wert darauf legt, die Saiten zu reinigen und das Rosin zu entfernen, dann ist es bei normalen Roundwound Saiten so, dass man die Saiten einfach nicht mehr 100% sauber bekommt. Diese Verunreinigung wirkt sich dann auf das normale Spielen klanglich aus. Nebenbei fühlt sich Kolophonium auf den Saiten bei Berührung mMn auch nicht schön an.
Zusammengefasst nehme ich daher wie schon erwähnt eine Gitarre ausschließlich fürs Bogenspielen und reinige weder Gitarre noch Saiten.
- Das Spielen:
Was die Anwendung des Kolophoniums und das Spielen des Bogen selbst betrifft, bin ich der Meinung, dass das jeder (auch nach der jeweiligen Spielweise ausgerichtet) ein bisschen für sich selbst rausfinden muss. Es gibt es zahlreiche Lesson-Videos auf Youtube, die sich daher auch sehr voneinander unterscheiden.
Außer dem Streichen verwende ich den Bogen ab und an auch noch als perkussives Instrument auf den Saiten. Gepaart mit einer guten Portion Modulation passt das auch wunderschön in meine oben erwähnten Richtungen.
Klangbeispiel
So, nun nochmal zu meinem eingangs erwähnten Spiel- und Musikstil. Sound zu beschreiben ist ja immer so eine Sache.
Daher habe ich mal einen Piano Track (mit ein bisschen Akustikgitarre) eines befreundeten Pianisten hergenommen um ihn mit Cellobogenspiel auf E-Gitarre zu untermalen. Natürlich läuft das Signal noch durch das ein oder andere Reverb und Delay und es ist auch eine kleine Portion Overdrive dabei. (Im Outro hört man es am besten.)
Alles in diesem Track was nicht eindeutig als Piano oder Akustikgitarre zu erkennen ist, stammt vom Cello-Bogen auf E-Gitarre. Es ist also auch kein Synthesizer oder sonst was dabei. ;-)
https://soundcloud.com/pranaya-klang/dawn-has-broken-pranaya-remix
Fazit
Es gab und gibt zahlreiche Gitarristen, die diese Möglichkeit der Klangerzeugung nützen. Ich gehöre wie schon erwähnt wohl eher nicht zur Masse bzw. zur kommerziellen Anwendergruppe (wenn man bei der Kombi Cellobogen + Gitarre überhaupt von kommerziell sprechen kann).
Ich bin zufrieden mit dem Bogen und weiß nicht wie und ob sich ein Upgrade auf z.B. einen Carbon Bogen für meinen Anwendungsbereich lohnen würde.
Ich vermute es geht nur übers Ausprobieren und hängt stark davon ab, was man damit macht.
Ich hoffe das Review hat dem ein oder anderen geholfen bei der Suche nach einem Bogen oder auch für die generelle Anwendung eines Cello-Bogens auf der E-Gitarre.
Daher vielen Dank fürs Lesen und schöne Grüße!
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