toni12345
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Nachdem in einem anderen Thread Interesse am Nanomag-Pickup von Shadow aufkam, habe ich mich entschlossen ein Review des Shadow Sonic Doubleplay zu schreiben, eines Preamps, an den sowohl der Nanomag, ein kleiner magnetischer PU, als auch der Nanoflex, ein Under Saddle Transducer (UST), angeschlossen werden. Der Preamp ist in meiner Lakewoo D-32 Custom verbaut und war zum Zeitpunkt, als ich sie gekauft habe, der Standardpreamp von Lakewood.
Einbau und Bedienung:
Bei mir war wie gesagt das komplette System schon von Anfang an eingebaut, aber auch das Nachrüsten ist denkbar einfach. Der Nanoflex kommt unter die Stegeinlage, da braucht man dann ein kleines Loch zur Kabeldurchführung, den Nanomag befestigt man am unteren Ende des Griffbretts, und der Preamp samt Bedienelementen kommt innen ans Schallloch. Damit ist er beinahe unsichtbar, aber dennoch recht gut zugänglich. Das tolle am Nanomag ist, dass er direkt ins Griffbrett integriert werden kann, wenn der Gitarrenbauer das von vorneherein so plant. Bei meiner Lakewood ist der PU nicht zu sehen, nur ein Kabel, das von unten Richtung Griffbrett geht, zeigt, dass da überhaupt was drin steckt.
Auch die Bedienung ist nicht sonderlich komplex. Wie man im Foto sieht, gibt es ein Rädchen für die Lautstärke, einen Toneregler, mit dem man in erster Linie die Bässe betonen oder rausnehmen kann und einen Schieberegler mit Rastung in der Mitte, mit dem man zwischen den zwei Pickups überblenden kann. Außerdem gibt es auf der Rückseite des Preamps noch einen Phase-Schalter, den man bei Feedbackproblemen betätigen kann. Leider ist der ziemlich schwer zugänglich, so dass ich ihn eigentlich nie benutze und zwischendurch schon ganz vergessen hatte, dass es den auch noch gibt.
Zu kritisieren wäre vielleicht, dass insbesondere das Volumen-Rädchen keinerlei Anzeige hat, in welcher Position es sich gerade befindet. Man kann also nur durch Ausprobieren herausfinden, ob man z.B. noch Luft nach oben hat, was die Lautstärke angeht. Ansonsten lässt sich alles aber ganz gut auch blind beim Spielen bedienen. Die Knopfzelle, die den Preamp mit Saft versorgt, ist von vorne zugänglich, der Wechsel ist also auch mit aufgezogenen Saiten kein Problem.
Der Klang
Was am Ende zählt, ist natürlich der Klang des Systems. Schwierigen Einbau, miese Optik, umständliche Bedienung, das nehm ich alles (in Maßen) in Kauf, wenn ich es irgendwie schaffe, auch ohne Mikrofonierung einen natürlichen Akustikklang in die PA zu kriegen, und zwar nach Möglichkeit bei wildem Strumming genauso wie bei leisen gezupften Passagen. Der Doubleplay ist in dieser Hinsicht vielleicht kein absolutes Highend-Produkt, aber er macht seine Sache doch sehr ordentlich. Zur Illustration drei Soundschnipsel, jeweils mit einem A/B-Vergleich auf der linken und rechten Stereospur. (Zum Vergleichen müsst ihr die Datei also runterladen und in einem Player wie Winamp abspielen, der einen Balanceregler hat.)
Als erstes ein Vergleich zwischen Mikroabnahme (Großmembranmikro B1 von Studioprojects, rechte Stereospur) und dem Pickupsignal mit dem Überblendregler in Mittelstellung (linke Spur). Beide Spuren ohne EQ, beim Pickupsignal ist ein bisschen Hall dabei, um zur besseren Vergleichbarkeit den Raumhall auf dem Mikro auszugleichen.
Man hört selbstverständlich einen Unterschied, der Mikrofonklang ist für meine Ohren lebendiger, der Pickup eher ein bisschen steril, aber man hat doch schon ganz ohne Effekte eine vor allem für Liveauftritte sehr brauchbaren Grundsound. Auch was Feedbackanfälligkeit angeht, hatte ich bis jetzt selten Probleme, so dass ich den Phase-Switch wie erwähnt selten benutzt oder vermisst habe. Am Schluss habe ich noch ein bisschen auf Decke und Saiten rumgeklopft, auch wenn das sonst nicht mein Metier ist. Hier hört man deutlich eine Einschränkung: Weder Nanoflex noch mag sind dazu in der Lage, solche Percussionsachen naturgetreu wiederzugeben, was eigentlich ja auch nicht weiter verwunderlich ist. Wer also auch gerne mal auf die Gitarre einprügelt und das über die PA schicken möchte, der sollte sich nach einem Pickupsystem mit Mikro oder Deckentransducer umsehen.
Wenn man beide Signale gleichzeitig abhört, merkt man, dass der Bass stärker von rechts, also vom Mikro kommt, während die Höhen beim Pickup deutlicher sind. Das kann man sich unter Umständen beim Recording zu Nutze machen, wenn man beide Spuren mitschneidet und dann entsprechend mischt.
Im zweiten Soundsample hört ihr einen Vergleich zwischen Nanomag, also dem unter dem Griffbrett eingebauten Magnettonabnehmer, auf rechts und Nanoflex, dem Piezo-UST auf links. Da es nicht möglich ist, die beiden Signale getrennt abzugreifen, musste ich alles zweimal einspielen, so dass das gemischte Signal eben wie eine gedoppelte Gitarre klingt und nicht exakt so, wie der Preamp ein Mischsignal wiedergeben würde:
Beim Nanoflex hört man meiner Meinung nach deutlich die Piezocharakteristik durch, wenn es auch nicht so grauslig klingt wie bei manch anderem Piezo-UST. Der Nanomag bietet für einen Magnet-PU einen ziemlich differenzierten, höhenreichen Klang, so dass die Mischung keine Wahl zwischen zwei Extremen sondern eher ein sanftes Überblenden ist. Bei mir ist der Überblendregler fast ausschließlich in der Mittelstellung, da mir der Mischsound am meisten zusagt, aber hier ist man je nach Geschmack oder Stil eben sehr flexibel.
Zu guter Letzt gibt es dann auch noch den Toneregler, der wie erwähnt eigentlich eine Art Bassboost ist. Im letzten Soundsample hört man links den Bass ganz rausgedreht, während er rechts voll dabei ist:
Auf der Aufnahme mit mp3-Kompression hört es sich fast so an, als müsse man für den besten Klang volle Kanne Bass reindrehen, im echten Leben klingt die Extremstellung oft ein bisschen dröhnend, aber das kann man je nach Situation ganz leicht anpassen. Auf jeden Fall hat man hier nochmal eine einfache, aber effektive Möglichkeit, den Sound an das Instrument, die Band oder die äußeren Gegebenheiten anzupassen. Es ist zwar nur ein Regler, aber der ist in vielen Situationen mindestens genauso praktisch wie der 3- oder 4-Band-EQ mancher anderer Preamps.
Fazit
Für den doch relativ gemäßigten Preis kriegt man beim Doubleplay ne Menge für sein Geld geboten. Der Klang ist zwar nicht am allerhöchsten Ende der Qualitätsleiter angesiedelt, aber gerade beim Liveeinsatz gibt es in dieser Hinsicht tatsächlich nicht viel zu meckern. Durch die zwei Pickups und die durchdachten Regelmöglichkeiten ist man trotz (beinahe) idiotensicherer Bedienung sehr flexibel.
Negativ anzumerken wären die etwas kleinen Rädchen und Schieber. Da muss so mancher Wurstfingergitarrist seine Feinmotorik erst ein bisschen trainieren. Außerdem: Wie bereits erwähnt nix für Gitarrenklopfer, das kommt mit diesen Pickups einfach nicht rüber.
Und zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung: Ein Anreiz, dieses Review zu schreiben, lag auch darin, für mich selbst diese A/B-Vergleiche mal festzuhalten und genau anzuhören. Es ist doch ein großer Unterschied, ob man ein ungefähres Gefühl hat, was eine bestimmte Einstellung bewirkt, oder ob man sich das tatsächlich im direkten Vergleich anhören kann. Und trotzdem sieht das live je nach Instrument, PA, Location etc. wieder ganz anders aus, ums selbst ausprobieren kommt hier also keiner drum herum.
Gruß
Toni
Einbau und Bedienung:
Bei mir war wie gesagt das komplette System schon von Anfang an eingebaut, aber auch das Nachrüsten ist denkbar einfach. Der Nanoflex kommt unter die Stegeinlage, da braucht man dann ein kleines Loch zur Kabeldurchführung, den Nanomag befestigt man am unteren Ende des Griffbretts, und der Preamp samt Bedienelementen kommt innen ans Schallloch. Damit ist er beinahe unsichtbar, aber dennoch recht gut zugänglich. Das tolle am Nanomag ist, dass er direkt ins Griffbrett integriert werden kann, wenn der Gitarrenbauer das von vorneherein so plant. Bei meiner Lakewood ist der PU nicht zu sehen, nur ein Kabel, das von unten Richtung Griffbrett geht, zeigt, dass da überhaupt was drin steckt.
Auch die Bedienung ist nicht sonderlich komplex. Wie man im Foto sieht, gibt es ein Rädchen für die Lautstärke, einen Toneregler, mit dem man in erster Linie die Bässe betonen oder rausnehmen kann und einen Schieberegler mit Rastung in der Mitte, mit dem man zwischen den zwei Pickups überblenden kann. Außerdem gibt es auf der Rückseite des Preamps noch einen Phase-Schalter, den man bei Feedbackproblemen betätigen kann. Leider ist der ziemlich schwer zugänglich, so dass ich ihn eigentlich nie benutze und zwischendurch schon ganz vergessen hatte, dass es den auch noch gibt.
Zu kritisieren wäre vielleicht, dass insbesondere das Volumen-Rädchen keinerlei Anzeige hat, in welcher Position es sich gerade befindet. Man kann also nur durch Ausprobieren herausfinden, ob man z.B. noch Luft nach oben hat, was die Lautstärke angeht. Ansonsten lässt sich alles aber ganz gut auch blind beim Spielen bedienen. Die Knopfzelle, die den Preamp mit Saft versorgt, ist von vorne zugänglich, der Wechsel ist also auch mit aufgezogenen Saiten kein Problem.
Der Klang
Was am Ende zählt, ist natürlich der Klang des Systems. Schwierigen Einbau, miese Optik, umständliche Bedienung, das nehm ich alles (in Maßen) in Kauf, wenn ich es irgendwie schaffe, auch ohne Mikrofonierung einen natürlichen Akustikklang in die PA zu kriegen, und zwar nach Möglichkeit bei wildem Strumming genauso wie bei leisen gezupften Passagen. Der Doubleplay ist in dieser Hinsicht vielleicht kein absolutes Highend-Produkt, aber er macht seine Sache doch sehr ordentlich. Zur Illustration drei Soundschnipsel, jeweils mit einem A/B-Vergleich auf der linken und rechten Stereospur. (Zum Vergleichen müsst ihr die Datei also runterladen und in einem Player wie Winamp abspielen, der einen Balanceregler hat.)
Als erstes ein Vergleich zwischen Mikroabnahme (Großmembranmikro B1 von Studioprojects, rechte Stereospur) und dem Pickupsignal mit dem Überblendregler in Mittelstellung (linke Spur). Beide Spuren ohne EQ, beim Pickupsignal ist ein bisschen Hall dabei, um zur besseren Vergleichbarkeit den Raumhall auf dem Mikro auszugleichen.
Man hört selbstverständlich einen Unterschied, der Mikrofonklang ist für meine Ohren lebendiger, der Pickup eher ein bisschen steril, aber man hat doch schon ganz ohne Effekte eine vor allem für Liveauftritte sehr brauchbaren Grundsound. Auch was Feedbackanfälligkeit angeht, hatte ich bis jetzt selten Probleme, so dass ich den Phase-Switch wie erwähnt selten benutzt oder vermisst habe. Am Schluss habe ich noch ein bisschen auf Decke und Saiten rumgeklopft, auch wenn das sonst nicht mein Metier ist. Hier hört man deutlich eine Einschränkung: Weder Nanoflex noch mag sind dazu in der Lage, solche Percussionsachen naturgetreu wiederzugeben, was eigentlich ja auch nicht weiter verwunderlich ist. Wer also auch gerne mal auf die Gitarre einprügelt und das über die PA schicken möchte, der sollte sich nach einem Pickupsystem mit Mikro oder Deckentransducer umsehen.
Wenn man beide Signale gleichzeitig abhört, merkt man, dass der Bass stärker von rechts, also vom Mikro kommt, während die Höhen beim Pickup deutlicher sind. Das kann man sich unter Umständen beim Recording zu Nutze machen, wenn man beide Spuren mitschneidet und dann entsprechend mischt.
Im zweiten Soundsample hört ihr einen Vergleich zwischen Nanomag, also dem unter dem Griffbrett eingebauten Magnettonabnehmer, auf rechts und Nanoflex, dem Piezo-UST auf links. Da es nicht möglich ist, die beiden Signale getrennt abzugreifen, musste ich alles zweimal einspielen, so dass das gemischte Signal eben wie eine gedoppelte Gitarre klingt und nicht exakt so, wie der Preamp ein Mischsignal wiedergeben würde:
Beim Nanoflex hört man meiner Meinung nach deutlich die Piezocharakteristik durch, wenn es auch nicht so grauslig klingt wie bei manch anderem Piezo-UST. Der Nanomag bietet für einen Magnet-PU einen ziemlich differenzierten, höhenreichen Klang, so dass die Mischung keine Wahl zwischen zwei Extremen sondern eher ein sanftes Überblenden ist. Bei mir ist der Überblendregler fast ausschließlich in der Mittelstellung, da mir der Mischsound am meisten zusagt, aber hier ist man je nach Geschmack oder Stil eben sehr flexibel.
Zu guter Letzt gibt es dann auch noch den Toneregler, der wie erwähnt eigentlich eine Art Bassboost ist. Im letzten Soundsample hört man links den Bass ganz rausgedreht, während er rechts voll dabei ist:
Auf der Aufnahme mit mp3-Kompression hört es sich fast so an, als müsse man für den besten Klang volle Kanne Bass reindrehen, im echten Leben klingt die Extremstellung oft ein bisschen dröhnend, aber das kann man je nach Situation ganz leicht anpassen. Auf jeden Fall hat man hier nochmal eine einfache, aber effektive Möglichkeit, den Sound an das Instrument, die Band oder die äußeren Gegebenheiten anzupassen. Es ist zwar nur ein Regler, aber der ist in vielen Situationen mindestens genauso praktisch wie der 3- oder 4-Band-EQ mancher anderer Preamps.
Fazit
Für den doch relativ gemäßigten Preis kriegt man beim Doubleplay ne Menge für sein Geld geboten. Der Klang ist zwar nicht am allerhöchsten Ende der Qualitätsleiter angesiedelt, aber gerade beim Liveeinsatz gibt es in dieser Hinsicht tatsächlich nicht viel zu meckern. Durch die zwei Pickups und die durchdachten Regelmöglichkeiten ist man trotz (beinahe) idiotensicherer Bedienung sehr flexibel.
Negativ anzumerken wären die etwas kleinen Rädchen und Schieber. Da muss so mancher Wurstfingergitarrist seine Feinmotorik erst ein bisschen trainieren. Außerdem: Wie bereits erwähnt nix für Gitarrenklopfer, das kommt mit diesen Pickups einfach nicht rüber.
Und zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung: Ein Anreiz, dieses Review zu schreiben, lag auch darin, für mich selbst diese A/B-Vergleiche mal festzuhalten und genau anzuhören. Es ist doch ein großer Unterschied, ob man ein ungefähres Gefühl hat, was eine bestimmte Einstellung bewirkt, oder ob man sich das tatsächlich im direkten Vergleich anhören kann. Und trotzdem sieht das live je nach Instrument, PA, Location etc. wieder ganz anders aus, ums selbst ausprobieren kommt hier also keiner drum herum.
Gruß
Toni
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